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EM 2024: ZDF-Moderatorin Amelie Stiefvatter übt Kritik am DFB

Amelie Stiefvatter
ZDF-Reporterin Amelie Stiefvatter berichtet täglich vom DFB-Hauptquartier in Herzogenaurach.null / NOI CREW
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ZDF-Moderatorin Amelie Stiefvatter fällt klares Urteil über das DFB-Quartier

19.06.2024, 20:5819.06.2024, 20:59
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Wer die EM-Berichtserstattung des ZDF verfolgt, dürfte Amelie Stiefvatter bereits im Einsatz gesehen haben. Die 33-Jährige berichtet für das Zweite live vom DFB-Mannschaftsquartier in Herzogenaurach.

Für Stiefvatter ist die Heim-EM ihre persönliche Premiere auf der ganz großen Bühne. Denn mit dem Job als Quartiersreporterin tritt sie in riesige Fußstapfen: Bei den vergangenen Turnieren haben verdiente Journalist:innen wie Katrin Müller-Hohenstein oder Gerhard Delling diese Rolle ausgefüllt.

Im Gespräch mit watson spricht sie über die Herausforderungen vor Ort in Herzogenaurach, blickt auf die deutschen EM-Chancen und findet kritische Worte zur Social-Media-Strategie des DFB.

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In Herzogenaurach hat sich das DFB-Team rund zwei Wochen lang auf die Heim-EM vorbereitet.Bild: dpa / Federico Gambarini

watson: Schon 2022 hast du von der WM in Katar für das ZDF berichtet, jetzt bist du bei der Heim-EM als Quartiersreporterin noch stärker eingebunden. Inwiefern ist das für dich eine Herausforderung?

Amelie Stiefvatter: Die Aufgabenstellung ist eine andere als noch in Katar. Da bin ich als Filmemacherin mit meinem Kameramann herumgereist und habe Geschichten abseits des Sports gesucht, um so Kultur, Land und Leute vorzustellen. Die EM ist das erste Großereignis, bei dem ich rein sportlich berichtet – und das auch noch täglich aus dem DFB-Hauptquartier. Statt Filme zu produzieren, mache ich jetzt also Schalten und Interviews, was etwas komplett anderes ist.

Ist das ZDF-Team auch auf dem Gelände in Herzogenaurach untergebracht?

Unsere Unterkunft ist in Erlangen, wo wir Appartements gemietet haben – mit einer Terrasse zum gemeinsamen Fußballschauen. Von da aus werde ich mit dem Fahrrad ins Hauptquartier fahren. Es dauert rund 40 Minuten, um bis nach Herzogenaurach zu radeln, was eine gute Gelegenheit ist, um nochmal ein bisschen den Kopf freizukriegen.

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Vor Ort arbeitest du eng mit deinem ZDF-Kollegen Sven Voss zusammen. Wie teilt ihr euch dabei genau auf?

Sven wird die Interviews mit dem Bundestrainer führen, die anderen teilen wir uns auf. Ich übernehme die Schalten ins "ZDF-Morgenmagazin" und ins "ZDF-Mittagsmagazin" und berichte dann von der Stimmung und meinen Eindrücken von vor Ort.

Was wird für dich als Quartiersreporterin besonders herausfordernd sein?

Es sind enorm viel Journalisten vor Ort, was einerseits schön ist, weil viele alte Weggefährten von Magenta TV oder Sky dabei sind. Allerdings will natürlich jeder möglichst nah ans Team heran und viele Einblicke bekommen. Dem DFB muss bewusst sein, dass sie die Türen für uns Journalisten öffnen sollten. Denn eines ist klar: Wenn sich die Mannschaft erneut abschottet, wird keine Euphorie ins Land überschwappen.

Inwiefern macht dir da die neue, offenere Social-Media-Strategie des DFB Hoffnung?

Was das angeht, bin ich noch zwiegespalten. Durch den neuen Ansatz werden die Spieler und das Team natürlich transparenter und man bekommt als Fan das Gefühl, mit dabei zu sein. Dem unabhängigen Journalismus schadet es aber eher, denn für den DFB sind die Inhalte auf den eigenen Kanälen viel einfacher zu handhaben und gleichzeitig auch ein Marketingtool. Der Verband kann hier seine eigene Agenda setzen und muss sich keinen kritischen Fragen stellen. Zu glauben, hier werde alles gezeigt, ist aber ein Trugschluss und lässt uns Journalisten, die ganz andere Ansprüche an Interviews und Reportagen haben, ein bisschen außen vor.

Bei den vergangenen Turnieren war das Hauptquartier des DFB immer ein ziemliches Politikum. Vor allem die Quartiere in Russland und Katar sind kritisch gesehen worden. Wie blickst du vor diesem Hintergrund auf den Standort Herzogenaurach?

Ich denke, das Mannschaftsquartier wird bei einem Heimturnier keine so große Rolle spielen und dieses Mal kein Politikum werden. Was die Ausstattung angeht, die Zimmer der Spieler, die Sportmöglichkeiten, die ganze Infrastruktur, ist Herzogenaurach definitiv ein Topstandort. Das bekomme ich auch aus dem Trainerteam gespiegelt. Dass hier alles so eng beisammen ist, kommt im Team sehr gut an. Genauso, dass das WLAN nochmal verstärkt wurde und die Spieler auf ihren Zimmern zocken können (lacht).

Hat man dich im Vorfeld gebrieft, wie das Mannschaftsgefüge ist und wer im Team die Quatschköpfe sind?

Natürlich habe ich mich vorher ein bisschen informiert, auch damit ich weiß, worauf ich mich einstellen muss. Gleichzeitig gehe ich aber neutral auf die Spieler zu, denn so habe ich es in Interviews schon immer gehandhabt. Jeder einzelne soll die Möglichkeit haben, so zu sein, wie er ist. Und da bei einer Heim-EM Motivation und Laune der Spieler ohnehin bestens sind, bin ich sicher, dass es keinen Platz für Feindseligkeit innerhalb des Teams geben wird.

Was stimmt dich aus sportlicher Sicht optimistisch, wenn du auf das deutsche Team blickst?

Durch die starken Leistungen in den Spielen gegen Frankreich und die Niederlande hat sich eindeutig was gedreht. Auch weil Julian Nagelsmann ein komplett neues Team aufgestellt hat, mit ganz neuen Gesichtern, ist ein Aufbruchsgefühl entstanden. Die Rückkehr von Toni Kroos als Leader im Mittelfeld, wird ebenfalls eine große Rolle spielen. Dazu kommt, dass die deutsche Gruppe machbar ist und die realistische Chance besteht, dass sich das Team von Spiel zu Spiel steigern kann.

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