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Fünf Jahre, bitte! Bayerns Torwart Manuel Neuer will einen langfristigen Vertrag beim Rekordmeister. Bild: imago images/Sven Simon/frank hoermann

Analyse

Verzockt sich Bayern bei Neuer? So einen Torwart darf man nicht gehen lassen

Spektakuläre Flugparaden, schier übermenschliche Reaktionen, gehaltene Elfmeter. Bayern-Keeper Manuel Neuer hält und hält und hält – und, wenn es sein muss, dribbelt er auch mal in höchster Not einen Gegenspieler aus. Ein rund zwei Monate altes Video auf dem Youtube-Account des FC Bayern München zeigt die besten Aktionen seines Torwarts. Der Titel des Clips lautet "Das ist Neuer der Goatkeeper".

Am Dienstagabend twitterte die Social-Media-Abteilung des FC Bayern dieses Huldigungsvideo der Großtaten Neuers erneut, inklusive Ziegen-Emoji.

Moment mal. "Goatkeeper"? Ziegen? Hä?

Ziege = engl. Goat.

Abkürzung G.O.A.T. = Greatest of all Times.

"Goatkeeper" = Wortspiel aus G.O.A.T. und Goalkeeper.

Das Ziegen-Emoji 🐐 wird gerne stellvertretend für G.O.A.T. verwendet.

Einer der Top-Kommentare unter dem Zusammenschnitt der besten Neuer-Paraden: "Habe gehofft, am Ende kommt so etwas wie: 'Neuer 2023'". Ein User schrieb diesen Satz vor rund einem Monat unter das Video, spielte damit auf eine ersehnte Vertragsverlängerung des Torwarts an, dessen Kontrakt im Sommer 2021 ausläuft.

FC Bayern und Manuel Neuer: Vertragsverlängerung scheint meilenweit entfernt – das sind die Gründe

Doch von einer Verlängerung ist man aktuell weit entfernt. Während sich der Rekordmeister kürzlich mit Trainer Hansi Flick und Offensivallrounder Thomas Müller auf eine weitere Zusammenarbeit bis 2023 einigte, stocken die Vertragsverhandlungen mit Neuer massiv.

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Zwei Stützen des Teams: Manuel Neuer (l.) und Thomas Müller. Bild: imago images/MIS/bernd feil

Einer der Hauptgründe: Wenn es nach Manuel Neuer und seinem Berater Thomas Kroth geht, sollte es nämlich nicht "Neuer 2023" sondern eher "Neuer 2025" heißen. Die Nummer eins des Rekordmeisters will weitere fünf Jahre in München bleiben. Dann wäre der 34-jährige Neuer fast 40 Jahre alt. Bei Profis jenseits der 30 verlängert der FC Bayern Verträge in der Regel nur ein bis zwei Jahre. So soll es jetzt auch im Falle Neuers sein: Zwei Jahre verlängern, dann weitersehen.

Ein weiterer Hauptgrund, warum die Verhandlungen über ein neues Arbeitspapier von Neuer nicht vom Fleck kommen: Der Kapitän des FC Bayern und der Nationalelf soll via Kroth mehr als 20 Millionen Euro Gehalt pro Jahr fordern, wie "Sport Bild" bereits vor Ostern berichtete. Diese erkleckliche Forderung habe laut dem Magazin für "Unverständnis bei den Bayern-Bossen gesorgt".

Umgekehrt gibt es bei Neuer und Kroth Unverständnis, dass derartige Informationen offenbar immer wieder indiskreterweise an Medien weitergegeben werden. Das Fachmagazin "Kicker" berichtet überdies von einem "stark erschütterten" Vertrauensverhältnis zwischen Neuer und dem FCB. Dies treffe auch nach Informationen der "Süddeutsche Zeitung" zu.

Manuel Neuer: Sind 20 Millionen Euro Gehalt pro Jahr gierig oder im Vergleich zu den anderen Bayern-Profis gerechtfertigt?

