Im Otkober 2021 durften die Vereine aufgrund der Corona-Lage ihre Stadien bereits wieder zu 75 Prozent auslasten. Anschließend gab es wieder starke Beschränkungen.
Im Otkober 2021 durften die Vereine aufgrund der Corona-Lage ihre Stadien bereits wieder zu 75 Prozent auslasten. Anschließend gab es wieder starke Beschränkungen.Bild: www.imago-images.de / ActionPictures
Analyse

Volle Stadionauslastung: Experten erklären, warum das in der Bundesliga trotz hoher Corona-Zahlen kein Problem ist

01.04.2022, 17:3201.04.2022, 20:31

22.000 Menschen am Freitagabend in Berlin, mehr als 50.000 Fans am Samstagnachmittag in Frankfurt und Gladbach und über 80.000 frenetische Anhänger am Samstagabend im Dortmunder Signal-Iduna-Park: Am Wochenende kehrt die Bundesliga zur Normalität zurück. Nach zwei Jahren mit Geisterspielen und beschränkten Zuschauerkapazitäten dürfen die Vereine ihre Stadien am Wochenende erstmals wieder voll auslasten.

"Die wichtigste Personalfrage sind erstmal die Fans, dass sie nach über 700 Tagen wieder ins Stadion dürfen und wir ein volles Haus haben und alle dabei sind. Da freuen wir uns alle riesig drauf", sagte Borussia Dortmunds Trainer Marco Rose auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Denn im Top-Spiel am Samstagabend gegen RB Leipzig wird das Dortmunder Stadion nach 763 Tagen wieder komplett ausverkauft sein.

Und das, obwohl die Corona-Zahlen aktuell mit über 200.000 Neuinfektionen täglich in der vergangenen Woche weiterhin auf einem sehr hohen Niveau liegen. "Deshalb sollten wir alle entsprechend vorsichtig sein", warnt Epidemiologe Timo Ulrichs von der akkon Hochschule in Berlin im Gespräch mit watson vor der Auslastung der Stadien. Aufgrund der hohen Virusaktivität bestünde eine erhöhte Hospitalisierungsgefahr von ungeimpften Personen, die sich anstecken könnten.

30.000 Fans reisen in Dortmund mit dem ÖPNV zum Spiel

Die Gefahr, dass sich die Fans im dichten Gedränge in Bussen und Bahnen bei der Anreise zum Stadion anstecken, sei laut der Verkehrsabteilung der Dortmunder Stadtwerke (DSW21), des Rhein-Main-Verkehrsbundes (RMV), der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Berliner S-Bahn aber enorm gering, erklärten sie gegenüber watson.

Und das, obwohl laut der DSW21 allein bei einem ausverkauften Dortmunder Heimspiel rund 30.000 Fans mit dem ÖPNV anreisen würden. Doch gerade vor diesem Hintergrund erklärte das Verkehrsunternehmen zu Wochenbeginn: "Im Stadtbahnbereich wird wieder alles rollen, was Räder hat. Auch viele zusätzliche Busse sind im Einsatz."

Unabhängig von der Rückkehr der Fans seien Vereine und ÖPNV-Betriebe aber im kontinuierlichen Austausch – egal, ob in Berlin, Dortmund, Frankfurt oder Gladbach.

Zahlreiche Fans drängen sich auf einem Bahnhof vor einen Zug.
Zahlreiche Fans drängen sich auf einem Bahnhof vor einen Zug. Bild: dpa / Frank Rumpenhorst

FFP2-Masken im ÖPNV als Mittel gegen Corona-Infektion

"Es ist allen Seiten ein großes Anliegen, dass wir den Zuschauern eine sichere An- und Abreise zum Stadion ermöglichen", sagte Nahverkehrsunternehmen in Mönchengladbach (NEW) auf watson-Anfrage.

Dies sei vor allem möglich, wenn alle Fans bei der An- und Abreise eine FFP2-Maske tragen würden. Das Einhalten dieser Regel werden laut den verschiedenen Verkehrsbetrieben am Wochenende verstärkt kontrolliert. Inwiefern das aber wirklich möglich ist, ist fraglich.

