Wie ein BVB-Fan dieser Frau den schönsten Fan-Moment ihres Lebens schenkte

11.04.2018, 16:3511.04.2018, 16:37

Ich hatte schon immer davon geträumt, ein Spiel in diesem fantastischen Stadion zu sehen. Mit meinem Bruder Thomas und Guillaume Stroh, einem gemeinsamen Freund, machten wir uns am 11. März von Saverne im Elsass auf den Weg, um unser Team AS Monaco beim Champions-League-Spiel in Dortmund zu unterstützen.

Nach fünfstündiger Autofahrt waren wir endlich angekommen. Wir wurden mit anderen Monaco-Fans ins Stadion eskortiert und waren voller Vorfreude auf einen tollen Fußballabend.

Im Signal-Iduna-Park: (v.l.): Guillaume Stroh, Thomas Lentz und Stéphanie Lentz.
Im Signal-Iduna-Park: (v.l.): Guillaume Stroh, Thomas Lentz und Stéphanie Lentz.
(bild: Stéphanie Lentz)

Die ersten Gerüchte, dass es einen Vorfall gegeben hat, erreichten uns auf dem Weg ins Stadion. Wir dachten uns nicht viel dabei und versuchten zunächst, weitere Informationen zu bekommen. Im Stadion angekommen erreichte mich die Nachricht, dass eine Bombe explodiert ist. Im ersten Moment waren wir alle schockiert und machten uns natürlich große Sorgen.

Angst hatten wir keine, wir befanden uns bereits im Stadion und fühlten uns dort sicher. Über mein Smartphone habe ich versucht, an Informationen zu gelangen. Schnell war mir klar, dass das Spiel an diesem Tag nicht stattfinden wird.

Eigentlich wollten wir nach dem Spiel wieder mit dem Auto ins Elsass fahren. Als klar wurde, dass das Spiel am Folgetag ausgetragen wird, haben wir beschlossen, die Nacht in Dortmund zu verbringen.

"Das macht mich heute noch wütend."
Stéphanie Lentz

Wir machten uns auf die Suche nach einem Hotel. In Dortmund waren alle Zimmer belegt, also suchten wir im Umland. Doch die Preise, die an diesem Abend ausgerufen wurden, waren unverschämt. Das macht mich heute noch wütend. Ich kann nicht nachvollziehen, dass man aus der Notsituation von Menschen Profit schlagen will.

Da die Hotelsuche erfolglos blieb, spielten wir mit dem Gedanken, im Auto zu übernachten. Bis mich eine Freundin aus Frankreich anrief und mir erzählte, dass bei Twitter unter dem Hashtag #bedforawayfans eine Aktion läuft, in der einheimische Fans Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste-Fans zur Verfügung stellen.

Ich zögerte nicht lange und stellte ein Gesuch online. Da die Anfrage auf Französisch unbeantwortet blieb, startete ich einen neuen Anlauf auf Englisch. Und das mit beeindruckendem Feedback.

Mich erreichten gleich mehrere Antworten, damit hatte ich nicht gerechnet. Dann hat uns ein junger Mann kontaktiert, der nur 500 Meter vom Stadion entfernt ein kleines Appartement hat.

Es handelte sich um Michael Seine, Fan von Borussia Dortmund.

Michael empfing uns offen und herzlich, obwohl er uns ja gar nicht kannte. Schon das hat großen Eindruck bei uns hinterlassen. Er brachte uns für eine Nacht in seinem Appartement unter, welch überwältigende Geste.

Wir saßen noch lange an diesem Abend zusammen und diskutierten über die Geschehnisse des Abends. Michael bot uns sogar an, dass wir nach dem Spiel am Folgetag noch eine Nacht bei ihm bleiben könnten, doch dieses Angebot konnten wir nicht annehmen.

Die außergewöhnlichen Begegnungen und die Stimmung beim Spiel am Mittwoch haben bei mir bleibende Eindrücke hinterlassen. 

"In diesen schweren Momenten haben die Fans beider Vereine eindrucksvoll gezeigt, dass der Zusammenhalt größer ist als der Hass."
stéphanie lentz

Überall wurde über das Negative berichtet, aber das waren tolle Gesten und Fan-Momente. Die Gastfreundschaft von Michael war letztlich der schönste Fan-Moment meines Lebens.

Kontakt hält bis heute

Noch heute stehen wir in Kontakt. Wir sind in regem Austausch bei Facebook, die Ereignisse von Dortmund haben die Anhänger beider Vereine einander näher gebracht. Ich war schon immer von den Dortmunder Fans beeindruckt, seit den Ereignissen vom März 2017 bin ich es umso mehr.

Diese Text erschien ursprünglich bei t-online in einer Serie über den Anschlag auf das Team des BVB vor einem Jahr.

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