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Oliver Mintzlaff (l.), Vorstandschef von RB Leipzig, und Stadionsprecher Tim Thoelke. Im Hintergrund: Die Liebe-Frieden-RB-Choreo, die am Sonntag ad absurdum geführt wurde. Bild: imago images/Picture Point LE/roger petzsche

Meinung

Coronavirus: RB Leipzig wirft Japaner aus Stadion – die Reaktion ist eine Farce

Liebe und Frieden. Regenbogenfarben und Rasenball. Vor dem Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen hatte es im Leipziger Fanblock eine große und bunte Choreographie gegeben. Das Motto: "Love, Peace and Rasenball". Der Klub wollte sich öffentlich gegen jegliche Form von Rassismus und Diskriminierung stellen, sich als weltoffen präsentieren. Auch Oliver Mintzlaff, Vorstandschef des Klubs, hatte das vor dem Spiel nochmal betont.

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"Love, Peace and Rasenball": Hier nochmal in der ganzen Pracht. Bild: imago images/Sven Sonntag

Der Leipziger Stadionsprecher Tim Thoelke verurteilte während der Choreo die Anfeindungen gegen Dietmar Hopp, die es am vergangenen Spieltag in vielen Stadien gab: "Wir stehen für gastfreundliche und friedliche Fußballfeste. Der Ball ist bunt."

RB Leipzig führt seine eigene Choreo kurze Zeit später ad absurdum

Doch bereits zehn Minuten nach dem Anpfiff der Partie führte der Klub jene Gastfreundlichkeit ad absurdum: Der Ordnungsdienst von RB Leipzig verwies eine Gruppe Japaner der Red-Bull-Arena – aus Sorge vor dem neuartigen Coronavirus, wie die etwa zehn beteiligten Ordner den Personen aus Japan erklärt haben sollen.

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Tim Thoelke, Stadionsprecher von RB Leipzig. Bild: imago images/Picture Point LE/sven sonntag

Der Klub bestätigte den Vorfall am Montagnachmittag und entschuldigte sich. Der Sicherheitsdienst sei angehalten gewesen, Personengruppen aus potentiellen Risikogebieten gemäß einer Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) verstärkt zu kontrollieren. "Leider ist hier im konkreten Fall im Zuge der großen Verunsicherung, die aktuell auch bei uns um dieses Thema besteht, in der Auslegung gegenüber unseren japanischen Gästen ein Fehler unterlaufen. Für diesen Fehler möchten und müssen wir uns an dieser Stelle entschuldigen", teilte RB mit.

Die Stellungnahme und Entschuldigung von RB ist eine Farce

Diese Stellungnahme gleicht einer Farce. Das RKI hat mit seiner Empfehlung sicher nicht gemeint, dass man Menschen aus Japan als Vorsichtsmaßnahme aus einem Fußballstadion schmeißen soll. Das ist nicht einfach nur irgendein ein Fehler, den sich der Klub da eingesteht. Dieser Fehler ist ganz klarer Rassismus: Was die Leipziger Ordner da auf Ansinnen des Klubs gemacht haben, heißt Racial Profiling. Hier wurden asiatisch aussehende Menschen unter Generalverdacht gestellt, eine Krankheit zu verbreiten. Die Ordner haben also aufgrund der Herkunft und des Aussehens gehandelt, nicht aufgrund irgendwelcher konkreter Krankheitssymptome. Wer seinem Ordnungsdienst anweist, derart zu handeln, hat ein institutionelles Problem mit Rassismus.

Racial Profiling

Racial Profiling (auch "ethnisches Profiling") bezeichnet ein auf Stereotypen und äußerlichen Merkmalen basierendes Agieren von Polizei-, Sicherheits-, Einwanderungs- oder Zollbeamten. Beim Racial Profiling werden Personen anhand von Kriterien wie Aussehen, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder Nationalität als verdächtig eingestuft – und nicht anhand konkreter Verdachtsmomente gegen die Person.

