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RB Leipzig: Josefine Schaller spricht über Kritik und die Frauen-Bundesliga

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Josefine Schaller ist im Sommer mit RB Leipzig in die Bundesliga aufgestiegen.Bild: IMAGO / Beautiful Sports
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RB Leipzig: Josefine Schaller spricht über die Kritik am Verein – und ihre Entwicklung

30.11.2023, 08:10
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Als RB Leipzig zur Saison 2016/2017 seine Frauenmannschaft anmeldete, ging die Frauen-Bundesliga in ihre 20. Spielzeit. Sieben Jahre später spielen die Leipzigerinnen erstmals im Oberhaus. Die RB-Damen haben sich von der viertklassigen Landesliga Sachsen bis ins Oberhaus hochgearbeitet, sind seit Sommer der 39. Klub der Ligageschichte.

Josefine Schaller ist seit der Geburtsstunde der Leipziger Frauenabteilung dabei. Bis 2019 kickte sie noch im Nachwuchs, seither ist sie fester Bestandteil der ersten Mannschaft. Mit watson hat die 21-Jährige über die Entwicklung des Teams, die öffentliche Wahrnehmung und die Herausforderung Bundesliga gesprochen.

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watson: Josefine, du hast mit RB Leipzig einen Arbeitgeber, der gerade bei Traditionalisten unbeliebt ist. Das Herrenteam wird verbal regelmäßig angegangen. Wie ist das bei den Frauen?

Josefine Schaller: Im Männerteam ist es auf jeden Fall extremer. Ich verfolge es nicht aktiv, aber man bekommt schon mit, dass der Verein in manchen Fanlagern kritisch betrachtet wird. Bei uns habe ich allerdings wenig negative Erfahrungen mit Beleidigungen gemacht. In einzelnen Situationen kommt es vor, gerade nach Siegen oder engen Partien.

"Die Männer stehen noch mehr in der Öffentlichkeit. Insgesamt haben wir noch nicht dieselbe Strahlkraft."

Wieso bekommt ihr weniger ab als die Männer?

Die Männer stehen noch mehr in der Öffentlichkeit. Insgesamt haben wir noch nicht dieselbe Strahlkraft. Bei uns läuft gerade erst alles an. Deshalb fallen die Reaktionen bei den Männern vermutlich heftiger aus.

Der Weg nach oben hat euch in die Bundesliga geführt, wo ihr plötzlich häufiger verliert als gewinnt. Wie ungewohnt ist das nach den erfolgreichen Jahren?

Mit mir macht es noch nicht so viel, weil wir am Anfang der Saison stehen. Wir müssen erst einmal reinkommen in diese Liga. Das ist ein anderes Niveau. Gegen Essen haben wir uns schon sehr gut angestellt. Gegen die drei Topteams war es hingegen nochmal schwieriger. Aber auch da hat man gesehen, dass wir mithalten können. Wir hatten die Chance, mehr mitzunehmen.

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Früher ging es für Leipzigs Josefine Schaller (r.) gegen den BSC Marzahn, heute gegen den FC Bayern.Bild: IMAGO images / Picture Point LE

Mit welchen Erwartungen bist du denn in das Abenteuer Bundesliga gegangen?

Ich konnte gar nicht einschätzen, was mich erwartet. Beim Blick auf den Spielplan mit den frühen Partien gegen Wolfsburg, Frankfurt und Bayern wusste ich, dass wir es direkt mit den Besten der Liga zu tun bekommen würden. Umso wichtiger, dass wir am zweiten Spieltag gegen Essen drei Punkte geholt haben.

Es ist bisher der einzige Sieg.

Es war kein Saisonstart, den man sich wünscht. Trotzdem war es kein schlechter Start, weil wir bereits unseren ersten Dreier geholt haben. Wir haben viel gelernt, konnten da einiges mitnehmen. Wir könnten aber auch besser dastehen.

Im Sommer gab es bei euch einen großen Umbruch: Es kamen acht Neue, dafür ging unter anderem Kapitänin Johanna Kaiser von Bord. Seid ihr noch in der Findungsphase?

Es macht mit einer Mannschaft etwas, wenn viele gehen und viele Neue kommen. Die neuen Spielerinnen haben sich mittlerweile gut eingelebt, wir sind ein gestandenes Team. Jetzt sind wir also nicht mehr in der Findungsphase. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert, mit Ausnahme des Bayern-Spiels sieht man das auch anhand der Ergebnisse.

In welchen Bereichen spürst du die Unterschiede zur zweiten Liga?

Gegen die Topteams, gerade gegen Bayern, hat man gesehen, dass wir am Ball noch Potenzial haben. Da können wir noch ruhiger sein, den Ball länger halten, uns Torchancen herausspielen. In anderen Bereichen ist aber auch noch Luft nach oben, wir können uns auch defensiv noch verbessern. Wir sind aber trotzdem schon ein paar Schritte gegangen.

"Beim Bayern-Spiel habe ich gemerkt, dass ich noch nicht in der Spitze dabei bin. Aber ich kann mich ja noch entwickeln, das braucht Zeit."

Und wo siehst du bei dir persönlich noch Luft nach oben?

In der Bundesliga geht es schneller zur Sache, man muss jedes Spiel auf dem höchsten Niveau agieren. Man muss jeden Tag Höchstleistungen bringen, um dagegenzuhalten. Als eher kleine Spielerin kann ich persönlich natürlich mein Kopfballspiel verbessern.

Du hast vor vier Jahren in der Regionalliga angefangen, bist seither mit den Aufgaben gewachsen. Führt diese Entwicklung in die Nationalmannschaft?

Da bin ich sehr zurückhaltend, habe noch nicht groß darüber nachgedacht. Beim Bayern-Spiel habe ich gemerkt, dass ich noch nicht in der Spitze dabei bin. Aber ich kann mich ja noch entwickeln, das braucht Zeit.

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Josefine Schaller (Mitte) stand in dieser Saison bei neun von zehn RB-Partien auf dem Rasen.Bild: IMAGO / Nico Herbertz

Was hat sich neben der Ligazugehörigkeit in Leipzig seit 2019 noch so verändert?

Die Bedingungen sind anders. Zu Regionalliga-Zeiten haben wir noch am Gontardweg trainiert. Jetzt arbeiten wir oft am Cottaweg. Strukturell hat sich etwas verändert. Das ist über die Jahre mitgewachsen.

Ist die Entwicklung zu einem deutschen Topteam der nächste, logische Schritt?

So weit schauen wir noch nicht. Wir wollen erst einmal diese Saison gut weiterspielen. Wir wollen nicht einen Schritt vor dem anderen machen, uns zunächst in der Liga etablieren. Wenn man das irgendwann geschafft hat, kann man weiter nach oben schauen.

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