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge betonte vor kurzem, dass alle Spieler, deren Verträge auslaufen, vor der Corona-Pandemie "faire Angebote" erhalten hätten. Diese seien auch nicht aufgrund der aktuellen Lage angepasst worden.

Viele werfen Neuer nun Geldgier vor, Sportreporter Marcel Reif nannte 20 Millionen Gehalt im Jahr angesichts der Corona-Krise "obszön". Bei Twitter schrieb jemand, dass eine solche Summe höchstens gerechtfertigt sei, wenn Neuer nebenbei noch drei Dax-Unternehmen leitete.

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Gierschlund oder einfach nur selbstbewusst? Manuel Neuer beim Training. Bild: www.imago-images.de / LakoPress via www.imago-images.de

Dabei sind Jahressaläre in diesen Dimensionen gar nicht mal unüblich beim Rekordmeister. Stürmerstar Robert Lewandowski soll rund 20 Millionen Euro pro Jahr erhalten, auch der vom FC Barcelona geliehene Philippe Coutinho soll in dieser Größenordnung verdienen. Neuzugang Lucas Hernández sogar 24 Millionen, wie der "Kicker" aus Beraterkreisen erfahren haben will. Hernández, der 2018 mit Frankreich in Russland den Weltmeistertitel holte, soll damit der Topverdiener an der Säbener Straße sein. Dessen Berater Garcia Quilon dementierte gegenüber "Spox" und "Goal": "Was da geschrieben wird, ist vollkommen falsch." Weder brutto noch netto verdiene Quilons Mandant Hernández 24 Millionen per annum.

Aussage gegen Aussage. Wie auch immer. Sollte Hernández, 24, aber auch nur annähernd so viel verdienen, wie kolportiert wird, dann hätten Neuer und sein Berater einen Punkt.

Fußball, Bundesliga, FC Bayern München - FC Augsburg Im Bild Lucas HERNANDEZ FC Bayern München, 21 applaudiert Fans. München Allianz Arena Bayern Deutschland *** Football, Bundesliga, FC Bayern Munich FC Augsburg In the picture Lucas HERNANDEZ FC Bayern Munich, 21 applauds fans Munich Allianz Arena Bayern Germany Copyright: Passion2Press/MarkusxFischerx

Lucas Hernández wechselte im Sommer 2019 von Atlético Madrid nach München. Bild: imago images/Passion2Press/Markus Fischer

Denn wenn ein junger 24-jähriger Profi, der erst wenige Monate in München spielt und bisher aufgrund von Verletzungen seine Fähigkeiten noch nicht konstant unter Beweis stellen konnte, der Topverdiener ist, dann kann auch Neuer guten Gewissens so viel Geld fordern.

Manuel Neuer und der FC Bayern: Eine Erfolgsgeschichte seit fast einem Jahrzehnt, trotz anfänglichem Misstrauen der Fans

Verständlich: Er spielt seit 2011 in München, hat auf Vereinsebene 18 Titel mit dem FCB gewonnen, ist Nationaltorwart, zwischen 2013 und 2016 war er vier Mal in Folge Welttorhüter des Jahres, trägt in der Nationalelf und bei Bayern die Spielführerbinde. Neuer ist zwar schon längst über 30, doch als Torwart kann man auch noch Topleistungen erbringen, wenn man auf die 40 zugeht. Denn vor allem im Tor kommt es auf Erfahrung an, einhergehend mit wachsender Nervenstärke, Abgebrühtheit, Ruhe. Beste Beweise sind unter anderem der Italiener Gigi Buffon, der mit 42 noch aktiv ist, oder auch Ex-Bayern-Kapitän Oliver Kahn, der seine Karriere 2008 mit 39 beendete.

Im Jahr 2019 mag Neuer nach seiner langwierigen Fußverletzung nicht in Topform gewesen sein, doch er hat bis kurz vor der coronabedingten Fußballpause wieder an alte Leistungen anknüpfen können.

