Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
12.01.2019, Berlin: Handball: WM, Deutschland - Brasilien, Vorrunde, Gruppe A, 2. Spieltag in der Mercedes-Benz Arena. Fans deutschen Teams feuern ihre Mannschaft an. Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die deutschen Fans wollen ihr Team zum Titel  Bild: dpa

Warum der Heimvorteil bei der WM zum deutschen Nachteil werden könnte

erik eggers

Heimvorteil – immer wieder wurde das Wort von Spielern, Funktionären und Experten in den vergangenen zwei Wochen der Handball-WM propagiert. Spätestens bei den Hauptrunden-Spielen in Köln wurde klar, warum das so ist: Als beim Spiel gegen Island über 19.000 Fans in der Kölner Arena waren, wurden 107 Dezibel gemessen – das ist so laut wie eine Kreissäge!

Diese Wucht von den Tribünen. Diese großen Emotionen. Christian Prokop hat sie schon einmal am eigenen Leib erlebt. Der Bundestrainer der deutschen Handballer stand 2007 in der Kölnarena, als fast 20.000 Fans das Team mit einem infernalischen Lärm zu Triumphen trieben. "Es hat mir gezeigt, auf welche Art und Weise man fast ein ganzes Land hinter sich bringen und wie man eine Nation glücklich machen kann", sagt Prokop.

Diese WM 2007 ist bis heute ein leuchtendes Beispiel dafür, wie wertvoll der Heimvorteil im Handball sein kann. Damals eliminierte das Team von Heiner Brand, das vor dem Turnier noch erbärmliche Tests gegen Ägypten bestritten hatte, im Viertelfinale Titelverteidiger Spanien und dann auch den Topfavoriten Frankreich. Im Finale mussten sich dann die Polen der wogenden Masse beugen.  

IHF Handball World Championship - Germany & Denmark 2019 - Group A - Germany v Brazil - Mercedes-Benz Arena, Berlin, Germany - January 12, 2019  Germany fans during the match    REUTERS/Annegret Hilse

Ein großer Vorteil: In den ersten zwei Spielen in Berlin stand die ganze Arena hinter dem Gastgeber. Bild: reuters

Als die deutsche Mannschaft vor zwei Wochen gegen Korea die 26. Weltmeisterschaft der IHF eröffnete, gehörte sie eigentlich nicht zum engsten Favoritenkreis. Schließlich belegten Andreas Wolff & Co. bei den letzten beiden Turnieren nur Platz Neun. Jetzt steht die deutsche Auswahl sensationell im Halbfinale – auch weil der Heimvorteil so schwer wiegt im Handball.  

Die Geschichte ist voll von Überraschungsgastgebern

Dafür gibt es neben der WM 2007 weitere zahlreiche Beispiele. Auch Schweden (1954), Frankreich (2001, 2017) und Spanien (2013) siegten als Gastgeber, obwohl sie teilweise, wie Spanien 2013, vor den Turnieren als Außenseiter gehandelt wurden. Mit den euphorischen Zuschauern im Rücken, konnten auch andere Mannschaften außergewöhnlich gute Resultate erzielen. 

Bild

Katarische Fans beim Finale der Heim-WM. Am Ende musste sich sich mit Silber begnügen.  Bild: imago sportfotodienst

Eines der herausragendsten Beispiele ist die olympische Silbermedaille, die Südkorea, das vorher nicht in Erscheinung getreten war, 1988 in Seoul gewann. Bei der WM 1997 scheiterte Gastgeber Japan im Achtelfinale nur sehr knapp an Titelverteidiger Frankreich. Im Jahr 2005 schlug Tunesien in Tunis die große Handballnation Russland mit elf (!) Toren, zog ins Halbfinale ein und verpasste nur knapp eine Medaille.  

Das jüngste Beispiel ist Katar, das bei der WM 2015 in Doha einen unglaublichen Siegeszug hinlegte und als erstes asiatisches Team eine WM-Medaille gewann. Allerdings hatten die Scheichs zuvor mit vielen Petro-Dollars einen der besten Trainer (Valero Rivera) verpflichtet und hochkarätige Keeper und Schützen fix eingebürgert.  

Heimvorteil hat auch mit Schiedsrichtern zu tun

Sucht man nach Gründen dafür, warum der Heimvorteil so eminent wichtig ist, kommen selbstverständlich die Schiedsrichter ins Spiel. Sie sind traditionell ein großer Faktor im Handball. Treffen annähernd gleich starke Teams aufeinander, kommt es in den Spielen zu circa 20 Situationen, die von der Regelinterpretation abhängig sind. Das betrifft Stürmerfouls und falsche Sperren, die sehr strikt oder liberaler ausgelegt werden können.

Noch mehr gilt das für das passive Spiel. Hier besagt die Regel, dass es von den Schiedsrichtern sofort angezeigt werden soll, wenn keine erkennbare Angriffsabsicht vorliegt. Legte man diese Vorgabe konsequent aus, müsste viel häufiger auf passives Spiel entschieden werden.  

