MMA: UFC Fight Night-Busan-Oezdemir vs Rakic, Dec 21, 2019 Busan, SOUTH KOREA Volkan Oezdemir red gloves fights Aleksandar Rakic blue gloves during UFC Fight Night at Sajik Arena. Mandatory Credit: Ja ...
Aleksandar Rakić arbeitet nach seinem Kreuzbandriss aktuell an seinem Comeback.Bild: IMAGO / USA TODAY Network
Interview

UFC-Star Aleksandar Rakić erklärt, warum MMA Boxen den Rang ablaufen wird

Der Kampfsport MMA (Mixed Martial Arts) erlebt in Deutschland einen Hype. Der Österreicher Aleksandar Rakić hat es bis in die amerikanische Eliteliga UFC geschafft. Im Gespräch mit watson verrät er, warum es nicht so gefährlich wie Boxen ist und er Sportler und Influencer ist.
10.12.2022, 10:16

Watson: Aleksandar, du kämpfst in der MMA-Eliteliga UFC in den USA. Macht es dir Spaß, dich zu prügeln?

Aleksandar Rakić: (lacht) Auf jemanden, der den Sport nicht kennt, wirkt es immer sehr aggressiv und man stellt sich bei dieser Bezeichnung immer eine Straßenschlägerei vor, aber das ist es nicht.

Sondern?

Wir sind Hochleistungsathleten, die alle drei bis fünf Kampfsportarten beherrschen, um auf dem höchsten Niveau performen zu können. Ein Boxer muss nur boxen können, ein Kickboxer nur Kickboxen, aber ein MMA-Kämpfer mindestens beides. Mir macht es einfach Spaß, mich mit anderen Athleten zu messen.

MMA und besonders die UFC begeistern in den USA Millionen Zuschauer, auch in Deutschland wächst das Interesse. Kann MMA den Boxsport in Deutschland und Österreich als TV-Kampfsportart Nummer 1 ablösen?

Ja, aber der Zeitpunkt ist jetzt noch nicht gekommen. MMA ist noch sehr jung, Boxen hingegen hat eine lange Tradition, ist eine der ältesten Kampfsportarten der Welt und eine olympische Disziplin. Doch ich denke, dass MMA langsam Überhand nehmen wird. Der Boxsport wird nicht aussterben, aber immer weniger werden. Was viele Leute auch noch nicht sehen: Boxen ist viel gesundheitsgefährdender als MMA.

Wieso?

Du hast während der zwölf Mal drei Minuten im Boxen nur zwei Optionen: auf den Kopf oder Körper zu schlagen. 75 Prozent der Schläge landen am Kopf und wenn man eine lange Karriere hat, sind das einige Tausend – das ist natürlich nicht das Gesündeste. MMA wirkt auf eine Art brutal, ist es aber gar nicht so.

In Deutschland wurde MMA Anfang 2010 kurzzeitig im TV ausgestrahlt, dann gab es ein Verbot von der Landesmedienanstalt Bayern, die zum Beispiel das Einschlagen auf den am Boden liegenden Gegner kritisierte.

Dazu kann ich wieder das Beispiel zum Boxen heranziehen.

"Man muss sich ein zweites Standbein aufbauen, um seine Zukunft abzusichern. Wenn man ein bisschen intelligent ist, fängt man früh genug damit an."

Gerne.

Wenn ich beim Boxen zu Boden gehe, gibt mir der Ringrichter die Möglichkeit, mich kurz zu erholen und den Kampf fortzusetzen. Dann kann ich in den nächsten Runden weiter Schläge kassieren und gehe eventuell immer wieder zu Boden.

Beim MMA gehst du zu Boden, ich schlage noch zwei, dreimal nach und wenn du dich nicht wehren kannst, ist der Kampf vorbei. Somit ist alles viel kürzer. Es schaut brutal aus, wenn jemand am Boden liegt und ich draufschlage, aber man kann bei weitem nicht die Kraft wie im Stehen entwickeln.

Du gibst bei Youtube und Instagram immer wieder Einblicke in dein Training und deinen Alltag, genau wie in Deutschland die bekannten MMA-Kämpfer Stephan Pütz und Christian Eckerlin.

Ich danke Gott, dass es Social Media gibt (lacht). Der Sport verbreitet sich dort so rasant, dass es uns die Möglichkeit gibt, ihn noch populärer zu machen. Mittlerweile nutzt jeder Mensch Social Media und wenn er einmal in der Woche auf einen Beitrag stößt, ist das gut.

Nervt es dich manchmal auch, dass du ein Mix aus Sportler und Influencer sein musst?

Es gehört einfach zum Sport dazu. Es gibt Athleten, die weniger von sich zeigen und andere mehr. Ich zeige auch nur das, was ich wirklich will. Aber wenn ich mal zurückgetreten bin und mein Name nicht mehr so häufig in den Schlagzeilen ist, wünscht man sich die Aufmerksamkeit.

Aleksandar Rakić verkauft mittlerweile sein eigenes Merchandise.
Aleksandar Rakić verkauft mittlerweile sein eigenes Merchandise.null / alexlangphoto

Du arbeitest gerade an deinem Comeback nach deinem dritten Kreuzbandriss. Ist es also auch eine gute Option, um für die Zeit nach der Karriere vorzusorgen.

Natürlich, denn es gibt auch ein Leben nach dem Sport und ich kann nicht kämpfen, bis ich 70 oder 80 Jahre alt bin. Ich hoffe natürlich, dass meine Karriere noch zehn Jahre lang geht, aber man muss sich ein zweites Standbein aufbauen, um seine Zukunft abzusichern. Wenn man ein bisschen intelligent ist, fängt man früh genug damit an, um im Ruhestand ein gutes Leben zu haben.

Hinzu kommt jetzt deine Tätigkeit als Co-Kommentator bei Dazn. Du begleitest den Titelkampf zwischen Jan Blachowicz und Magomed Ankalaev. Gegen Blachowicz hast du dir vor einem halben Jahr das Kreuzband gerissen, während du gute Siegchancen hattest. Geht man da mit einem lachenden und einem weinenden Auge an die Aufgabe?

Auf jeden Fall. Natürlich könnte ich dort stehen, wenn ich mir nicht das Kreuzband gerissen hätte. Aber ich bin ein gläubiger Mensch und Gott hat gemeint, dass es nicht die Zeit war. Mein Weg ist aber klar: ich will die Reha vollständig absolvieren und dann wieder angreifen. Ich kenne mein Potenzial und mit ein bisschen Glück werde ich meine Titelchance noch bekommen.

Blachowicz ist ein sehr erfahrener Kämpfer, Ankalaev steht bei neun Siegen in Folge. Was wird das für ein Kampf?

Ich freue mich für Jan, aber er hat es nicht verdient, dass er um den Titel kämpft. Nun hat sich der amtierende Champion verletzt und er hat die Chance. Ich erwarte einen engen Fight. Möge der bessere gewinnen.

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