Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
British Chris Froome of Team Sky talks to the press during the first rest day in the 105th edition of the Tour de France cycling race, in Annecy, France, Monday 16 July 2018. This year s Tour de France takes place from July 7th to July 29th. DAVIDxSTOCKMAN PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY x05387579x

Muss sich immer wieder unangenehmen Fragen stellen: Chris Froome.  Bild: imago sportfotodienst

Chris Froome ist die ärmste Sau der Tour de France – selbst schuld ¯\_(ツ)_/¯

Dominik Sliskovic
Dominik Sliskovic

Tour de France, Giro d'Italia, Vuelta a España – Chris Froome hat jede der drei großen Rundfahrten des Radsports gewonnen. Dennoch ist der aus Kenia stammende Brite weit davon entfernt, als Botschafter und Vorbild seiner Sportart verehrt zu werden. Auf der diesjährigen Tour springt die Welt des Chris Froome vor einem Millionenpublikum von der Kette: Blanker Hass vom Straßenrand und ein entfesselnd fahrender Teamkollege machen den 33-Jährigen zur ärmsten Sau der Tour de France 2018.

Wundern kann sich Froome über all das eigentlich nicht ernsthaft. Er hat sich durch den über Monate ausgetragenen Asthma-Streit selbst in diese Situation gebracht: Bei der Vuelta 2017 – die Froome übrigens als Sieger der Gesamtwertung beendete – war bei einer Dopingprobe ein massiv erhöhter Wert des Asthmamittels Salbutamol festgestellt worden. Zwar ist es allgemein bekannt, dass Froome unter der Atemwegserkrankung leidet, der Wert von 1.920 Nanogramm pro Milliliter Urin erklärte dies jedoch nicht. Der ohnehin schwer gebeutelte Radsport hatte seinen nächsten Skandal.

Froome fuhr eine öffentliche Schmutzkampagne

Froome – der seit seinem Tourtitel-Hattrick (2015-2017) und unerklärbaren Leistungen, wie seinem 80km-Soloanstieg auf den Colle delle Finestre bei der Giro 2017, unter Generalverdacht steht – ging auch in der größten Krise seiner Karriere in die Offensive. Er engagierte teure Anwälte, fuhr eine öffentliche Schmutzkampagne gegen den Radsportweltverband UCI und ließ die Ergebnisse der Weltantidopingbehörde WADA vor Gericht anfechten.

Neun Monate beschäftige die "Causa Froome" Richter, Forscher und Ärzte. Das Ergebnis: Die WADA musste ihren Salbutamol-Grenzwert auf 1.200 hochstufen, Froomes Messergebnisse wurden aufgrund von zuvor nicht beachteter Faktoren, wie Dehydrierung, auf knapp 1.400 ng/ml heruntergerechnet. Eine mögliche Sperre des Sky-Teamkapitäns wurde wegen Geringfügigkeit fallen gelassen. Froome feierte seinen wohl wichtigsten Sieg mit der Aussage, er freue sich, weiterhin ein sauberer Botschafter des Radsports zu sein, und einem triumphalen Tweet. Sein Ansehen war durch den Rechtsstreit jedoch irreparabel zerstört. ("Spiegel")

So sehen des Dopings verdächtigte Sieger aus:

Froomes Team steht hinter ihm – eigentlich

Was er sich durch seinen haarscharfen Freispruch eigentlich wirklich angetan hat, wurde Chris Froome spätestens klar, als Tour-Veranstalter ASO öffentlich den Gebrauch des Hausrechts ins Spiel brachte, mit dem sein Start verhindert werden sollte. Schließlich handle es sich bei Froome um einen Fahrer, bei dem nicht sicher sei, ob er der Reputation des Rennens beschädigen könnte. Frankreichs Rad-Legende Bernard Hinault bestärkte die Überlegungen der Rennleitung: "Froome ist keine Legende des Sports, denn was für ein Image verpasst er dem Radsport? Das muss aufhören." ("Sportschau")

Das finanzstarke Sky-Team drückte aber den Start ihres Aushängeschildes durch – auch, indem es auf die Rechtskräftigkeit der WADA-Entscheidung pochte. Froome konnte also zumindest auf den Rückhalt seines Teams pochen, wenn ihn schon 5.000 Menschen bei der Mannschaftspräsentation in Grund und Boden pfiffen. ("Spiegel")

Hier das Pfeif-Beweisvideo:

Er konnte sich auf sein Team verlassen. Denn mit Geraint Thomas fällt Froome in Frankreich ausgerechnet sein wichtigster Helfer in den Rücken. Der Waliser gewann zwei Alpen-Ankünfte, darunter die berüchtigte Alpe d'Huez, und kann sich mit 1:50 Minuten Vorsprung auf seinen Käpt'n Froome langsam mit dem Gedanken anfreunden, das Gelbe Trikot nach Paris zu tragen.

