Ein feiner Kicker könnte den FC Bayern München verlassen: Thiago ist auf dem Sprung.
Ein feiner Kicker könnte den FC Bayern München verlassen: Thiago ist auf dem Sprung.
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FC Bayern: Thiago-Wechsel könnte Verhandlungen mit anderem Star vereinfachen

13.09.2020, 10:00

Was wird aus Thiago Alcántara? Klarheit über seine Zukunft gibt es noch nicht. Doch die Zeichen verdichten sich, dass der Mittelfeldspieler des FC Bayern München den Klub in diesem Sommer, ein Jahr vor Vertragsende, verlassen könnte. Der 29-Jährige, der 2013 für 25 Millionen Euro vom FC Barcelona in die bayerische Landeshauptstadt wechselte, steht vor einem Transfer.

Thiago war einer von Trainer Hansi Flicks Schlüsselspielern beim Champions-League-Gewinn in Lissabon, da er Joshua Kimmich neben Leon Goretzka hervorragend ersetzte, nachdem Kimmich für den verletzten Benjamin Pavard auf die Position des Rechtsverteidigers rücken musste. Der Spanier glänzte mit seiner gewohnten Ballsicherheit, Ruhe und Spielfreude.

Mit einem Siegerlächeln: Thiago Alcántara.
Mit einem Siegerlächeln: Thiago Alcántara.
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Dennoch müssen Flick und der FC Bayern womöglich bald auf diese Fähigkeiten verzichten. Thiago könnte es mit seinen 29 Jahren nochmal in eine andere europäische Topliga ziehen.

Das deutete Flick nach dem gewonnenen DFB-Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen auch schon an. "Ich weiß natürlich auch: Wenn man in einem gewissen Alter ist und in der spanischen Liga in Barcelona und in der Bundesliga bei Bayern München gespielt hat, liebäugelt man natürlich auch immer mal damit, das vielleicht auch noch in einer anderen großen Liga mitzuerleben", sagte der Triple-Trainer nach dem Pokalsieg verständnisvoll.

FC Bayern: Wird Thiago-Transfer zur Win-Win-Win-Situation?

Aktuell weilt Thiago im Urlaub. Der FC Bayern hat seinem Spieler laut "Bild" bis nächste Woche freigegeben. Seine Teamkollegen starteten indes am Dienstag schon mit der Vorbereitung auf die neue Saison. Ein möglicher Hinweis darauf, dass Thiago von seinem Klub ein paar Tage Zeit eingeräumt bekommen hat, um mit anderen Vereinen zu verhandeln.

Doch vielleicht könnte der mögliche Abgang des 39-maligen spanischen Nationalspielers – so schmerzhaft er auch wäre – auch zur Win-Win-Win-Situation für den FC Bayern München werden und dabei unverhoffte Bewegung in den Vertragspoker mit David Alaba bringen. Der Kontrakt des Österreichers läuft ebenfalls im kommenden Sommer aus, soll aber unbedingt verlängert werden.

Win-Situation 1: Die Bayern-Kasse würde klingeln

Thiago Alcántara do Nascimento ist der Sohn von Ex-Profi Mazinho und wurde im April 1991 in San Pietro Vernotico, Italien, geboren. Er besitzt die spanische und die brasilianische Staatsbürgerschaft.
Thiago Alcántara do Nascimento ist der Sohn von Ex-Profi Mazinho und wurde im April 1991 in San Pietro Vernotico, Italien, geboren. Er besitzt die spanische und die brasilianische Staatsbürgerschaft.
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Die erste Win-Situation liegt auf der Hand. Thiago würde dem FC Bayern München einige Euros einbringen. Der FC Liverpool und Manchester United gelten als Interessenten. FCB-Präsident Herbert Hainer machte jüngst noch einmal deutlich: "Wir geben ihn sicher nicht umsonst ab", Thiago sei "einer der weltbesten Mittelfeldspieler."

Als mögliche Ablösesumme werden rund 25 bis 30 Millionen Euro genannt. Geld, das der Rekordmeister gut gebrauchen kann. Der Sportvorstand sprach im "Kicker"-Sonderheft zur Saison 2020/21 davon, dass der Klub "wirtschaftlich am Anschlag" sei.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der Bayern-AG, befürchtet angesichts der durch die Corona-Pandemie geringeren Einnahmen für die Saison 2019/2020 "finanzielle Mindereinnahmen von circa 50 Millionen Euro".

Win-Situation 2: Vertragsverhandlungen mit Alaba könnten einen Schub bekommen

David Alaba (l.) trainiert, Hansi Flick schaut zu.
David Alaba (l.) trainiert, Hansi Flick schaut zu.
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Wenn Thiago noch in diesem Transferfenster, das am 5. Oktober schließt, wechselte, dann könnte das auch den Verhandlungsspielraum und die -position der Bayern verbessern, was eine Vertragsverlängerung von David Alaba betrifft. Durch einen Thiago-Transfer würde erstens Gehaltsbudget frei (Thiago soll rund zwölf Millionen Euro im Jahr verdienen).

Rummenigge betonte, dass das Eigengewächs Alaba auf jeden Fall gehalten werden solle: "Es wäre sehr schade, wenn wir zu keiner Einigung kommen würden. David ist zwölf Jahre bei uns und passt wie die Faust aufs Auge zum FC Bayern."

FC Bayern: Vertragsverhandlungen mit David Alaba stocken

Aktuell stocken die Verhandlungen allerdings noch. Die Gehaltsforderungen des 28-Jährigen sollen bislang viel höher sein als das, was der FCB ihm bietet. Laut "Kicker" verlangen Alaba und Agent Pini Zahavi einen Fünfjahresvertrag mit 25 Millionen Jahressalär, also etwa zehn Millionen mehr als derzeit. Der FC Bayern habe dem Profi "ein Angebot gemacht, das fair und wettbewerbsfähig ist", zitiert das Fachmagazin Klubpräsident Hainer.