"Aufgrund des hohen Fan- und damit Fahrgastaufkommens haben wir am kommenden Samstag selbstverständlich mehr Service- und Sicherheitspersonal im Einsatz als bei einem Spiel mit 10.000 oder 25.000 Zuschauern", sagte DW21-Sprecher Frank Fligge lediglich gegenüber watson.

Volle Stadionauslastung für Vereine "keine Normalität" mehr

Doch nicht nur die öffentlichen Verkehrsmittel, auch für Borussia Dortmund sei ein Spiel vor 81.000 Fans "keine Normalität mehr", sagte BVB-Pressesprecher Sascha Fligge. "Wir haben dazu die Herausforderung, dass wir 3G mit einer Vollauslastung unter einen Hut bekommen müssen."

Daher bittet er die Fans, "so früh wie möglich zum Stadion zu kommen." Auch von den anderen Vereinen, die ein Heimspiel bestreiten, war ähnliches zu hören. So wollen die Klubs lange Schlangen und dichtes Gedränge am Eingang vermeiden.

Doch genau hier komme es laut Epidemiologe Ulrichs zu den meisten Ansteckungen. "In den Gängen, Innenbereichen, Toiletten, beim Anstehen und Schlangenbildung", zählt er die Orte auf, an denen die meisten Ansteckungen zu erwarten seien.

Denn anders als im ÖPNV gilt in den Stadien keine Maskenpflicht mehr.

Die bekannte Dortmunder Südtribüne wird am Samstagabend nach über 700 Tagen wieder ausverkauft sein.
Die bekannte Dortmunder Südtribüne wird am Samstagabend nach über 700 Tagen wieder ausverkauft sein.Bild: augenklick/firo Sportphoto / Ralf Ibing

Boosterung für Geimpfte, Gefahr für Ungeimpfte

Dass die Stadien trotz der Omikron-Variante und der hohen Zahlen nun wieder öffnen, sieht Ulrichs daher zwiespältig. Einerseits sei es verständlich, da sich vor allem junge Menschen im Stadion aufhalten und die Partien an der frischen Luft stattfinden. Zudem setzt der 51-Jährige auf den "Frühlingseffekt", durch den die Anzahl der Infektionen erfahrungsgemäß zurückgehen.

"Meine Empfehlung ist es, im Innenbereich eine Maske zu tragen. Aber das ist jedem selbst überlassen."
Alexander Freier-Winterwerb, Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick

Andererseits würden solche großen Menschenmengen die aktuell zirkulierende Virusmenge erhöhen, wodurch die hohen Fallzahlen erhalten bleiben. Somit wäre vom "Frühlingseffekt" keine Spur mehr.

Insgesamt resümiert der Epidemiologe, dass eine Öffnung für geimpfte Personen absolut vertretbar sei, da "eine Infektion mit milden bis sehr milden Verläufen assoziiert wird", zudem stelle sie sogar eine zusätzliche Boosterung dar.

Für Ungeimpfte würde auch eine wiederholte Infektion für keine Grundimmunität sorgen, sondern weiterhin das Risiko bestehen, ins Krankenhaus zu kommen.

"Meine Empfehlung ist es, im Innenbereich eine Maske zu tragen. Aber das ist jedem selbst überlassen", sagt Alexander Freier-Winterwerb, Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick dem "kicker".

BVB-Trainer Rose hält Vollauslastung für Vorteil für seine Mannschaft

BVB-Trainer Marco Rose freut sich hingegen vor allem auf die Stimmung im Dortmunder Stadion, die einige Spieler wie Jungstar Jude Bellingham so noch nie erlebt haben.

Zudem hofft der Coach, dass die Fans und stimmungsvollen Ultras den Spielern in den letzten Saisonspielen "einen Schub geben." Denn mit den Zuschauern im Rücken sei man sogar einer mehr. Das gilt jedoch nicht nur für den BVB, sondern auch für die Teams im Abstiegskampf, die wichtige Punkte im Rennen um den Ligaverbleib sammeln wollen.

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