Die Enttäuschung über die Auftaktniederlage war dem DFB-Team anzumerken. Vorne Toni Kroos.
Die Enttäuschung über die Auftaktniederlage war dem DFB-Team anzumerken. Vorne Toni Kroos.
Bild: dpa / Federico Gambarini
Analyse

Jogi Löw warnte bereits vor Turnierbeginn: Die deutsche Nationalmannschaft und ihr Problem mit Einwürfen - Frust bei Toni Kroos war groß

16.06.2021, 10:3116.06.2021, 11:16

Gut mitgehalten, aber dennoch irgendwie verloren: Weder Toni Kroos, noch Joshua Kimmich, noch Bundestrainer Jogi Löw wussten so wirklich, wie sie nun die 0:1-Auftaktniederlage der Europameisterschaft gegen Top-Favorit Frankreich bewerten sollen.

"Wenn du drei Gruppenspiele hast und das erste verlierst, dann ist der Druck groß. Darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten."
DFB-Spieler Toni Kroos

Klar, die DFB-Elf stand gegen den gefürchteten Sturm um Kylian Mbappe, Karim Benzema und Antoine Griezmann weitestgehend sicher und das, obwohl vielen zuvor ob der enormen Qualität der drei Angreifer Angst und Bange um die nicht immer sattelfeste deutsche Defensive war. Vielmehr fehlte es aber in der Offensive, in der Champions-League-Sieger Kai Havertz den Vorzug vor Bayern-Star Leroy Sané erhielt, an der letzten Passgenauigkeit und den richtigen Laufwegen auf engstem Raum.

Und dann ist da noch das Verhalten bei gegnerischen Einwürfen, das Coach Joachim Löw schon bei der Generalprobe im 7:1-Testspielsieg gegen Lettland auf die Palme brachte und auch gegen Frankreich zum Gegentreffer führte.

Vergangenen Montag beim Freundschaftsspiel traf der Lette Aleksejs Saveljevs nach einem Einwurf, bei dem die deutsche Defensive zu weit von ihren Gegenspielern entfernt war. Schon nach der Partie polterte Jogi Löw: "Wir haben es im Trainingslager angesprochen, dass wir Einwürfe besser verteidigen müssen. Sowas darf normalerweise nicht passieren. Das sind so Situationen, wenn wir da nicht wach sind, bestrafen das unsere Gegner nächste Woche sofort. Ein Gegentor aus dem Einwurf, das will ich nicht sehen."

Frankreich bestraft deutsche Passivität beim Einwurf

Und der 61-Jährige sollte Recht behalten. Bei einem französischen Einwurf in der 20. Minute entscheidet sich DFB-Verteidiger Rüdiger seinem Teamkollegen Gosens im Zweikampf mit Paul Pogba zu helfen, doch dieser schirmt den Ball gut gegen beide ab. Gleichzeitig verpasst es Toni Kroos, mit Einwerfer Benjamin Pavard mitzulaufen und einen Pass später kommt Pogba wieder in Ballbesitz. Mit einer feinen Seitenverlagerung findet er Außenverteidiger Lucas Hernandez und dessen Flanke fälschte Hummels unhaltbar ins eigene Tor ab.

Verteidiger Robin Gosens bezeichnete den Gegentreffer im Anschluss im ZDF als "blödes Gammelgegentor". Und Toni Kroos fügte hinzu: "Das Eigentor ist vielleicht auch eine Aktion, die man in neun von zehn Fällen verteidigt bekommt. Das war wirklich unglücklich", sagte Toni Kroos im ZDF.

Jogi Löw erklärte nach dem Spiel dennoch: "Wir müssen nochmal einige Dinge aufarbeiten, aber der Blick geht ganz klar nach vorn." Denn einen Vorwurf, nicht alles versucht zu haben, wollte er seinem Team nicht machen. "Es war ein brutal intensives Spiel. Wir haben alles in die Waagschale geworfen, haben gefightet bis zum Schluss."

Es war auch die einzige Aktion in Mittelfeld und Defensive, in der die deutsche Mannschaft in den Zweikämpfen nicht präsent war. "Da müssen wir auch mal eklig sein, nicht immer nur lieb, lieb, lieb", hatte Innenverteidiger Rüdiger vor dem Spiel gefordert – und das war das deutsche Team denn auch. Selbst Toni Kroos und İlkay Gündoğan – beide nicht als Defensivspezialisten bekannt – glänzten mit einigen Balleroberungen.

Präzision in der Offensive fehlt

Viel mehr fehlte dem Team die Präzision und das richtige Gespür für den Mitspieler im letzten Angriffsdrittel. Die gefährlichste Torchance hatte da noch Serge Gnabry, der nach 54. Minuten nach einer Flanke nur knapp das Tor verfehlte.

Serge Gnabry hatte die größte Chance für das DFB-Team. Hier ist er vor Frankreichs Schlussmann Lloris am Ball.
Serge Gnabry hatte die größte Chance für das DFB-Team. Hier ist er vor Frankreichs Schlussmann Lloris am Ball.
Bild: ap / Matthias Hangst

Auch Joshua Kimmich, der wie erwartet auf der rechten Seite spielte, erklärte: "Wir haben es am Ende verpasst, voll ins Risiko zu gehen. Ein Punkt wäre verdient gewesen." Besonders zum Schluss hatten die deutschen Angriffe nur noch wenig klare Struktur. So fand auch Kroos: "Wir waren hier und da in Räumen, wo wir hätten noch mehr draus machen können."

Die Franzosen hingegen nutzen die sich bietenden Räume immer wieder clever für Konter und kamen sogar zu zwei weiteren Toren durch Benzema und Mbappe. Beide wurden jedoch wegen Abseits aberkannt. Dennoch befand Mittelfeldstratege Toni Kroos: "Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir wollten. Ich glaube, wir haben ein gutes Spiel gemacht und hatten nicht weniger Chancen als die Franzosen."

Kroos kanzelt ZDF-Reporter ab

Auf den Hinweis des ZDF-Reporters, dass Frankreich aber zwei Abseitstore erzielt habe, reagierte der 31-Jährige leicht genervt. "Ja, aber wenn es Abseits ist, dann ist es Abseits. Das gehört dazu."

Toni Kroos im Gespräch beim ZDF.
Toni Kroos im Gespräch beim ZDF.
bild: zdf/screenshot

Als es zum Schluss des Gesprächs auch noch darum ging, wie viel Druck nach der Auftaktniederlage nun auf der Mannschaft lastet, erklärte er leicht verständnislos: "Wenn du drei Gruppenspiele hast und das erste verlierst, dann ist der Druck groß. Darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten."

Kimmich droht bereits Gelbsperre

Der Bundestrainer zeigte sich trotz der Auftaktniederlage im ZDF aber optimistisch, dass es nach der historischen ersten Niederlage im ersten Spiel einer Europameisterschaft am Samstag gegen Portugal besser laufen wird.

"Wir haben verloren, da sind natürlich alle enttäuscht. Aber es ist nichts passiert, wir haben noch zwei Spiele und können das geradebiegen." Ähnlich sah das auch Joshua Kimmich: "Gegen Portugal müssen wir gewinnen. Wir haben das Niveau, mit den Topteams mitzuhalten."

Dabei muss der Bayern-Star nach einer frühen gelben Karte nun aber aufpassen. Bei einer weiteren Verwarnung wäre er für ein Spiel gesperrt.

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