Dänemarks Nationalmannschaft stand nach Christian Eriksens Zusammenbruch sichtlich unter Schock.
Dänemarks Nationalmannschaft stand nach Christian Eriksens Zusammenbruch sichtlich unter Schock.Bild: imago images / Mads Claus Rasmussen

Neue Details zum Gesundheitszustand von Christian Eriksen – Klub-Boss räumt mit Spekulationen auf

13.06.2021, 18:2815.06.2021, 09:42
constantin eckner

Am zweiten Tag der Fußball-Europameisterschaft durchlebte die dänische Mannschaft Minuten des Grauens. In der 43. Minute der Partie gegen Finnland in Kopenhagen brach Mittelfeldstar Christian Eriksen zusammen. Der 29-Jährige lag leblos am Boden, die Augen weit aufgerissen. Sofort wurde den Spielern und Schiedsrichter Anthony Taylor klar, dass die Situation ernst war.

18 Minuten lang wurde Eriksen behandelt, bis er abtransportiert werden kann. Eriksen war zu diesem Zeitpunkt wieder bei Bewusstsein, später nahm er Kontakt mit seinen Mitspielern via FaceTime auf und soll sie darum gebeten haben, die Partie gegen Finnland zu Ende zu spielen. Die Dänen verloren mit 0:1. Aber das Ergebnis war nebensächlich.

Dänischer Trainer würdigt seine Spieler

Der dänische Nationaltrainer Kasper Hjulmand würdigte seine Spieler, die nach den schrecklichen Szenen nochmal aufs Feld gingen. "Ehrlich gesagt gab es da draußen Spieler, die emotional völlig fertig waren. Mit solchen Gefühlen kann man kein Spiel bestreiten. Wir haben versucht, zu gewinnen. Es war unglaublich, dass sie es geschafft haben, herauszugehen und zu versuchen, die zweite Halbzeit zu spielen", sagte er. Letztlich gehe es momentan aber nur um Eriksen. "Alle, alle, alle - alle Gedanken sind bei Christian und seiner Familie."

Christian Eriksen spielte bis zur 43. Minute gegen Finnland.
Christian Eriksen spielte bis zur 43. Minute gegen Finnland.Bild: imago images / Liselotte Sabroe

Was genau passiert war, ist bis jetzt nicht bekannt. Als Eriksen zu Boden gegangen war, reagierte Mitspieler Simon Kjær geistesgegenwärtig. Er bewahrte Eriksen davor, dass dessen Zunge nach hinten rutschte und die Atemwege verschließt. Außerdem brachte er seinen Kollegen in eine Seitenlage, bevor das medizinische Fachpersonal mit Herzdruckmassagen und unter Einsatz eines Defibrillators Eriksen behandelte.

Eriksens früherer Kardiologe schockiert

Mit Sorge verfolgte auch Sanja Sharma die Bilder am Fernseher. Der Kardiologe der St. George’s University of London betreute Eriksen zwischen 2013 und 2019, als dieser beim Nordlondoner Club Tottenham Hotspur spielte. "Ich dachte mir: Oh, mein Gott? Gibt es etwas, das wir nicht gesehen haben? Aber ich habe mir alle Testresultate angeschaut und alles sah perfekt aus", sagte Sharma der Zeitung "The Mail on Sunday". Sharma erklärte, dass Eriksen während seiner Zeit in London jedes Jahr eines Tests unterzogen worden sei und keine "offensichtlichen zugrundeliegenden kardialen Fehler" vorgelegen hätten.

Spekulationen nach Eriksens Zusammenbruch

Wie so oft kursierten in den Sozialen Medien sofort allerlei Spekulationen um die Gründe von Eriksens Zusammenbruch. Eine Hypothese besagte, dass dieser mit einer Corona-Impfung in Verbindung stehen könnte. Ganz davon abgesehen, dass es keine Basis für die Annahme gibt, wonach die aktuell verabreichten Impfungen die Wahrscheinlichkeit von kardialen Problemen signifikant erhöhen würden, hat Eriksen allen Informationen zufolge schlicht noch keine Impfung erhalten.

Nationaltrainer Hjulmand hatte erst vor wenigen Tagen den Fußballverband UEFA dafür kritisiert, dass den teilnehmenden Spielern der Europameisterschaft keine Impfungen zur Verfügung gestellt wurden. Die dänischen Behörden hatten den eigenen Nationalspielern derweil eine Verabreichung verweigert, da sie gemäß der Priorisierung noch nicht an der Reihe sind. Vereinzelt haben Spieler, die für ausländische Clubs tätig sind, Impfungen erhalten – die Kicker von Inter Mailand, also Eriksens Team, jedoch nicht.

Inters Teamarzt Piero Volpi steht seit dem Vorfall mit dem dänischen Fußballverband in Kontakt. Volpi teilte mit, dass bei Eriksen bislang auch keine Corona-Infektion vorgelegen habe. Zudem habe Eriksen alle medizinischen Untersuchung seit seinem Wechsel von Tottenham zu Inter im Januar 2020 ohne Probleme bestanden.

Nach Eriksens Zusammenbruch meldete sich auch Inter-Mailand-Boss Beppe Marotta zu Wort und räumte mit Corona-Gerüchten auf: "Er war nicht an Covid erkrankt und er wurde auch nicht geimpft." Über die Gründe des Kollaps wollte Marotta nicht spekulieren, betonte jedoch, dass Inter Mailand in engem Austausch mit den dänischen Ärzten stehe.

Bittere Erinnerungen an Foé und Puerta

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass ein weltbekannter Fußballer bei einem Spiel zusammenbricht. Bei den Bildern von Eriksen wurden bei vielen Fans sofort Erinnerungen wach an den Kameruner Marc-Vivien Foé, der 2003 bei einer Partie des Konföderationen-Pokals an Herzversagen starb. Oder an Miklós Fehér, der 2004 nach seiner Einwechslung für seinen portugiesischen Club Benfica gegen Vitória Guimarães einen tödlichen Herzstillstand erlitt. Oder an Antonio Puerta, der 2007 bei einem spanischen Ligaspiel zwischen Sevilla und Getafe zusammenbrach und später im Krankenhaus verstarb.

Glimpflicher ging es 2012 für Fabrice Muamba aus. Der Engländer erlitt während eines Pokalspiels seines Clubs Bolton Wanderers einen Herzstillstand. Er überlebte, musste aber seine aktive Karriere beenden. Muamba äußerte sich gestern zu dem Vorfall in Kopenhagen. "Es brachte diese Dinge wieder hoch, die ich eigentlich verdrängt habe", sagte er der "BBC". "Es war beängstigend. Aber ein Lob an das medizinische Team. Sie haben einen tollen Job mit Christian gemacht."

Dänischer Fußballverband gibt Update zu Eriksens Zustand

Der dänische Fußballverband meldet sich auf Twitter mit einem Update zu seinem Gesundheitszustand am Sonntagmorgen zu Wort. Eriksen soll in einem Gespräch Grüße an seine Mannschaftskollegen ausgerichtet haben. Er sei stabil und werde weiterhin im Krankenhaus in Kopenhagen behandelt.

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