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Stehen unten in der Tabelle, haben aber theoretisch noch Chancen auf Relegation oder Klassenerhalt: Der SV Werder Bremen und Aufsteiger SC Paderborn. Bild: imago images/Sven Simon

Analyse

Bei Saison-Abbruch wäre Liga-Aufstockung nur fair – doch es gibt einen Haken

Karl-Heinz Rummenigge wählte große Worte vor dem Wiederbeginn der Bundesliga am Wochenende. Das zeige auch, dass "Made in Germany" wieder "ein absolutes Gütesiegel" sei. So wie das damals gewesen sei, als der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München ein junger Bursche war. Der Restart werde nicht nur "eine Werbung für unseren Fußball, für die Bundesliga, sondern für das ganze Land und insbesondere für die deutsche Politik, die das mit ihrem sehr guten Vorgehen erst möglich gemacht hat", sein, sagte der 64-Jährige.

Als erste relevante Fußballliga der Welt, als erster großer Wettbewerb, nimmt die Bundesliga nach der Corona-Pause unter strengen Hygieneregeln also ihren Spielbetrieb wieder auf.

Eine heikle Diskussion schwebt über dem Restart: Was passiert, wenn man die Saison womöglich doch wieder abbrechen muss?

Daran gibt es aber auch Zweifel. Schließlich erscheint ein Abbruch jederzeit möglich. Die Gesundheitsbehörden der einzelnen Bundesländer entscheiden, ob bei Neuinfizierungen gleich ein ganzes Team in Quarantäne muss. Wenn dies nur bei zwei oder drei Mannschaften passieren sollte, ist die Beendigung der Saison nicht mehr realistisch.

Aber was passiert, wenn man die Saison womöglich doch wieder abbrechen muss? Wer steigt dann auf, wer steigt ab? Steigt überhaupt irgendjemand auf oder ab? Noch ist das ungewiss.

Ein entsprechendes Papier der Deutschen Fußball-Liga (DFL), wonach bei einem vorzeitigen Abbruch der Spielzeit 2019/20 der in dem Moment aktuelle Tabellenstand gewertet werden und damit das Prinzip von Auf- und Abstieg gelten soll, hatte am Mittwoch innerhalb der Liga eine kontroverse Debatte ausgelöst.

Die Zeit knapp, der Druck groß

Noch sind sich die Klubs nicht einig, wie die Saison im Falle des Falls gewertet werden soll. Die Abstimmung darüber hat die DFL vertagt. Die Zeit ist knapp, der Druck und die Ausmaße der Entscheidung groß. Denn aus der Bundesliga abzusteigen, ist für einen Klub auch immer existenzbedrohend. Und wer bei einem möglichen vorzeitigen Saisonabbruch noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt gehabt hätte, der will natürlich nicht in den sauren Abstiegsapfel beißen.

Die beste und fairste Lösung wäre daher, diejenigen Klubs, die aktuell unten auf den Abstiegsplätzen 17 und 18 in der Tabelle stehen, nicht zu bestrafen. Sprich: Der Abstieg muss gerechterweise dieses Jahr ausgesetzt werden. Gleichzeitig sollte man die Erst- und Zweitplatzierten der 2. Bundesliga bei einem eventuellen Saisonabbruch nicht bestrafen und sie aufsteigen lassen.

Warum stockt man die Bundesliga nicht einfach auf 20 Teams auf?

Das hätte eine Aufstockung der Bundesliga von 18 auf 20 Teams zur Folge. So war es auch in der Nachwende-Saison schon mal 1991/92 der Fall, als die Bundesliga die beiden führenden Teams der DDR-Oberliga-Tabelle, Hansa Rostock und Dynamo Dresden, eingliederte. Damit die Saison 1992/93 wieder mit 18 Teams starten konnte, stiegen im Frühjahr 1992 mit Fortuna Düsseldorf, dem MSV Duisburg, Hansa Rostock und den Stuttgarter Kickers vier Vereine ab.

So könnte man doch auch im Worst-Case eines Abbruchs der aktuellen Spielzeit verfahren: 2020/21 spielt die Bundesliga mit 20 Teams, und vier steigen ab, um den Wettbewerb 2021/22 wieder zu einer 18er-Staffel glattzuziehen.

In England, Italien, Frankreich und Spanien, also in den vier anderen der sogenannten Top-Fünf-Ligen Europas, ist das ohnehin schon lange gang und gäbe. Von Premier League bis La Liga spielen je 20 Mannschaften im Oberhaus. Warum ist das eigentlich in Deutschland nicht auch schon längst so?

Aufstockung der Bundesliga: Die Idee ist nicht neu

Lose Ideen gab es immer mal wieder, die Bundesliga zwecks besserer Vermarktung auf 20 Teams aufzustocken. Durchsetzen konnten sich diese Pläne nie.