Vielleicht packt der Klub ja noch eine kleine Schippe drauf, sollte Thiago München verlassen...

Dadurch würde zweitens im Bayern-Kader auch eine Position im zentralen Mittelfeld frei. Vielleicht kann der FC Bayern Alaba bei einem Thiago-Abgang ja mit Aussicht auf mehr Spielzeit im zentralen Mittelfeld halten. Der Österreicher, der im Nationalteam in der Regel im Mittelfeld spielt, träumt seit Jahren davon, eine zentralere Rolle auch bei den Bayern zu übernehmen.

Es heißt, dass Alaba bei seiner letzten Vertragsverlängerung im März 2016 ein Platz im Mittelfeld versprochen wurde. Eingehalten hat man dieses Versprechen aber nicht, Alaba blieb auf der Linksverteidigerposition gesetzt, bis er unter Hansi Flick in der vergangenen Saison in die Abwehrzentrale rückte und sich dort als Innenverteidiger zum defensiven Fixpunkt entwickelte.

Niklas Süle (l.) und Thiago beim Duell in der Nations League zwischen Deutschland und Spanien.
Niklas Süle (l.) und Thiago beim Duell in der Nations League zwischen Deutschland und Spanien.
Bild: www.imago-images.de / Frank Hoermann

Auf der Innenverteidiger-Position hat der Klub aber immerhin auch noch Lucas Hernández, für den man sicher nicht umsonst 80 Millionen Euro an Atlético Madrid überwiesen hat, und den nach einer Kreuzbandverletzung wieder genesenen Nationalspieler Niklas Süle. Der Ex-Hoffenheimer kam im Sommer 2017 für 20 Millionen Euro aus Hoffenheim. Süle und Hernández, zusammen für 100 Millionen Euro nach München geholt, haben beide den Anspruch Stammspieler zu sein.

Klar, Kimmich und Goretzka sind als Mittelfeldtandem unter Flick gesetzt, aber die kommende Saison wird coronabedingt extrem kurz und intensiv, der FCB spielt in drei Wettbewerben (im Zweifelsfall 57 Pflichtspiele binnen 260 Tagen). Da wird es wichtig, mit den physischen Kräften gut hauszuhalten – vielleicht auch mit Alaba als weitere Option fürs Mittelfeld.

Win 3: Jüngere Mittelfeldspieler, die nicht oft zum Zug kamen, hätten mehr Einsatzchancen

Oft Bankdrücker: Mickael Cuisance (l.) und Corentin Tolisso.
Oft Bankdrücker: Mickael Cuisance (l.) und Corentin Tolisso.
Bild: www.imago-images.de / Pressefoto Rudel/Robin Rudel

Nicht zuletzt würden auch zwei Bayern-Profis profitieren, die in der vergangenen Saison nicht so oft zum Zug kamen: Die französischen Mittelfeldspieler Corentin Tolisso, der sich lange mit Verletzungssorgen plagte, und der 21-jährige Mickael Cuisance.

Der 26-jährige Tolisso kam 2017 für etwas mehr als 40 Millionen Euro von Olympique Lyon und möchte wahrscheinlich endlich öfter zeigen, was er am Ball kann. Bisher hat er erst 3781 Pflichtspielminuten für die Bayern absolviert. Zum Vergleich: Alaba spielte in der vergangenen Saison als Stammspieler 3693 Minuten.

FC Bayern: Tolisso, Cuisance und Fein wollen auch spielen

Auch Cuisance ist motiviert, mehr Spielzeit bei Bayern zu bekommen, sagte der französischen Sportzeitung "L'Équipe" im Juli: "Es war eine der besten Entscheidungen meiner Karriere. Das ist ein Klub, wo ich mich jahrelang niederlassen kann. Ich lerne hier von den besten Spielern der Welt. Da kann man nur wachsen und besser werden. Am Anfang war es nicht leicht, weil ich nicht gespielt habe, aber ich habe mich entschieden dranzubleiben."

Der gebürtige Münchener Adrian Fein hat sogar das Stadtwappen seiner Heimatstadt auf dem linken Unterarm tätowiert.
Der gebürtige Münchener Adrian Fein hat sogar das Stadtwappen seiner Heimatstadt auf dem linken Unterarm tätowiert.
Bild: www.imago-images.de / Jan Huebner/Taeger

Und dann gibt es da auch noch den ebenfalls 21-jährigen Adrian Fein. Der 1999 in München geborene Mittelfeldspieler durchlief seit 2006 die Jugendmannschaften beim Rekordmeister. Die vergangenen beiden Saisons sammelte er zunächst in der 2. Bundesliga bei Jahn Regensburg (2018/19) Spielpraxis und dann beim Hamburger SV (2019/20). Nun ist der Profi mit urbayerischer Identität zurück in München.

Und wenn es nach dem designierten Vorstandsboss Oliver Kahn geht, sollte einer wie Fein auch bald in der ersten Mannschaft integriert werden. Der Ex-Kapitän hatte Anfang des Jahres im Interview mit dem Vereinsmagazin "51" gefordert: "Wir wollen und müssen wieder Spieler aus dem eigenen Haus zu den Profis bringen." Dies sei wichtig, um bei der fortschreitenden Internationalisierung den "regionalen, bayerischen Charakter" des Vereins zu erhalten. Aufrückende Fußballer aus dem Nachwuchs könnten zu Identifikationsfiguren reifen, und "diese Spieler braucht es mehr denn je", betonte Kahn.

(as)

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