Neuer und der FC Bayern, das ist eine Erfolgsgeschichte. Der ehemalige Schalker absolvierte schon 373 Pflichtspiele für den FCB, hielt dabei 189 Mal die Null. Auch charakterlich und für das Teamgefüge ist Neuer wichtig, er verkörpert das "Mia san mia", ist Führungsspieler und internationales Aushängeschild des Klubs. Und das alles denjenigen Bayern-Ultras zum Trotz, die ihn damals nicht wollten und nach seinem feststehenden Wechsel nach München in der Allianz Arena "Koan Neuer"-Plakate hochhielten.

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"Koan Neuer. Kraft ist unser neuer Sepp." Solche und ähnliche Plakate hielten Fans des FC Bayern im April 2011 hoch, als der damalige Schalker Manuel Neuer zu Gast war. Sein Wechsel nach München stand bereits fest. Thomas Kraft wurde übrigens nicht der "neue Sepp" (Sepp Maier, Weltmeister 1974, Anm.), sondern arbeitet bei Hertha BSC an seinem Mehrwert. bild: imago images/schiffmann

Neuer hat seitdem ein ganzes Jahrzehnt beim FC Bayern geprägt, außerdem als mitspielender Keeper das Torwartspiel auf der ganzen Welt revolutioniert. Sein Standing, seine konstant guten Leistungen beim Rekordmeister – und nicht zuletzt das Gehaltsgefüge der Bayern – lassen Neuers angebliche Über-20-Millionen-Forderung in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Einen solchen Torwart wie Manuel Neuer darf der FC Bayern nicht gehen lassen, wenn er "nur" Nübel in der Hinterhand hat

So einen Torwart darf man nicht einfach gehen lassen, so ein Führungsspieler muss auch einer der Topverdiener sein. Hier geht es auch um Wertschätzung. Die Bayern müssen aufpassen, dass sie sich bei Neuer nicht verzocken. Einen ähnlich guten und routinierten Torwart findet man selten; obendrein – logischerweise – keinen, der seit bald zehn Jahren im Verein ist und eine solche Erfahrung hat.

"Man lässt seine Leistungsträger nicht so einfach gehen", findet auch Bayerns Torhüter-Legende Sepp Maier, wie er der Zeitung "AZ" sagte. Der 76-Jährige hält dabei auch die angebliche Gehaltsforderung für gerechtfertigt: "Warum soll Neuer dann nicht auch so viel [wie Hernández] verdienen?" Der Weltmeister von 1974 rät seinem Ex-Verein, mit der aktuellen Nummer eins zu verlängern und prophezeit weitere Neuer-Jahre beim FC Bayern auf Topniveau. Maier weiter: "Ich glaube nicht, dass sie so dumm sind und den Neuer gehen lassen." Es gebe "momentan keinen Besseren als Neuer auf der Welt und es wird auch in den nächsten fünf Jahren keinen geben."

Sepp Maier (FC Bayern München) in einer Rüstung - Maier ist Mann des Jahres 1974/1975 bei der Wahl der Bundesliga-Spieler in der Sport Illustrierte für Sport und Freizeit

Sepp Maier FC Bavaria Munich in a Armaments Maier is Man the Year 1974 1975 at the Choice the Bundesliga Players in the Sports Illustrated for Sports and Leisure

Hört auf den Mann des Jahres 1974/75. Wir hätten auch ein aktuelles Bild von Sepp Maier nehmen können. Aber warum sollten wir das tun, wenn es dieses hier gibt? Bild: imago sportfotodienst / Fred Joch

Die einzige Alternative, wenn es nicht zu einer Einigung zwischen Bayern und Neuer käme, wäre: Neuer wechselt nach Ablauf seines Vertrages ablösefrei den Verein. Der FC Chelsea und Manchester City mit Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola sollen Gerüchten zufolge interessiert sein.

