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Fußball-Kolumne

Bundesliga: Hopp zieht sich aus Sonderrolle zurück und entfacht alte Diskussion

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Mäzen Dietmar Hopp führte mit seinen Millionen die TSG Hoffenheim aus der Bedeutungslosigkeit in die Bundesliga. Bild: www.imago-images.de / Huebner/Herkert
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Bundesliga: Dietmar Hopp zieht sich aus Sonderrolle zurück und entfacht alte Diskussion

In seiner wöchentlichen Kolumne schreibt der Fanforscher Harald Lange exklusiv auf watson über die Dinge, die Fußball-Deutschland aktuell bewegen.
02.03.2023, 13:49
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Die TSG Hoffenheim hat am Mittwoch offiziell verkündet, dass Dietmar Hopp die Mehrheit seiner Stimmrechtsanteile an den Verein übertragen will. Damit wäre Hoffenheim nach acht Jahren wieder ein sogenannter "50+1-Verein". Also ein Klub, in dem die Mehrheit der Stimmrechte bei den Vereinsmitgliedern und den demokratisch gewählten Gremien liegt.

Ich meine: Respekt vor dieser uneigennützigen Entscheidung und Geste!

Dem langjährigen Mäzen der TSG Hoffenheim wurde im Dezember 2014 von der DFL und dem DFB das Privileg eingeräumt, die Stimmenmehrheit am Klub zu halten. Eine Ausnahmeregelung, von der bis dahin lediglich Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg als Werksklubs Gebrauch gemacht hatten.

Bei allen anderen Bundesligavereinen wird über die "50+1-Regel" sichergestellt, dass die Mehrheit der Stimmen immer beim Verein und seinen Mitgliedern liegt. Das ist auch beim umstrittenen Rasenballsport Leipzig der Fall, der mit ihren 21 handverlesenen Mitgliedern den Sinn der "50+1-Regel" in anderer Weise aushöhlt.

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Bundesliga: Hopps finanzeille Unterstützung sorgte für heftige Reaktionen

Fußball ist ein faszinierendes Kampfspiel. Neben den Zweikämpfen auf dem Platz findet jenseits des Spielfeldes ein Kulturkampf um die Deutungshoheit und vor allem um die Besitzrechte an diesem Spiel statt. "Wem gehört das Spiel?" Diese Frage wird regelmäßig neu aufgeworfen und egal wie wir sie beantworten, es wird immer jemanden geben, der das Spiel für sich vereinnahmen möchte.

"Sowohl Fans als auch führende Köpfe der Bundesligakonkurrenz sparten nicht mit ihrer Kritik."

Aus diesem Grund werden Mäzene in der deutschen Fankultur überaus kritisch beäugt. Sie stehen im Verdacht, das Spiel an sich reißen zu wollen. Sie kaufen sich mit ihrem Geld die Macht und können zentrale Entscheidungen treffen. Dadurch werden die Stimmen der Mitglieder, Vereinsgremien und demokratische Prozesse ein Stück weit ins Abseits gestellt.

Der gebürtige Hoffenheimer Dietmar Hopp ist zweifelsohne der bekannteste, profilierteste und (von Fans und der Konkurrenz) am meisten kritisierte Mäzen des Deutschen Fußballs. Mit seinem Geld schaffte es die TSG Hoffenheim in wenigen Jahren von der Kreisliga bis in die Bundesliga und spielte seitdem auch regelmäßig in den Uefa-Wettbewerben eindrucksvoll mit.

Der gigantische Erfolg brachte aber auch Neid und Missgunst mit sich

Bundesliga: Hopp schlägt nach heftiger Kritik versöhnlichen Weg ein

Sowohl Fans als auch führende Köpfe der Bundesligakonkurrenz sparten nicht mit ihrer Kritik. Zuweilen verlief die Kritik jenseits der Grenzen des guten Geschmacks und driftete in Verleumdungen und schäbigen Beleidigungen ab.

Gleichzeitig gipfelten die Auseinandersetzungen in staatsanwaltliche Ermittlungen, aufwändige juristische Verfahren und überflüssige Gerichtsverfahren. Auch dadurch vertieften sich die Gräben zwischen Teilen der aktiven Fanszenen und dem Milliardär so sehr, dass Konfliktlösungen unmöglich wurden.

02.10.2021, xmeix, 1.Fussball Bundesliga, VfB Stuttgart - TSG 1899 Hoffenheim, emspor. v.l.n.r, Banner von Stuttgarter Fans gegen Hoffenheims Maezen Dietmar Hopp DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE O ...
Die Fans des VfB Stuttgart protestierten mit einem großen Spruchband gegen Dietmar Hopp.Bild: www.imago-images.de / Sascha Meiser

Nachdem Hopp im Februar 2022 die Klage gegen Fans zurückgenommen hatte, die in erster Instanz bereits wegen Beleidigung verurteilt wurden, geht der langjährige Förderer der TSG Hoffenheim den Weg des Versöhnens nun in ganz großen Schritten.

Bundesliga: Hopp betont enorme Bedeutung von "50+1-Regel"

Er kann es sich leisten, denn nach seiner Auffassung haben er und die TSG Hoffenheim ohnehin immer im Sinne der "50+1-Regel" gehandelt. In der aktuellen Mitteilung der TSG wird Hopp deshalb auch mit den Worten zitiert:

"Mir ging es nie um Macht (…) Wir haben vor und nach der Erteilung der Ausnahmegenehmigung immer im Sinne von 50+1 agiert. Der Sonderstatus diente nie dazu, diese Regelung aushöhlen oder unterwandern zu wollen."

Er wisse, "dass die 50+1-Regelung, die ich immer befürwortet habe, ein hohes Gut im deutschen Fußball darstellt".

Ich meine, das ist ein wirklich gutes Signal. Sowohl für den Deutschen Fußball, als auch für das fußballbezogene Lebenswerk des Dietmar Hopp. Nach jahrelangen Beleidigungen und Kämpfen um die symbolische Machtfrage, wem das Spiel gehört, zeigt der Hoffenheimer Mäzen echte Souveränität.

Es wäre wirklich klug, diesen Schritt und die dahinter stehenden Botschaften zur Sicherung des demokratischen und mitgliederbestimmten Vereinsfußballs zu nutzen.

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