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DFB-Star Minge packt über Zeit unter Ex-Bundestrainerin Voss-Tecklenburg aus

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In zwei Länderspielen für Deutschland hat Janina Minge ein Tor erzielt.Bild: imago images / Jan Huebner
Interview

Nationalspielerin Janina Minge verteidigt Ex-Bundestrainerin Voss-Tecklenburg

15.12.2023, 17:28
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Das Jahr 2023 hielt für Janina Minge einige Highlights bereit. Mit dem SC Freiburg zog sie ins Finale des DFB-Pokals ein, in der deutschen Nationalmannschaft feierte die 24-Jährige ihr Debüt und ihr erstes Länderspieltor.

Vor dem letzten Spiel des Jahres gegen Frankfurt (Samstag, 14 Uhr) lässt sie nun einige dieser Momente im Gespräch mit watson Revue passieren. Dabei blickt Minge auch auf die ehemalige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die Doku rund ums deutsche WM-Abschneiden sowie die Zukunft des DFB.

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Watson: Janina, du warst in den vergangenen Monaten fast immer beim DFB-Team dabei. Im Dezember wurdest du nun nicht nominiert. Hat Horst Hrubesch dir die Entscheidung erklärt?

Minge: Ich habe nicht mit Horst Hrubesch gesprochen. Es kam eine Mail, in der der Kader bekannt gegeben wurde.

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Gegen Vietnam hat Janina Minge im Juni ihr erstes Länderspieltor erzielt.Bild: IMAGO / Jan Huebner

Seine Vorgängerin, Martina Voss-Tecklenburg, stand in den vergangenen Monaten enorm in der Kritik: wegen sportlicher Auftritte, aber auch wegen des Hin und Hers nach der WM. Wie hast du sie erlebt?

Ich finde die Beurteilung etwas schwierig, weil ich nicht über die gesamte Zeit dabei war und nicht viele Interna mitbekommen habe. Aber sie hat mir die Chance gegeben, mich erstmals eingeladen und mir meine ersten Länderspiele ermöglicht. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Ich kann nichts Negatives über sie sagen.

"Es gibt den Spielerinnen kein gutes Gefühl, wenn sie gefühlt einen Tag vor der Anreise noch nicht wissen, ob sie dabei sind oder nicht."

Die Doku "Born for this" hat jüngst ein paar Einblicke hinter die Kulissen gewährt und gezeigt, wie ihr euch auf die WM vorbereitet habt. Hast du schon reingeschaut?

Eine der zwei neuen Folgen habe ich geschaut.

Mehrere Spielerinnen halten dabei mit Kritik nicht zurück, Alex Popp etwa fühlte sich nicht angemessen vorbereitet auf das Turnier.

Zur WM-Vorbereitung kann ich nichts Schlechtes sagen. Ich bin glücklicherweise noch reingerutscht, war im erweiterten Kader.

Und mit Blick auf deine Mitspielerinnen?

Natürlich war es für einzelne Spielerinnen, bei denen es auf der Kippe stand, ob sie mitfahren, nicht gut. Es gibt den Spielerinnen kein gutes Gefühl, wenn sie gefühlt einen Tag vor der Anreise noch nicht wissen, ob sie dabei sind oder nicht. Da hatten sie extrem viel Druck.

Du selbst wurdest als Back-up mitgenommen, musstest zum Turnierbeginn wieder abreisen. Was hat da überwogen: die Enttäuschung oder der Stolz, dabei gewesen zu sein?

Ich war dankbar, dass ich dabei sein durfte. Für mich war es überraschend, dass ich am Ende sogar mit nach Australien fliegen durfte. Es stand von Anfang an fest, dass ich nach dem ersten Spiel wieder nach Hause fliegen würde, wenn sich niemand mehr verletzt. Das war so besprochen. Da ich eigentlich nicht bei den Vorbereitungslehrgängen dabei gewesen wäre, war es für mich eine große Freude.

"Es ist mein Ziel, mich im DFB-Team zu etablieren und das eine oder andere Turnier mitzunehmen."

Also gab es am Ende gar keine Wehmut?

Als ich zum ersten Spiel im Stadion war, habe ich mir gewünscht, bleiben zu können. Aber ich habe natürlich niemandem eine Verletzung gewünscht. Die Freude, dabei gewesen zu sein, hat am Ende überwogen.

Hast du mit Blick auf weitere Turniere Blut geleckt?

Ich war einmal dabei und habe gemerkt: Das macht Spaß, das ist etwas Außergewöhnliches. Jeder träumt davon, eines Tages bei der Nationalmannschaft sein zu dürfen und große Turniere zu spielen. Es ist mein Ziel, mich im DFB-Team zu etablieren und das eine oder andere Turnier mitzunehmen.

Die Kritik in den vergangenen Monaten galt nicht nur der ehemaligen Bundestrainerin, sondern auch dem DFB und der Mannschaft selbst. Muss man sich um die Zukunft des deutschen Fußballs Sorgen machen?

