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Thorgan Hazard (2.v.r.) schoss sich klammheimlich unter die Top 3 der BVB-Scorer in der Bundesliga. Bild: imago images / Horstmüller

Meinung

Der am meisten unterschätzte BVB-Star verdient mehr Anerkennung

Als Borussia Dortmund Ende Mai innerhalb weniger Tage der Konkurrenz gleich drei Bundesliga-Stars abluchste, brannte Jubel auf. Mit den deutschen Nationalspielern Nico Schulz und Julian Brandt sowie dem Belgier Thorgan Hazard machte der BVB im überhitzten Transfermarkt für jeweils kolportierte 25 Millionen Euro richtige Schnäppchen. Später kehrte noch Mats Hummels vom FC Bayern zurück. Der Wechsel von Hazard sorgte mitunter für Skepsis – doch der 26-Jährige mauserte sich zum am meisten unterschätzten Sommertransfer des BVB.

Das Spiel des BVB in Augsburg war ein Sinnbild für die Saison von Thorgan Hazard. Trotz guter Aktionen sprachen viele nur über einen Fehler: In der 34. Spielminute leitete der belgische Nationalspieler mit einem völlig verunglückten Rückpass die 1:0-Führung für den FCA ein. Doch der Offensivspieler hakte den Fauxpas ab und eröffnete als Co-Produzent die Aufholjagd.

Der Belgier legte den Anschlusstreffer von Julian Brandt vor. Anschließend schenkte er mit seinem selbstlosen Zuspiel vor dem leeren Tor dem Neuzugang Erling Haaland auch noch den 4:3-Führungstreffer. Mal wieder zeigte der ehemalige Gladbacher, wie wertvoll er für den BVB ist. Auch wenn das so mancher Beobachter gar nicht sieht – oder sehen will.

Hazard wird bis heute unterschätzt

Als Hazard im Sommer von Borussia Mönchengladbach kam, gab es trotz des 25-Millionen-Schnäppchens auch Skepsis. Dabei hatte sich Hazard in fünf Jahren Mönchengladbach zu einem der besten Offensivspieler der Bundesliga entwickelt – mit jeweils zehn Ligatreffern in den Spielzeiten 2017/18 und 2018/19. Die Bedenken blieben.

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Thorgan Hazard spielt seine erste Saison für den BVB und hat einen Vertrag bis 2024. Bild: imago images / Team 2

Die Frage vieler Fans: Hat Hazard die Qualität, um den BVB zur Meisterschaft oder gar einem internationalem Titel zu schießen? Einige Anhänger zweifelten daran, ob der erfahrene Bundesliga-Profi auch auf absolutem Top-Niveau überzeugen kann. Andere scherzten, dass der BVB den falschen Hazard gekauft habe. Sein zwei Jahre älterer Bruder Eden wechselte ebenfalls im Sommer für 100 Millionen Euro von Chelsea zu Real Madrid – eine Größenordnung, die der BVB nicht stemmen kann.

Hazard ist drittbester Scorer des BVB

Nach dem 18. Spieltag und einem halben Jahr bei Borussia Dortmund lässt sich ein Zwischenfazit ziehen: Einerseits gibt es noch Luft nach oben für Hazard. Der pfeilschnelle Flügelspieler läuft sich noch zu häufig in Dribblings fest und zu viele Schüsse landen über dem gegnerischen Kasten. In der Champions League fehlt ihm noch immer eine Torbeteiligung. Doch andererseits hat sich der 26-Jährige schon ziemlich gut ins BVB-Spiel eingefügt und brauchte am wenigsten Anlaufzeit von allen Neuen.

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Thorgan Hazard tanzt den FCA-Keeper Tomas Koubek aus und schenkt Neuzugang Erling Haaland (hinten) dann einen Treffer. Bild: Jan Huebner/Eduard Martin via www.imago-images.de

Hazard legte in dieser Bundesliga-Saison schon neun Tore vor und schoss selbst vier Treffer. Damit liegt der kleine Tempodribbler in der Scorer-Wertung vor den Bayern-Stars Serge Gnabry oder Philippe Coutinho (jeweils sechs Tore und sechs Assists). Klubintern haben lediglich Jadon Sancho (zehn Tore, elf Assists) und Marco Reus (neun Tore, fünf Vorlagen) mehr Scorerpunkte in der Bundesliga. Der zuletzt aufblühende Julian Brandt brauchte deutlich mehr Anlaufzeit: Trotz einem Spiel mehr auf dem Konto schoss der Neuzugang aus Leverkusen in der Bundesliga lediglich drei Tore und bereitete nur einen Treffer vor.

Hazard ist wichtig für das Team-Gefüge

Hazard dribbelt nicht so filigran wie Jadon Sancho, treibt den Ball nicht so schön vor sich her wie Marco Reus und lupft das Leder auch nicht so verspielt über seine Gegenspieler wie Julian Brandt. Dafür läuft Thorgan Hazard immer wieder an und will einfach nicht aufgeben. Im Dortmunder Spiel ist Hazard nicht der Sex-Appeal, er ist der Fleiß, der Eifer, der Biss.

In der in Augsburg zwischenzeitlich schlapp und resigniert wirkenden Dortmunder Mannschaft ist einer wie Hazard ein wichtiger Baustein. Er besticht durch Kampf und Ehrgeiz. Der Belgier ist zwar kein Lautsprecher, doch er lässt sich so gut wie nie hängen. Er läuft nicht nur schnell, sondern auch viel. Nur Marco Reus und Achraf Hakimi rissen in dieser Bundesliga-Saison beim BVB mehr Kilometer auf dem Platz ab. Diese Bereitschaft bringt Trainer Lucien Favre dazu, immer wieder auf den 26-Jährigen zurückzugreifen. Die Hazard-Hater werden das wohl auch irgendwann sehen.

Fun Fact: Thorgan Hazards 100 Millionen Euro teurer Bruder Eden hat in der aktuellen Spielzeit für die "Königlichen" in 13 Pflichtspielen erst ein Tor und vier Vorlagen beigesteuert. So viel dazu, dass der BVB im vergangenen Sommer den "falschen Hazard" gekauft hat...

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