Pokalfinale 2011: Königsblaue Fans im Berliner Olympiastadion, als Schalke den Pott in den Pott holte.
Pokalfinale 2011: Königsblaue Fans im Berliner Olympiastadion, als Schalke den Pott in den Pott holte.
bild: imago sportfotodienst
Interview

Heimspiel, Auswärts! Berliner Schalke-Fans färben die Hauptstadt heute königsblau

25.01.2019, 15:42

Wenn zwischen dem Heimatort und dem Lieblingsclub viele hundert Kilometer liegen, ist das für viele Fans nicht leicht. Wer aus der Ferne mitfiebern muss, also nicht im Stadion dabei sein kann, der weiß: Das schmerzt in der Fanseele. Wer aber als "Exilfan" in Berlin lebt, hat Glück.

Weil in der Hauptstadt so viele Fans auswärtiger Vereine leben, gibt es auch entsprechend viele Fanclubs und Fankneipen. Für fast jeden Herzensverein gibt es im "dicken B" einen Ort, an dem man seines Gleichen findet und sich wie Zuhause im Block fühlen kann.

Wir haben zum Duell Hertha-Schalke am Freitag mit einer der ikonischsten Fan-Organisationen gesprochen.

Die Berliner Schalke-Fans, seit 1999 im Fanclub "Königsblau Berlin" organisiert, haben ihre "Ständige Vertretung" im Wilmersdorfer Restaurant "Berliner Hof". Im Keller der Gastwirtschaft haben die aktuell 95 Clubmitglieder sogar einen eigenen Bereich, um die Schalke-Spiele schauen zu können.

Der tunnelartige Raum war früher mal eine Kegelbahn, deswegen nennen die königsblauen Berliner ihre Fankneipe liebevoll "Schacht" – wie passend. Und das Beste: Der Wirt hat Veltins! In Sachen Stimmung und Lautstärke kann der "Schacht" sogar locker mit der Schalker Arena mithalten.

Am Freitagabend trifft Schalke im Berliner Olympiastadion auf Hertha BSC. Der Fanclub "Königsblau Berlin" hat heute also ein "Heimspiel". Zusammen mit allen angereisten Fans aus Gelsenkirchen sind eine Fanparty und ein gemeinsamer Marsch zum Stadion geplant. Hertha erwartet bis zu 6.000 Gästefans.

Ganz so voll wird's am Freitagabend nicht. Trotzdem wollen die Schalker Berlin in Königsblau hüllen. 
Ganz so voll wird's am Freitagabend nicht. Trotzdem wollen die Schalker Berlin in Königsblau hüllen. 
bild: imago sportfotodienst

Wir haben bei Dennis Rosenzweig, dem 1. Vorsitzenden des Fanclubs, nachgefragt, was am Freitag alles ansteht. Der 37-Jährige ist in Gelsenkirchen geboren und lebt seit 2006 in der Hauptstadt. Er erklärt, warum Berlin heute königsblau werden wird.

watson: Dennis, kommen viele eurer Fanclubmitglieder wirklich aus Gelsenkirchen?
Dennis Rosenzweig: Das kann ich anteilig gar nicht genau sagen. Ich schätze mal, dass etwa ein Drittel aus dem Ruhrgebiet kommt. Wir sind ein bunt gemischter Haufen, gebürtige Berliner, Brandenburger, viele, die aus Nordrhein-Westfalen kommen.

Ich habe mir das Video (siehe oben) auf eurer Seite angesehen. Da war ja ganz schön was los! Der Torschütze des Ausgleichs, den ihr so bejubelt habt, war Naldo, der jetzt in Monaco spielt – vermisst ihr ihn?
Ich sehe seinen Abgang mit gemischten Gefühlen. Er ist uns ein bisschen ans Herz gewachsen, daher ist das schade. Aber er wird seine Gründe haben. Wie gesagt, schade, aber er war diese Saison auch nicht so stark. Mal sehen, ob der Club noch einen gleichwertigen Ersatz findet.

