Sagt Servus: Arjen Robben beendet seine Karriere.
Sagt Servus: Arjen Robben beendet seine Karriere.
Bild: imago images / ULMER Pressebildagentur
Meinung

Ich mochte Robben nie – aber sein Abgang zeigt, wie viel Klasse er doch hat

05.07.2019, 13:5805.07.2019, 16:51

Arjen Robben macht Schluss. Der 35-Jährige verkündete sein Karriere-Ende am Donnerstagabend in einer persönlichen Mitteilung. Mit Robben geht ein großer Fußballer, der mit seinem noch größeren Ego aber auch immer mal wieder ein noch größerer Unsympath war. Sein stiller Abgang zeigt aber vor allem eins: Hinter dem Fußballer Arjen Robben verbirgt sich ein großer Charakter, ein Ehrenmann.

Wenn man kein glühender Fan des FC Bayern Münchens ist, dann fremdelt man schnell mit den Liebeleien für Arjen Robben. Auch ich mochte Robben nicht. So sympathisch Robben als Familienvater ohne die typischen Fußballstar-Gadgets wie Gold-Steaks oder Tattooarm auch wirken mag: Als Fußballer konnte Robben schnell unangenehm werden.

Robben war gut, aber unsympathisch

Wenn er verletzungsfrei war, aber dennoch nicht aufgestellt wurde oder jemand ihm gar widersprach, ließ er alles und jeden seine Unzufriedenheit spüren. Bei jeder Auswechslung, bei jedem Elfmeter, den ein anderer schießen sollte, benahm sich Robben wie ein beleidigtes Kind, das an der Supermarktkasse keine Kaugummis bekommt.

Und wenn es lief, dann machte Robben nicht nur mit Toren, sondern auch mit Flugeinlagen auf sich aufmerksam. Dass er nach Schwalben im Strafraum meist noch den Elfer bekam, machte es für Fans umso schwerer, diesen ausgezeichneten Fußballer zu mögen.

So sahen wir Robben leider auch manchmal: Der fliegende Holländer.
So sahen wir Robben leider auch manchmal: Der fliegende Holländer.
Bild: imago images / MIS

Damit ist jetzt aber sowieso Schluss. Ob es die unnötigen Robben-Schwalben oder die fantastischen Läufe von außen in den Strafraum samt Traumtor sind, wir werden sie nie wieder live sehen. Und so still der Abgang inmitten des Sommers auch wirkt, so laut müsste man ihn herausbrüllen.

Robben beendet Karriere auf höchstem Niveau

Robben selbst verkündete sein Karriereende in seiner Muttersprache auf einem Presseportal aus den Niederlanden. Kein gefühlsseliger Tweet, kein Highlight-Video auf Instagram. Einfach nur ein Text mit dankenden Worten. Der Grund für das Ende ist der 35 Jahre alte Körper von Robben, der während der ganzen Karriere immer wieder streikte. "Im Moment bin ich fit und gesund", schrieb Robben. "Und als jemand, der viel anderen Sport treibt, möchte ich das auch in Zukunft so halten."

Es ist eigentlich nur eine ehrliche, vernünftige und selbstschützende Begründung, die kaum der Rede wert sein sollte. Robben will nicht als Sportinvalide die Karriere nach der Karriere starten. Doch im Fußballzirkus ist das eben nicht so normal.

Sein größter Triumph: 2013 schießt Robben die Bayern mit seinem Tor gegen den BVB zum Champions-League-Titel.
Sein größter Triumph: 2013 schießt Robben die Bayern mit seinem Tor gegen den BVB zum Champions-League-Titel.
Bild: imago images / Schwörer Pressefoto

Robbens Vernunft schlägt einerseits die Lust, weiter dem nachzugehen, was er am liebsten tut: Fußball spielen. Ein großer Schritt, den viele Fußballer viel zu spät tun. Denn auf der anderen Seite verzichtet Robben auf sehr viel Geld. Und somit macht Robben das, was viele Weltstars nicht tun: Er geht mit Stil, auf dem allerhöchsten Niveau.

Er verzichtet auf sehr viel Geld

Selbst die größten Fußballer der Welt verabschiedeten sich manchmal in denkbar schlechter Verfassung und offenbarten im Karriereherbst oftmals auch, dass ihnen Geld sehr viel wichtiger ist als grundlegende Werte. So wechselt Robben nicht nach China oder Katar, wo er zwar nochmal ziemlich viele Millionen auf seinem Konto dazu verdient hätte, doch in Stadien spielt, die mitunter von Zwangsarbeitern gebaut wurden. Für Fans mit Normalgehalt sind diese Wechsel oftmals kaum zu begreifen. Auch ein Transfer in eine schwächere Liga wie in die amerikanische MLS oder die japanische J1-League kam nicht zustande. Sicherlich ist eine Art wildes Auslandssemster ein spannendes Erlebnis, doch so, wie Robben seine Karriere beendet, müssen wir nicht einem holländischen Fußballgreis zuschauen und dabei an bessere fußballerische Tage denken.

Sein Vater fasste den Entschluss zum Karriereende im Gespräch mit "Bild" treffend zusammen: "Sein Herz sagt Ja, aber der Kopf Nein."

Gibt schlechteres: Karriereende mit dem Double auf dem Münchner Marienplatz.
Gibt schlechteres: Karriereende mit dem Double auf dem Münchner Marienplatz.
Bild: imago images / Jan Huebner

Und so feierte Arjen Robben sein Karriereende mit dem Double bei seinem langjährigen Herzensverein FC Bayern München auf dem Balkon des Münchener Marienplatz.

In seiner Pressemitteilung erklärte Robben, dass er nun vor allem seiner Familie etwas zurückgeben will: "Spitzensportler sind bekannt für ihre egoistische Haltung, und ich war da keine Ausnahme", so Robben. "Deshalb möchte ich insbesondere meiner Familie für die bedingungslose Unterstützung, das Verständnis und die Liebe danken."

Statt seine Familie mit nach China oder Katar zu schleifen, will er noch ein Jahr in München leben, wo seine Kinder zur Schule gehen. Dann soll es zurück in die Niederlande gehen, wo Robben ein Haus baut. Und jetzt vermisse selbst ich diesen Arjen Robben ein bisschen.

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