In der Vergangenheit war oft zu beobachten, dass sich viele Schiedsrichter-Duos von dem Druck, der bei Spielen des Gastgebers auf den Rängen erzeugt wird, stark beeinflussen lassen. Davon profitierten auch 2007 die Deutschen, im Viertelfinale noch mehr als im Halbfinale – der französische Trainer Claude Onesta vermutete seinerzeit eine "deutsche Mafia" beim Weltverband.  

Vorschau Handball WM 2019 vom 10-27.01.2019 in Deutschland und Daenemark. Archivfoto; Siegerehrung, die deutschen Nationalspieler Pascal HENS, Christian SCHWARZER und Markus BAUR feiern mit dem Siegerpokal WM-Pokal, Jubel, Schlussjubel. Finale Finalspiel Endspiel Deutschland (GER)-Polen (POL) 29:24, am 04.02.2007 in Koeln, Weltmeister Deutschland Handball Weltmeisterschaft 2007 in Deutschland, vom 19.01. - 04.02.2007 *** Preview Handball World Cup 2019 from 10 27 01 2019 in Germany and Denmark Archive photo Award ceremony the German national players Pascal HENS Christian SCHWARZER and Markus BAUR celebrate with the winner cup World Cup Jubilation Final Final Final Germany GER Poland POL 29 24 on 04 02 2007 in Cologne World Champion Germany Handball World Championship 2007 in Germany from 19 01 04 02 2007

Deutschland ein Wintermärchen: Getragen von den Fans gewinnt das deutsche Team die Heim-WM 2007.  Bild: imago sportfotodienst

Andererseits hatten auch die Franzosen bei dem Titelgewinn 2001 in Paris enorm von den Schiedsrichtern profitiert. Genauso wie die Tunesier während des gesamten Turniers 2005 in Tunesien oder die Kroaten bei ihrer Heim-WM 2009, als sie in das Finale einzogen.  

Auch bei dieser WM gab es schon einen solchen kleinen Schiedsrichter-Skandal: Beim Sieg der Deutschen gegen Kroatien am Montagabend entschieden sich die Unparteiischen zwei Minuten vor dem Ende beim Stand von 21:20 für Deutschland auf ein Stürmerfoul der Kroaten – eine klare Fehlentscheidung, wie die TV-Bilder zeigten. Einen Tag nach der Partie hatten sich die dänischen Schiedsrichter selbstkritisch über ihre Leistung geäußert.

Heimvorteil kann aber auch umschlagen

Dennoch: Eine Garantie für einen Medaillengewinn ist die Heim-WM für die DHB-Auswahl keineswegs. Das zeigt schon der Blick auf das Heimturnier 1982, als sie, angetreten als Titelverteidiger, nur den siebten Platz erreichte.  

Es gibt auch andere Beispiele, bei denen der Gastgeber der großen Erwartungshaltung nicht gewachsen war. So erlitt Schweden im Jahr 1993, ebenfalls als Titelverteidiger angetreten, im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Russland eine historische Pleite (20:30). Auch bei der EM 2016 gingen die Polen in der Hauptrunde unter.   

In diesem Jahr galt das nicht: Deutschland geht vor heimischen Publikum gegen Norwegen als Favorit ins Halbfinale von Hamburg. Und auch die Co-Gastgeber aus Dänemark haben es unter die besten vier Teams geschafft und könnten mit einem Sieg ins (perfekte) Finale ziehen. Das findet jedoch im dänischen Herning statt – und das deutsche Team müsste erstmals gegen den Heimvorteil anlaufen. 

Das sind die Spielorte der Handball-WM 2019

Hier findest du mehr zur Handball-WM:

Rote Karte, Zeitstrafen und "Schritte": Das sind die 10 wichtigsten Handball-Regeln

Link zum Artikel

"Die Abwehr muss stehen! Vi-Ag-Ra!" – die wildesten Schlachtrufe von Handballern

Link zum Artikel

"Fußball-WM ist dagegen Wellness-Urlaub" – Christian Schwarzer zur Handball-WM

Link zum Artikel

Ihr fragt, wir antworten: Gab es schon mal ein 0:0 im Handball? 

Link zum Artikel

Ihr fragt, wir antworten: Was ist eigentlich dieses Harz beim Handball?