Nein, es steckt so viel Potenzial in dieser Mannschaft. Es gibt auch viele gute Spielerinnen, die beim DFB noch nicht die Chance hatten. Solche Phasen, in denen nicht alles rund läuft, gibt es immer mal. Es wird wieder bergauf gehen. Anhand der letzten Spiele ist schon ein Aufwärtstrend zu erkennen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns keine Sorgen um die Zukunft des deutschen Fußballs machen müssen.

Mit deinem Klub, dem SC Freiburg, hast du zum Saisonstart ein Remis gegen Meister Bayern geholt. Danach setzte es aber unter anderem eine Pleite gegen Aufsteiger Nürnberg.

Es ist nicht zufriedenstellend. Wir sind sehr gut in die Saison gestartet, aber jetzt geht es ein bisschen auf und ab. Wir haben Spiele, da machen wir es sehr gut, holen Punkte, die wir nicht unbedingt erwartet hätten. Aber dann verlieren wir auch Punkte, die wir eingeplant hatten.

In der Vorsaison hattet ihr nach acht Spieltagen 15 Zähler auf dem Konto, in diesem Jahr nur neun. Was läuft schlechter?

Wir wissen, dass wir es besser können, schaffen es aber nicht jede Woche, das auf den Platz zu bringen. Wir kassieren zu viele Gegentore, darunter viele unnötige. Wir schaffen es nicht, Spiele an uns zu reißen. Auch mal einen dreckigen Sieg einzufahren. Wenn wir drei Tore schießen, kassieren wir auch drei.

"Das ist von Woche zu Woche enttäuschend."

Spürt ihr ob der Tabellenkonstellation Druck?

Von Druck würde ich nicht sprechen. Wir wollen nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Aber wir sind uns auch dessen bewusst, dass wir eher unten als oben stehen. Zu Beginn der Saison hatten wir uns vorgenommen, im oberen Drittel zu stehen und die Großen zu ärgern.

Das ist euch gegen Bayern und Hoffenheim gelungen.

Wir schaffen es aber nicht, die Spiele nach unten, die wir gewinnen müssen, für uns zu entscheiden. Das ist von Woche zu Woche enttäuschend.

Hat sich eure Zielsetzung dadurch verändert?

Wir wollen in der oberen Hälfte der Tabelle stehen. Das können wir nur über konstantere Spiele schaffen.

Richtig gut unterwegs wart ihr letzte Saison im DFB-Pokal. Denkst du trotz der Pleite gerne ans Finale zurück?

Es war ein extrem cooles Spiel, ein absolutes Highlight. Es waren fast 45.000 Zuschauende da, das ist etwas Besonderes. Wenn man das einmal erlebt hat, möchte man es immer wieder erleben.

Fußball DFB-Pokal Finale der Frauen VfL Wolfsburg - SC Freiburg am 18.05.2023 im RheinEnergieStadion in Köln Torjubel / Jubel / Tor zum 1:1 durch Janina Minge Freiburg DFB regulations prohibit any use ...
Janina Minge hat bei der 1:4-Pleite im DFB-Pokal-Finale den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt.Bild: IMAGO / Revierfoto

Ist das eine Ansage für die aktuelle Pokalsaison?

Wir werden alles daransetzen, dass wir es auch dieses Jahr wieder möglichst weit schaffen – vielleicht ja wieder ins Finale. Mit Frankfurt haben wir im Achtelfinale aber erstmal eine extrem schwere Aufgabe vor uns.

Im Finale hast du letztes Jahr das zwischenzeitliche 1:1 erzielt, warst mit elf Saisontoren generell treffsicher unterwegs. In dieser Saison ist es erst ein Treffer. Wieso?

Durch den Ausfall von Meret Felde, die letztes Jahr auf der Sechs gespielt hat, fehlt uns eine klassische Sechs. Ich habe die Rolle übernommen, kann also nicht mehr so offensiv spielen wie in der Vorsaison. Dementsprechend komme ich nun seltener in Positionen, um Tore zu schießen.

Sehnst du die Rückkehr auf die Acht herbei?

Ich würde gerne wieder weiter vorne spielen, aber aktuell haben wir unser System angepasst. Wir stehen nicht mehr so offensiv, wollen weniger Gegentore bekommen.

Neben dem Fußball bist du auch noch Polizistin. Wie gut lassen sich die Berufe miteinander vereinen?

Bei uns gibt es eine Spitzensport-Förderung. Das heißt, dass ich mich voll auf den Sport konzentrieren kann. Nebenher bin ich normal im Schichtdienst in der Freiburger Innenstadt.

Wie oft bist du auf Streife?

Mal mehr, mal weniger: Es kann sein, dass ich ein, zwei Monate gar nicht als Polizistin tätig bin. Und dann kann es auch sein, dass ich zwei oder drei Mal in einer Woche im Einsatz bin. Ich habe keine Vorgaben, wie oft ich da sein muss.

Musst du dir von Mitspielerinnen oder Gegnerinnen manchmal etwas anhören, weil du Polizistin bist?

Blöde Sprüche gibt es eigentlich nicht, vielleicht mal den einen oder anderen spaßigen Spruch. Es finden eher alle ganz cool, dass man das nebenbei noch macht.

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