ALPE D HUEZ, FRANCE - JULY 19 : FROOME Chris (GBR) of Team SKY & THOMAS Geraint (GBR) of Team SKY during stage 12 of the 105th edition of the 2018 Tour de France cycling race, a stage of 175.5 kms between Bourg-Saint-Maurice Les Arcs and Alpe D huez on July 19, 2018 in Alpe D huez, France, 19/07/2018 CYCLISME : Tour de France - Etape 12 - Bourg Saint Maurice / Alpe D Huez - 19/07/2018 PhotoNews/Panoramic PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Ziemlich beste Feinde: Froome (l.) und Thomas (r.) Bild: imago sportfotodienst

Thomas betont zwar auch als Führender der Gesamtwertung, dass Froome weiterhin der "Leader" des Teams sei und er zu seinen Gunsten fahre, nur scheint der vierfache Champions selbst nicht mehr ganz an diese Phrasen zu glauben. ("Telegraph") Froome äußerte plötzlich überraschend kleinlaute Sätze wie: "Das Rennen entscheidet über die eindeutige Kapitänsrolle." Und: "Für uns als Team ist es einfach fantastisch, dass wir viele Optionen haben".

Froome sollte über Karriereende nachdenken

Die Kritik, der Spott und auch die Erkenntnis, nicht an frühere Leistungen anknüpfen zu können, nagen an Froome. Dass Geraint Thomas ihm gerade in den Alpen immer wieder seinen Windschatten anbot, Froome jedoch nicht mithalten konnte, und Thomas sich schlussendlich für den eigenen Etappensieg entschied, zeigt, dass in Frankreich gerade eine Ära vor unseren Augen zu Ende gehen könnte. ("Eurosport")

Einigen Radsport-Fanatikern kann Froomes Abstieg vom Rennsattel nicht schnell genug gehen: Plakate, Parolen, Gesänge – es gibt keine Kunstform, mit der Froomes Karriereende nicht gefordert wird.

CHOLET, FRANCE - JULY 9 : FROOME Chris (GBR) of Team SKY Supporters and Fans during stage 3 of the 105th edition of the 2018 Tour de France cycling race, a team time trial stage of 33.5 kms between Cholet and Cholet on July 09, 2018 in Cholet, France, 9/07/2018 CYCLISME : Tour de France - Etape 3 - Cholet / Cholet - 09/07/2018 PhotoNews/Panoramic PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Franzözische Radsport-Fans am Rande der Strecke nennen ihn "tricheur" – Betrüger. Bild: imago sportfotodienst

Es geht noch kreativer:

Froome als ungebetener Werbestar

Dabei werden jedoch auch Grenzen überschritten, wie der Anstieg nach Alpe d'Huez bewies. Dort versuchte ein aufgebrachter Besucher Froome vom Rad zu schubsen, nachdem der nicht auf seine "Doper!"-Rufe reagiert hatte. Nach Ankunft im Teamhotel beschwerte sich Geraint Thomas, es habe sogar Spuckattacken auf Froome und ihn gegeben. ("Mirror")

Die Attacke auf Froome im Video:

Die Tour de France 2018 wird Chris Froome mindestens zum Nachdenken anregen. Vielleicht wird es gar seine letzte sein. Es wäre vermutlich sogar die beste Entscheidung, die er treffen könnte. Bis Paris wird er jedoch noch auf die Zähne beißen und Sprüche, wie die seines Kontrahenten Tom Dumoulin, über sich ergehen lassen müssen: "Ich werde mal lieber einen Platz, besser noch fünf Plätze hinter Froome fahren. Ein Spray kann leicht sein Ziel verfehlen." ("Spiegel")

Danach, das wünschen wir Froome ganz sportlich, wird der gefallene Star des Radsportzirkus endlich mal tief durchatmen können – hoffentlich ohne erhöhte Salbutamol-Dosis.

Fast so schön wie das Gelbe – das sind die neuen Bundesliga-Trikots:

Noch mehr aus der Welt des Sports:

Ist Chun-hsin Tseng "the next big thing" im Männer-Tennis?

Link to Article

++ Vettel patzt in Japan, Hamilton vor WM-Gewinn ++

Link to Article

Die Los Angeles Lakers haben sich zwei deutsche Talente geschnappt

Link to Article

Dunks zählen 3 Punkte – Nordkorea hat die verrücktesten Basketball-Regeln

Link to Article
Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Torwart als Feldspieler – PSG-Jugendtrainer Thiago Motta will 2-7-2-Formation etablieren

Thiago Motta ist 36 Jahre alt und frischgebackener Fußballrentner. Im Sommer beendete er bei Paris St-Germain, wo er seit 2012 spielte, seine Karriere. Er galt als ordnende Hand im Mittelfeld, als Führungsspieler mit viel Ruhe und Grips.

Nun ist der gebürtige Brasilianer, der 30-mal für die "Squadra Azzurra" auflief, A-Jugend-Trainer bei PSG. Und dort will Motta nicht nur irgendein weiterer Trainer auf dem überfluteten Übungsleiter-Arbeitsmarkt sein, nein, er will nicht weniger als ein …

Artikel lesen
Link to Article