Link zum Artikel

Dem deutschen Handball fehlt Migrationshintergrund – und das wird zum Problem

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Dagi Bee, Alexi Bexi und Unge: Mehr als 70 Youtube-Stars fordern Boykott von Union und SPD

Link zum Artikel

Die Live-Hochzeit bei "GNTM" war das Peinlichste, was ProSieben je gezeigt hat

Link zum Artikel

Das "GNTM"-Finale war ein Feuerwerk der Absurditäten. 13 spektakuläre Highlights

Link zum Artikel

Youtuber Rezo greift die CDU an – so wehrt sich die Partei

Link zum Artikel

"Grenze überschritten": GNTM-Vanessa wehrt sich gegen ProSieben – Simone schaltet sich ein

Link zum Artikel

Im "GNTM"-Finale trifft Heidi Klum auf Tom Kaulitz – und es gibt feuchte Küsse

Link zum Artikel

Capital Bra versucht sein Glück bei Helene Fischer – das ist ihre Reaktion

Link zum Artikel

Daenerys wer? Die 17 fatalen Probleme im Finale von "Game of Thrones"

Link zum Artikel

Oops, they did it again: Fans entdecken peinlichen Fehler im "GoT"-Finale

Link zum Artikel

"GoT": Doku zeigt, wie Kit Harington am Set in Tränen ausbrach – jetzt wissen wir, warum

Link zum Artikel

Diese 13 Memes über Bran in "Game of Thrones" bringen dich trotz allem zum Lachen

Link zum Artikel

Das "GoT"-Finale war meine allererste Folge der Show – das habe ich über die Serie gelernt

Link zum Artikel

ESC: Peinlich! Sisters geben zu, wo sie bei der Punktevergabe waren

Link zum Artikel

Herzzerreißende "GoT"-Szene mit Daenerys und Jon – Fans sind erschüttert

Link zum Artikel

So emotional nehmen die "GoT"-Stars nach dem Finale Abschied von der Serie

Link zum Artikel

"GoT": 8 Fehler, die dir genauso entgangen sind wie der Kaffeebecher

Link zum Artikel

Achtung, Spoiler! Die besten Reaktionen zum "Game of Thrones"–Finale

Link zum Artikel

"Game of Thrones"-Autor gibt Hinweis, wie es nach dem Ende der Serie weitergeht

Link zum Artikel

Vanessa rechnet nach "GNTM"-Aus mit ProSieben ab – jetzt antwortet der Sender

Link zum Artikel

Das sagt Lena Meyer-Landrut den S!sters vor dem ESC– ein großer Fan ist sie wohl nicht

Link zum Artikel

So sehen BTS als alte Männer aus – und wir haben Fragen

Link zum Artikel

Darum ist das neue Album nur zu 80 Prozent Rammstein – eine (kleine) Enttäuschung

Link zum Artikel

ESC 2019: Dieter Bohlen über Luca Hänni: "Ich hätte den Mut dazu nie gehabt"

Link zum Artikel

Der neue Song von Shirin David ist eine Abrechnung mit ihrem Vater

Link zum Artikel

Samra und Capital Bra: Neuer Song Wieder Lila ist schon jetzt ein Hit

Link zum Artikel

16 Cartoons, die unsere Gesellschaft auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Strache-Skandal in Österreich – Kanzler Kurz soll Neuwahlen wollen

Link zum Artikel

"Zweifel, Ängste, schlaflose Nächte" – Das sagen "die Lochis" zu ihrem Aus

Link zum Artikel

Lena Meyer-Landrut macht Fan mit Post bei Instagram glücklich

Link zum Artikel

Falscher Professor? Vorwürfe gegen einen AfD-Europakandidaten

Link zum Artikel

Pressekonferenz in Sonnenbrille: Loredana streitet Betrug ab und wird laut

Link zum Artikel

Warum sind wir manchmal traurig nach dem Sex?

Link zum Artikel

Ed Sheeran und Justin Bieber: "I Don't Care" kann der Song des Sommers werden

Link zum Artikel

16 peinlichen Instagram-Werbungen, die nach hinten losgegangen sind

Link zum Artikel

180 Staaten bekämpfen jetzt den Plastikmüll – mit einem globalen Pakt

Link zum Artikel

Dieser seltsame Vogel ist ausgestorben ... kommt aber immer wieder zurück von den Toten

Link zum Artikel

Ariana Grande und BTS: Insider verrät, dass gemeinsamer Song "nur eine Frage der Zeit" ist

Link zum Artikel

Sie soll ein Paar um 614.000 Euro betrogen haben – Rapperin Loredana festgenommen

Link zum Artikel

Helene Fischer lief weg und schrie: Luxus-Makler plaudert über den Hauskauf mit Flori

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Mechaniker bis BWL-Student – das macht das Handball-Nationalteam beruflich

22.437 Euro – so hoch soll das durchschnittliche Brutto-Gehalt der Spieler der deutschen Handball-Nationalmannschaft im Monat sein. Natürlich ist das viel Geld für den Durchschnittsdeutschen, doch muss man bedenken, dass eine Profi-Karriere im Handball meistens nur um die zehn Jahre dauert. Nach drei oder vier Kreuzbandrissen ist sie sogar noch kürzer. Ausgesorgt hat damit keiner. ("Bild")

Zum Vergleich: Der FC Bayern München soll laut einer Studie jährlich rund 303 Millionen Euro für das …

Artikel lesen
Link zum Artikel