2007 regte zum Beispiel der deutsche Fußballkaiser a. D. Franz Beckenbauer, damals noch Bayern-Präsident, an, dass man sich doch zumindest mal mit einer Aufstockung auf 20 Bundesligisten beschäftigen sollte; und das mit durchaus nachvollziehbaren Argumenten: "Wir sind das bevölkerungsreichste Land unter den fünf großen Verbänden, aber sind die einzigen, die noch mit 18 Mannschaften spielen. Und dann leisten wir uns noch den Luxus einer Winterpause, nach der man wieder von vorne anfangen muss".

Auch seitens der Uefa und der European Club Association (ECA) gab es schon Bestrebungen, die Spielpläne der einzelnen Ligen anzupassen. "Ein englisches Team kann im Moment auf maximal 53 Pflichtspiele kommen. In Deutschland ist das Maximum 43. Da gibt es also eine Differenz von zehn Spielen", sagte Andrea Agnelli, Klub-Boss von Juventus Turin und Chef der ECA im Jahr 2018. Um diesen Gedanken zu realisieren, müssten alle Ligen dieselbe Größe aufweisen.

20 Teams in der Bundesliga: Das ist doch nur logisch, oder? Die Sache hat einen Haken...

Was die Wettbewerbsfairness im Falle eines Bundesliga-Abbruchs angeht, und wenn man sich die Argumente von Beckenbauer und Agnelli zu Gemüte führt, klingt es doch eigentlich nur logisch, das deutsche Oberhaus – wenigstens für eine Saison – auf 20 Teams auszudehnen.

Nun, die Sache hat einen Haken: Es sind in erster Linie die finanziellen Interessen der Bundesliga-Klubs, die verhindern, dass die deutsche Beletage immer noch aus nur anderthalb Dutzend Mannschaften besteht. Seit Jahren stimmen die Klubs in der Mehrheit gegen eine Aufstockung auf 20 Teams.

Manche Klubvertreter führen als Deckmantelargument zwar immer noch gerne an, dass die Belastung der Spieler dann nicht so hoch sei, was den internationalen Erfolg begünstige. Doch, seien wir mal ehrlich, in den vergangenen 20 Jahren gab es genau wie viele internationale Erfolge deutscher Klubs oder der Nationalmannschaft? Richtig, drei: Bayern München holte zweimal die Champions League (2001 und 2013), die Nationalelf 2014 den Weltmeistertitel. Dass man mit 20 Klubs in der Eliteliga aufgrund von Überbelastung keine Titel holen kann, geht als Rechtfertigung einfach nicht durch. Zum Vergleich: Spanien holte in diesem Zeitraum je eine Welt- und Europameisterschaft, die Klubs aus La Liga 16 Europapokalsiege (je acht Mal Champions League und Europa League).

Quantität wächst, Qualität sinkt?

Doch, wie gesagt, es geht ums Geld. Man könnte denken, dass eine Aufstockung vielleicht zusätzliche TV-Einnahmen generierte, da sie mehr Spiele zur Folge hätte. Aber viel mehr Geld wäre es wohl nicht, da ja, mit Verlaub, keine großen Kaliber in die Bundesliga aufstiegen, keine zweiten Bayern Münchens und Dortmunds. Die Quantität des Premiumproduktes des deutschen Sports wüchse, doch die (Fernseh-)Qualität sänke. Die Spitze würde kleiner, die graue Masse größer.

Dafür müssten die Vereine aber durch zusätzliche Spieltage und eventuelle Pokalrunden sowie den wahrscheinlichen Wegfall einer Winterpause ihre Kader vergrößern, was wiederum auch Geld kosten würde.

Um nochmal auf Karl-Heinz Rummenigge zurückzukommen: Der hat sich Ende März bereits deutlich positioniert in Sachen Saisonabbruch und Anzahl der Bundesliga-Teams. Er sagte im "FAZ"-Interview: "Das ist für mich keine Option. Wir müssen die Saison zu Ende spielen, egal wann – aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht. Die nächste Saison, unabhängig davon, wann sie beginnt, muss auch wieder mit 18 Mannschaften stattfinden."

DFL: "Die 18er-Bundesliga ist kein Naturgesetz, aber..."

Warum es genau 18 sein müssen, verriet er hingegen leider nicht. Er wurde auch nicht gefragt. Der "Weser Kurier" aus Bremen wollte der Sache mit der 18er-Bundesliga im Jahr 2011 schon einmal auf den Grund gehen. Die Antwort der DFL war auch damals eher unbefriedigend: "Die 18er-Bundesliga sei zwar kein Naturgesetz, aber schlichtweg ein 'gelernter Wert', heißt es von Seiten der DFL. Man habe sich daran gewöhnt und sei damit zufrieden", schrieb die Zeitung.

An Traditionen hält man ja gerne fest im Fußball. Doch, frei nach Gustav Mahler: Tradition bedeutet nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben des Feuers. Vielleicht sollte die DFL nochmal genau darüber nachdenken, ob man im Falle eines Saisonabbruchs nicht doch lieber die Feuer- statt der Aschen-Variante wählt. Denn sonst könnte es für einige Klubs in Zukunft zappenduster werden. Die Aufstockung der Bundesliga wäre jedenfalls die fairste Lösung. Und Fairness wird ja auch immer betont als eine wichtige Tradition im Fußball genannt...

(as)

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