Zumal Japan gar nicht zu den "potentiellen Risikogebieten" des RKI zählt. Dazu gehören bislang nur jeweils eine Provinz in China, eine in Südkorea und im Iran, außerdem die Stadt Teheran, sowie zwei Regionen und eine Stadt in Italien. In Japan gibt es zwar auch relativ viele Covid-19-Fälle, laut RKI bislang 274. Doch, wenn man es mit den Fällen in Deutschland (188 laut RKI) vergleicht, ist es sogar minimal wahrscheinlicher, dass man sich hierzulande ansteckt, als bei einem Menschen aus Japan: Der Inselstaat hat rund 127 Millionen Einwohner, die Zahl der Infizierten beträgt demnach 0,00022 Prozent. In Deutschland sind es 0,00023 Prozent, wenn man 82 Millionen Einwohner zu Grunde legt.

Nennt das Kind doch beim Namen!

Das Problem ist auch: Mit einer weiteren Stellungnahme macht es RB Leipzig eigentlich noch schlimmer, denn sie nennen das Kind darin immer noch nicht beim Namen und tun so, als wäre alles gar nicht so schlimm gewesen.

In einem Update zum Vorfall heißt es auf der Webseite des Bundesligisten mittlerweile von den Verantwortlichen der japanischen Delegation und Teilnehmern der jährlich stattfindenden Intensivkurse zur Sportwissenschaft in Leipzig: "Uns war zu jeder Zeit bewusst, dass es hier um die Verunsicherung aufgrund des Corona-Virus ging und nichts Anderes. Demnach schauen alle nun nach dem konstruktiven Austausch nach vorne."

Als sei es mit so einem Wischiwaschi-Pressestatement getan.

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"Konstruktiver Austausch" mit CMO, CFO, CEO und COO: Die Japaner sagen doch auch, dass es kein Rassismus war! screenshot: dierotenbullen.com

RB Leipzig habe außerdem die betroffene Gruppe bereits persönlich getroffen, eingeladen und sich für die Geschehnisse entschuldigt: "Wir verweisen hier zeitgleich ganz klar auf die Werte unseres Klubs und betonen: Wir stehen für Toleranz, Integration und Offenheit und stellen uns seit unserem Bestehen entschieden gegen Rassismus und jedwede Art von Ausgrenzung." Der Klub sei stolz auf "14 Nationalitäten und diverse Kulturen" innerhalb der Mannschaft.

Warum handelt der Klub denn dann so?

Ja, aber warum lässt der Klub denn dann so handeln, wenn er so sehr für Toleranz, Integration und Offenheit steht, wenn er entschieden gegen Rassismus jedwede Art der Ausgrenzung steht?

Mit Liebe, Frieden und Gastfreundlichkeit hat das alles wenig zu tun. Es ist einfach nur absurd und rassistisch.

Die komplette Stellungnahme von RB Leipzig, inklusive des Updates zur Stellungnahme könnt ihr hier lesen.

Alle Spieler, die von RB Salzburg zu RB Leipzig wechselten:

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hansi Daurippel 03.03.2020 17:01
    Highlight Highlight Von einem "Verein" der sich seine Bundesligazugehörigkeit erschummelt, erlogen und wahrscheinlich auch mit einem schönen Batzen Schmiergeld an den mafiösen DFB ermöglicht hat ist doch nichts anderes zu erwarten.
    Im Übrigen zeigt sich hier auch wieder die Bigotterie von DFB und vielen von der Presse. Ein, zugegebener geschmacklos angegangener, mimosenhafter Multimilliardär wird mit empörter Solidarität überschüttet, aber über rassistische Verhaltensweisen bei RBL wird nur halbherzig berichtet und von DFB und DFL praktisch gar nicht kommentiert. Aus der Tönnies Affäre nix gelernt.
  • Bastian Schlicke 03.03.2020 15:54
    Highlight Highlight Der Stadionsprecher von RBL is wohl das Lächerlichste, was je in einem europäischen Stadion rumgehüpf ist, passt aber zum Club.

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