Eben noch königsblau, jetzt im Fürstentum: Naldo.
Eben noch königsblau, jetzt im Fürstentum: Naldo.
Bild: imago/PanoramiC/norbert scanella

Heute steht aber erst mal euer "Heimspiel" im Olympiastadion an. Von Party bis Fanmarsch wird sehr viel los sein. Was ist geplant und warum wird Berlin heute königsblau?
Ab 13:04 Uhr öffnet der "Berliner Hof". Alle Schalker sind zum Feiern und Bier trinken eingeladen. Das machen wir jedes Jahr zu jedem Spiel. Auch bei den Fans, die nach Berlin zum Auswärtsspiel anreisen, ist das seit Jahren sehr beliebt. Um 18:30 Uhr laufen wir dann geschlossen zur S-Bahn und fahren gemeinsam zum Stadion. 

Und wo wird es voller heute? Im Auswärtsblock oder in der Kneipe?
Ganz klar im Auswärtsblock. Ich denke, dass er aber leider nicht ganz so gut gefüllt sein wird, wie in den Jahren zuvor. Es ist Freitagabend, es ist kalt und Schalke spielt im Moment nicht so gut... Im "Berliner Hof" werden zur Übertragung des Spiels 100 bis 200 Leute auftauchen.

Auf Schalke dominieren gerade Graustufen, doch das soll sich jetzt ändern.
Auf Schalke dominieren gerade Graustufen, doch das soll sich jetzt ändern.
Bild: imago/Jan Huebner

Das Spiel gegen Hertha ist richtungsweisend. Warum läuft es deiner Meinung nach auf Schalke bisher noch nicht so gut?
Ich kann's nicht genau sagen. Viele undeutliche Bälle, der Kampfgeist fehlt, die einfachsten Dinge haben nicht funktioniert. Das Rotationsprinzip, was Domenico Tedesco am Anfang der Saison eingeführt hat, war sicherlich auch nicht so gut, glaube ich. Wir hatten lange keine echte Stammelf, was aber auch an Verletzungen lag. 

Jetzt gibt es sogar einen Wechsel im Tor. Ralf Fährmann wurde durch Alexander Nübel ersetzt. Was hältst du davon?
Ich weiß nicht, was sich Tedesco dabei gedacht hat. Aber er wird einen Grund haben, warum er diese Entscheidung getroffen hat. Nübel hat gut gehalten, ist ein guter Torwart. Die Frage ist, ob es fair gegenüber Ralf Fährmann ist, der uns jahrelang gute Dienste geleistet hat. Er ist eine der wenigen Identifikationsfiguren, die wir noch haben...

Alexander Nübel, 22, erhält derzeit den Vorzug gegenüber Ralf Fährmann. 
Alexander Nübel, 22, erhält derzeit den Vorzug gegenüber Ralf Fährmann. 
Bild: imago/RHR-Foto

Wie geht das Spiel aus heute Abend?
Ich hoffe natürlich auf einen deutlichen Sieg, denn das macht das Leben in Berlin ein bisschen einfacher – vor allem gegenüber den Arbeitskollegen. Aber ich befürchte, dass es ein Unentschieden wird.

Schalkes Abschied vom Bergbau – die Zechen-Trikots:

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quelle: imago sportfotodienst / rhr-foto
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"30.000 Zuschauer als Sitzschalen verkleidet" – so wurde das El Plastico gefeiert

RB Leipzig gegen TSG Hoffenheim. Der Tabellenvierte gegen den Tabellenachten. An einem Montagabend. Die überhaupt erst siebte Begegnung dieser beiden Teams lockte immerhin noch um die 33.000 Zuschauer in die Leipziger Arena.

Während die Zuschauer im Stadion ein von Taktik geprägtes 1:1 zu sehen bekamen, bestachen die Fans der anderen Vereine mit Schadenfreude über das als "El Plastico" verschriene Duell.

Und weil wir Schadenfreude lieben, wollen wir euch diese natürlich nicht vorenthalten.

(bn)

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