Vor Ablauf seines Vertrages will Bayern Neuer gar nicht verkaufen. Er soll ja quasi als Mentor für Jungtorwart Alexander Nübel dienen. Der 23-Jährige wechselt nach der Saison vom FC Schalke zum FC Bayern, er hat für fünf Jahre unterschrieben und soll hinter Neuer zur nächsten Nummer eins im Tor reifen. Das Zeug, um sofort Stammkeeper in München zu werden, sollte Neuer 2021 Adé sagen, scheint Nübel noch nicht zu haben. Nach Bekanntwerden seines Wechsels patzte Nübel in der Bundesliga oft, verlor auf Schalke sogar seinen Platz zwischen den Pfosten. Nübel ist talentiert, aber noch keine Weltklasse.

FC Bayern: Die Zwickmühle mit Nübel und eine Warnung aus London

Sollte Neuer in einem Jahr weg und Nübel noch nicht gut genug für die Rekordmeisteransprüche sein, wäre der FC Bayern in einer Zwickmühle. Und ein neuer Torwart auf Neuer-Niveau, den der Klub dann eventuell nachkaufen müsste, würde sicher alleine annähernd so viel Ablöse kosten, wie fünf Jahre lang 20 Millionen Euro Gehalt auf Neuers Konto zu überweisen.

Und dass Geld nicht unbedingt alles hält, das beweist aktuell zum Beispiel der spanische Torwart Kepa Arrizabalaga vom FC Chelsea. Der ist seit seinem Wechsel im Jahr 2018 von Athletic Bilbao nach England für 80 Millionen Euro zwar der teuerste Torwart der Welt, – aber der 25-jährige Jungstar war seit Februar im Formtief und nur noch Ersatz bei den Blues. Nübel lässt grüßen. An Kepas Stelle hütete zuletzt der 38-jährige Argentinier Willy Caballero das Tor beim FC Chelsea. Der ist zwar viel weniger talentiert und eher eine Notlösung, aber, wie gesagt, im Tor kommt es auch zum großen Teil auf Erfahrung, Nervenstärke, Abgebrühtheit und Ruhe an. Daher rührt wohl auch das angebliche Interesse der Londoner an Neuer, die den Bayern-Torwart mit Kusshand nähmen, sollte er für null Euro zu haben sein.

 07.04.2020, Fussball GER, 1. Bundesliga Saison 2019 2020, Corona Training FC Schalke 04, , Torwart Alexander Nübel, Alexander Nuebel Schalke 04 Gelsenkirchen Nordrhein-Westfalen Deutschland *** 07 04 2020, Football GER, 1 Bundesliga season 2019 2020, Corona Training FC Schalke 04, , Goalkeeper Alexander Nübel, Alexander Nuebel Schalke 04 Gelsenkirchen North Rhine-Westphalia Germany Team2

Ein Ball liegt; ein Ball fliegt, Nübel auch. Bild: imago images/Team 2

Ab Januar 2021 darf Neuer, sollte sein neues Arbeitspapier beim FC Bayern dann noch nicht unterschrieben sein, laut Regularien mit anderen Vereinen verhandeln. Bis dahin ist noch Zeit, einen Kompromiss zu finden. Laut "Kicker" könnten bis zur "definitiven Entscheidung" noch Wochen oder sogar Monate vergehen.

Vielleicht war das erneute Posten des "Goatkeeper"-Videos Neuer auf den Social-Media-Kanälen des FC Bayern kein Zufall, sondern ein erster kleiner Schritt, um öffentlich die Wogen im Vertragsstreit zu glätten. Wenn man sich das Video so ansieht, dann sollte auch eigentlich kein Zweifel daran bestehen, mit Neuer zu verlängern.

Guck, hier: Die Großtaten des G.O.A.T. 🐐

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Video: YouTube/FC Bayern München

Jorge Campos – Mexikos Torwart mit den bunten Trikots

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