Steffen Kienle erzielte kurz nach Wiederanpfiff das wichtige 1:0 gegen den Bundesligisten.
Steffen Kienle erzielte kurz nach Wiederanpfiff das wichtige 1:0 gegen den Bundesligisten.
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Interview

"Unsere Fans haben sie eingeschüchtert" – Ulms Pokalheld über das Wunder gegen Frankfurt

21.08.2018, 18:0722.08.2018, 09:15
Dominik Sliskovic
Dominik Sliskovic
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Es war die Sensation der 1. DFB-Pokalrunde: Regionalligist SSV Ulm hat den amtierenden Titelträger Eintracht Frankfurt mit 2:0 aus dem Wettbewerb gekickt. Die Ulmer auf die Siegerstraße brachte Steffen Kienle. Der Mittelstürmer erzielte kurz nach Wiederanpfiff das wichtige 1:0 gegen den Bundesligisten.

Wir erreichen Kienle im Mannschaftsbus. Keine drei Tage nach dem historischen Sieg gegen die Frankfurter heißt es für den 23-Jährigen und seine Teamkollegen auswärts gegen Wormatia Worms wieder in der Regionalliga Südwest um Punkte ackern.

Kienle ist trotzdem in Redelaune – und berichtet von den emotionalsten Minuten seiner noch jungen Karriere.

4 Fragen an den "Man of the Match".

Was ging nach dem Sieg?

"Der Sieg gegen Eintracht Frankfurt war überwältigend. Wir haben im Vorfeld schon daran geglaubt, dass wir die nächste Runde erreichen können, aber dass es letztendlich wirklich geschehen ist, war auch für uns eine Sensation. Die Fans, die Stadt, die Mannschaft – wir sind alle einfach nur überglücklich.

Nach dem Spiel haben wir als Mannschaft sicher noch zwei Stunden zusammen in der Kabine gehockt. Danach sind wir als große, geschlossene Gruppe zusammen in die Stadt weitergezogen, wo die Fans bereits auf uns gewartet haben. Der Trainer hat uns gesagt, dass wir feiern gehen sollen – aber dass er jeden von uns Sonntag zum Auslaufen erwartet. Es war echt ein schöner Abend – und natürlich ist es auch ein bisschen später geworden. Trotzdem hat sich jeder an die Worte des Trainers gehalten und ist am nächsten Tag auf dem Trainingsgelände erschienen.

Die Ulmer Mannschaft konnte es kaum glauben.
Die Ulmer Mannschaft konnte es kaum glauben.
Bild: imago sportfotodienst

Am heutigen Dienstag, nach nur zwei Tagen Regeneration, spielen wir in der Regionalliga schon wieder gegen Wormatia Worms. Einen Tag nach unserer Pokalsensation hieß es also schon, das nächste Punktspiel vorzubereiten. Der Trainer hat direkt wieder den Fokus auf die Liga und den Alltag gelegt.

Wir gehen heute mit einer breiten Brust in die Partie gegen Worms. Wir versuchen die Euphorie des Frankfurt-Spiels heute auf den Platz zu übertragen. Natürlich war das Aufeinandertreffen mit der Eintracht etwas ganz Besonderes, aber den Einsatz, den wir dort gezeigt haben, müssen wir auch in der Regionalliga zeigen.

So feierte das Team mit der Mannschaft:

Dass Wormatia im DFB-Pokal 1:6 gegen Werder Bremen verloren hat, hat nichts zu sagen. Wir dürfen sie deswegen nicht auf die leichte Schulter nehmen oder uns überschätzen, nur weil den amtierenden Pokalsieger aus dem Wettbewerb geschmissen haben. Wir müssen weiterhin seriös auftreten in der Liga."

Wie seid ihr ins Spiel gegangen?

"Gegen Eintracht Frankfurt haben wir uns von Beginn an gut gehalten, haben die Zweikämpfe angenommen. Aber ab der 25. Minute haben wir den Klassenunterschied bemerkt. Ab da hatten wir in vielen Situationen auch das Glück auf unserer Seite – was du als Außenseiter schlichtweg brauchst, sonst hast du keine Chance gegen einen Bundesligisten.

Wir sind stark aus der Halbzeit gekommen, haben direkt Druck auf Frankfurt ausgeübt und haben uns schnell mit dem 1:0 belohnt, das ich in der 48. Minute erzielt habe.

Vitalij Lux, Torschütze zum 2:0 der Ulmer gegen Frankfurt
Vitalij Lux, Torschütze zum 2:0 der Ulmer gegen Frankfurt
Bild: imago sportfotodienst

Wenn du als Regionalligist in der zweiten Halbzeit gegen einen Bundesligisten wie Eintracht Frankfurt in Führung gehst, kommt die 'Zweite Luft' von ganz alleine. Wir haben uns durchgebissen und zum Glück hat es sogar noch zum 2:0 durch Vitalij Lux gereicht."

Wie haben die favorisierten Frankfurter reagiert?

"Nach dem 1:0 habe ich bereits bemerkt, dass die Frankfurter unruhiger werden. Wir hatten die Fans im Rücken, das hat sie eingeschüchtert – und uns immer weiter gepusht. Ist doch klar, dass dich so etwas als Fußballer ansport.

Wir Ulmer haben einen super Teamgeist bewiesen – und vielleicht war der zum Schluss hin sogar stärker als bei den Frankfurtern und somit ausschlaggebend. Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass Frankfurt als Team in der zweiten Halbzeit komplett auseinander gefallen ist – selbst wenn bestimmte Spieler beispielsweise begonnen haben, untereinander nur noch in ihrer Muttersprache miteinander zu sprechen. Sie haben schon noch Druck gemacht und phasenweise wieder an ihr wirklich gutes Zusammenspiel angeknüpft. Aber das Glück hat ihnen komplett gefehlt."

Holt ihr jetzt den DFB-Pokal?

"Was mich persönlich betrifft, wollte ich gegen Frankfurt an meine starke Frühform mit drei Toren in den ersten drei Regionalliga-Spielen anknüpfen. Dass ich der Mannschaft dann aber wirklich gegen den amtierenden Pokalsieger mit einem Tor weiterhelfen konnte, ist natürlich wunderschön. Letztendlich darf ich – und auch das komplette Team – jetzt nicht aufhören. Wir müssen weiter hart arbeiten, denn unser Alltag heißt nun einmal Regionalliga. Was für uns am Ende im DFB-Pokal damit herauskommt, müssen wir abwarten.

Steffen Kienle wurde gegen Eintracht Frankfurt zum "Man Of The Match" gekürt
Steffen Kienle wurde gegen Eintracht Frankfurt zum "Man Of The Match" gekürt
Bild: imago sportfotodienst

Es sind noch eine Menge guter Mannschaften im Pokal vertreten. Wir wünschen uns natürlich in der zweiten Runde wieder einen Bundesligisten, einen Traditionsverein – aber letztendlich ist es mir persönlich nicht so wichtig, wer zu uns ins Donaustadion kommt. Ich will nur, dass das Stadion wieder ausverkauft ist, wir eine gute Partie spielen und, ja… vielleicht kegeln wir dann den nächsten Favoriten raus."

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