Selbst Formel-1-Experten waren überrascht, als bekannt wurde, dass Lewis Hamilton nach der anstehenden Saison das Mercedes-Team verlassen wird. Beim italienischen Traditionsrennstall Ferrari erhält der siebenmalige Weltmeister ab 2025 einen Vertrag über mehrere Jahre. Diese geplante Zusammenarbeit ist für einige in der Szene nicht nachvollziehbar.
In den vergangenen Jahren hofften viele Tifosi darauf, den Start einer neuen Ferrari-Ära zu erleben. Ob Hamilton den lang erhofften Erfolg bringt? Der frühere Formel-1-Teambesitzer Giancarlo Minardi blickt dem Wechsel skeptisch entgegen und äußert Kritik am Hamilton-Deal. Er glaubt, dass Ferrari für den Erfolg etwas ganz anderes benötigt als den Spitzen-Piloten.
Denn von Lewis Hamilton als Rennfahrer hält Giancarlo Minardi viel. Der Ex-Teamchef hat zwischen 1985 und 2005 in der Königsklasse mitgemischt und mit seinem Rennstall Fahrer wie Giancarlo Fisichella oder Fernando Alonso hervorgebracht. Er weiß also, wie das Geschäft im Motorsport läuft.
Doch den Hamilton-Deal kann er nicht nachvollziehen, jedenfalls nicht vonseiten Ferraris. "Wenn wir über das Marketing reden, dann war das sicher eine brillante Verpflichtung, Hut ab vor Ferrari-Boss John Elkann", sagte Minardi im Interview mit "quotidiano.net". Als die Nachricht von dem Wechsel um die Welt ging, stieg der Kurs des Automobil-Konzerns an der New Yorker Börse auf einen neuen Rekordwert. Allerdings betont Minardi: "Wenn wir aber über die Formel 1 reden, also das Sportliche, dann ändert sich das Ganze."
Sportlich gesehen hätte er aus Sicht des Rennstalls jemand anderen genommen. Und das, obwohl sich mit dem Deal zwischen Hamilton und Ferrari "ein Mythos und eine Legende" vereinigen, wie er es sagt.
Das Alter des Piloten spiele bei dieser Annahme keine Rolle. "Alonso ist sogar als älter als Lewis und fährt trotzdem noch sehr gut", sagte der Minardi über seinen Ex-Fahrer. Auch Hamilton könne mithalten.
Allerdings müsse sich Ferrari über eine andere Frage als die Piloten-Thematik Gedanken machen, wie er findet: "Lag es am Fahrer, dass die Scuderia in all den Jahren verloren hat?" Der 76-Jährige glaubt jedenfalls, dass "diejenigen, die hinter dem Lenkrad sitzen" nicht schuld daran waren, dass es keine Titel mehr gab. Auch Hamilton bringe keine Erfolgsgarantie. "Das war bei Sebastian Vettel auch nicht so", sagte Minardi über den Deutschen, der nach vier WM-Titeln bei Red Bull bei Ferrari nicht mehr seine Erfolge fortführen konnte.
Der Ex-Formel-1-Teamboss feuert scharf gegen die Tifosi: Schließlich brauche man in der Formel 1 "ein Auto, das das Zeug zum Sieg hat". Denn: "Man baut ja auch ein Haus nicht vom Dach aus, sondern fängt mit dem Fundament an."
Da stellt sich die Frage, wen Minardi als Piloten neben Charles Leclerc gesetzt hätte. Der 76-Jährige glaubt, dass Carlos Sainz weiterhin eine gute Wahl gewesen wäre. Oder, wenn Ferrari unbedingt eine Änderung wollte, "dann hätte ich ihn durch ein junges Talent ersetzt, nicht durch einen vierzigjährigen Champion", sagt Minardi.