v.li.: Die Fans, Zuschauer des SV Werder Bremen zeigen Banner mit der Aufschrift Katar Boykottieren, Mehr Tote als Spielminuten, Qatar 2022 das bisher gr
Bei zahlreichen Fußballspielen rufen Fans zum WM-Boykott auf.Bild: www.imago-images.de / imago images
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WM 2022: Mehrheit der Deutschen wünscht sich klare Positionierung der Nationalteams zu Katar

16.11.2022, 16:24

"Boycott Qatar", "Fifa Mafia" oder "WM der Schande" sind nur ein paar Beispiele der Protestbanner, die vor der WM 2022 in Katar in deutschen Stadien in die Luft gehalten wurden.

Gleichzeitig steigt offenbar das Interesse der Deutschen an Flugreisen nach Katar. Das hat zumindest eine Erhebung des Touristikmarketing-Unternehmens Sojern ergeben, das das Buchungsverhalten von Reisenden weltweit analysiert.

So lag die Anzahl der Flugreisen von Deutschland nach Katar im September um 900 Prozent über den Werten vom Januar. Trotzdem belegen deutsche Fans mit 2,6 Prozent Anteil am Gesamtaufkommen nur Platz 12.

Die Stimmung in Deutschland gegenüber der WM bleibt zwiegespalten. Viele Fans wollen die Spiele nicht sehen, zahlreiche Kneipen befürchten dadurch Umsatzeinbrüche. Von der Politik und den teilnehmenden Nationalmannschaften wünscht sich die Mehrheit der Deutschen eine klare Positionierung, das ergab eine Umfrage, die das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von watson durchgeführt hat.

64 Prozent der Deutschen befürwortet Boykott der WM durch Politik

So wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar durch die deutschen Politiker:innen. 64 Prozent der Befragten gaben an, einen solchen Boykott zu befürworten. Knapp ein Viertel (22 Prozent) sind dagegen.

Auffällig ist, dass vor allem die Anhängerschaft der Grünen diese Meinung mit 84 Prozent vertreten. Nur 7 Prozent dieser Gruppe spricht sich eindeutig gegen einen Boykott der WM durch deutsche Politiker:innen aus. Mit etwas Abstand gefolgt von den Wähler:innen der Linken und denen der SPD. Hier befürworten jeweils 66 Prozent, beziehungsweise 65 Prozent einen Boykott.

Mehrheit wünscht sich klare Positionierung der Nationalteams zu Katar

Dass Fußball auch politisch ist, sollte den meisten spätestens zu dieser WM bewusst werden. Das Turnier in Katar ist wegen der schlechten Arbeitsbedingungen für Gastarbeitende und Menschenrechtsverletzung extrem umstritten. Neben einer klaren Positionierung der Politik wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen deshalb eine Stellungnahme der teilnehmenden Nationalspieler zu den Menschenrechtsverletzungen in Katar. Allerdings sind sich die Befragten hier nicht ganz so einig, wie bei der Frage nach dem politischen Boykott. 57 Prozent stimmten dafür, 24 Prozent dagegen und 19 Prozent konnten sich nicht entscheiden.

In der Aufteilung nach Wahlabsicht liegen hier ebenfalls die Wähler:innen der Grünen mit 83 Prozent vorn. Erneut gefolgt von der Anhängerschaft der SPD (65 Prozent) und der Linken (63 Prozent). Auffällig ist hier, dass die Wählerschaft der AfD sowohl mit 41 Prozent für als auch mit 41 Prozent gegen eine Positionierung der teilnehmenden Nationalmannschaften zu den Menschenrechtsverletzungen stimmt.

Bisher haben sich vor allem europäische Teams klar gegen die Menschenrechtssituation in Katar positioniert. Einige wollen eine Regenbogenbinde tragen. Dänemark hat zudem kürzlich mit einem einfarbigen Trikot, das das eigene Logo versteckt, Aufsehen erregt. Aber auch die australische Nationalmannschaft verurteilt Katar für den Umgang mit Arbeitsmigrant:innen und sexuellen Minderheiten öffentlich.

Einzelne Fußball-Profis haben sich ebenfalls öffentlich kritisch gegenüber den Menschenrechtsverletzungen durch Katar geäußert. Der portugiesische Nationalspieler Bruno Fernandes sagte beispielsweise am Montag in einem Interview mit "Sky Sports":

"Wir kennen das Umfeld der Weltmeisterschaft und wissen, was in den letzten Wochen und Monaten passiert ist, mit den Menschen, die beim Bau der Stadien gestorben sind. Darüber sind wir überhaupt nicht glücklich."

Für die Umfrage hat das Meinungsforschungsunternehmen Civey vom 31. Oktober bis 2. beziehungsweise 13. November eine repräsentative Stichprobe von rund 5000 Menschen ausgewertet.

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