Laura-Marie Geissler will sich in der Männerdomäne Rennsport durchboxen.
Laura-Marie Geissler will sich in der Männerdomäne Rennsport durchboxen.bild: laura-marie geissler
Motorsport

Rennfahrerin Laura-Marie Geissler will sich mit NFTs finanzieren: "Wurde immer aufs Frausein reduziert"

27.09.2022, 11:4727.09.2022, 16:40

Rennen fahren ist eine teure Leidenschaft. In wohl kaum einer anderen Sportart scheitern so viele junge Talente an finanziellen Hürden wie im Motorsport. Denn nicht nur ein schnelles Fahrzeug kostet viel Geld, auch Rennanzüge, Antrittsgebühren und Reisekosten müssen bezahlt werden. Aus der Haushaltskasse können das nur ganz wenige finanzieren. Viele Talente sind deshalb auf die Unterstützung durch Sponsor:innen angewiesen.

So war es lange auch bei Laura-Marie Geissler. Die 24-Jährige entspricht nicht dem klassischen Bild einer Rennfahrerin. Sie ist kein Mann und ist auch nicht in eine reiche Familie geboren. Trotzdem fährt sie heute für Porsche in der GT4 European Series. Alle ihre Konkurrenten sind Männer – das war fast immer so während ihrer Rennkarriere.

"Ich musste immer gegen viel Testosteron und viel Gegenwind ankämpfen", sagt sie im Gespräch mit watson vor ihrem Auftritt bei den Inspiration Days.

Den Schüler:innen wird sie dort von ihrem ungewöhnlichen Weg berichten und will sie so ermutigen, den eigenen Weg zu gehen. (Mehr Informationen zu den Inspiration Days findest du am Ende des Texts.)

Laura-Marie Geissler fährt seit Jahren fast ausschließlich gegen Männer Rennen.
Laura-Marie Geissler fährt seit Jahren fast ausschließlich gegen Männer Rennen. bild: laura-marie geissler
"Jugendförderung wird im Rennsport immer noch vor allem Jungs zuteil."
Laura-Marie Geissler

Trotz ihres Talents verlief Laura-Maries Weg in die GT-Serie alles andere als geradlinig. Ihre ersten Fahrversuche machte die gebürtige Starnbergerin im Alter von zehn Jahren im Kartsport. Obwohl Erfolge nicht lange auf sich warten ließen, war ihr der Weg in die höheren Klassen auch aufgrund des fehlenden Geldes verbaut. "Jugendförderung wird im Rennsport immer noch vor allem Jungs zuteil", sagt sie.

Über Umwege zum Renncockpit bei Porsche

Nach dem Abitur arbeitete Laura-Marie unter anderem in Werkstätten und als Instruktorfahrerin auf der Nordschleife des Nürburgrings. "Ich wollte dem Motorsport einfach nahe sein", erzählt sie. Denn Rennfahren war für sie immer "ein Ventil". "Ich kann komplett abschalten, wenn ich im Auto sitze. Wenn man einmal den Adrenalinkick gespürt hat, ist das wie eine Sucht. Es gibt nichts Vergleichbares." Die legendäre Rennstrecke in der Eifel war es auch, die für Laura-Marie zur großen Bühne wurde.

Denn hier sind Scouts von Porsche auf sie aufmerksam geworden. "Denen war ein Fahrer ausgefallen", erinnert sich Laura-Marie. "Dann haben sie sich umgeschaut und gesehen: 'Hey, da ist ein blondes Mädchen, die fährt ganz gut.'" Die Scouts sollten recht behalten: Gleich in ihrem Debütrennen am Red-Bull-Ring in Spielberg holte Laura-Marie 2021 den Sieg in der Porsche Sprint Challenge.

"Wie gut ich bin, hat niemanden interessiert. Es ging immer nur darum, dass ich die einzige Frau war, die angetreten ist."

Aufgrund ihres Talents habe sie in der Folge zwar zuverlässig Sponsor:innen gefunden, jedoch auch schnell gemerkt: "Wie gut ich bin, hat niemanden interessiert. Es ging immer nur darum, dass ich die einzige Frau war, die angetreten ist." Darauf sei sie immer reduziert worden, sagt Laura-Marie. "Egal, wie schnell ich war."

Gleich ihr erstes Rennen für Porsche konnte Laura-Marie Geissler gewinnen.
Gleich ihr erstes Rennen für Porsche konnte Laura-Marie Geissler gewinnen.bild: laura-marie geissler

Geldgeber:innen nutzen Machtposition aus

Die Bedingungen, zu denen sie finanzielle Unterstützung erhalten habe, seien immer fordernder geworden. "Sie [die Sponsor:innen] wussten, ich bin ein junges Mädel und ich brauche das Geld, um meinen Sport betreiben zu können", erzählt Laura-Marie. "Das haben sie ausgenutzt. Manche wollten Markenrechte, andere mein Management übernehmen oder mich in Verträge locken, in denen ich mich nicht bewegen konnte."

Doch sich derart einschränken zu lassen, kam für sie nicht infrage. Eine Alternative musste her, doch welche?

"Ich war noch sehr jung und meine Eltern konnten mir das Geld nicht geben", erzählt sie. Irgendwie musste sie also selbst Geld verdienen – und da kam ihr die Idee mit den NFTs.

NFTs: Wasserzeichen für Dateien
NFT steht für "Non-Fungible-Token", was auf Deutsch "nicht-austauschbares Objekt" heißt. Mit der Technik werden digitalen Inhalten einzigartige Kennzeichen verpasst und sie so klaren Besitzer:innen zugeordnet. Dadurch können zum Beispiel digitale Bilder markiert und verkauft werden.

Die NFTs, die Laura-Marie über den Shop auf ihrer Webseite verkauft, sind Bilder von ihrem Rennwagen. Eins kostet aktuell umgerechnet rund 40 Euro. Die Designs sind in Zusammenarbeit mit der Kreativagentur Amsterdam Berlin entstanden, der Vertrieb läuft über die Blockchain-gestützte Plattform Unblocked.

Laura-Marie hofft, dass sie über die Erlöse irgendwann ihre Rennkarriere finanzieren und unabhängig von externen Geldgeber:innen sein kann.

Über den Verkauf von digitalen Bildern ihres Rennwagens will sich Laura-Marie Geissler unabhängig von Sponsorengeldern machen.
Über den Verkauf von digitalen Bildern ihres Rennwagens will sich Laura-Marie Geissler unabhängig von Sponsorengeldern machen.bild: laura-marie geissler

Statement gegen Objektifizierung von Rennfahrerinnen

Im Design ihres Autos hat Laura-Marie die prägenden Erfahrungen verarbeitet, die sie als junge Frau bei ihrem Aufstieg im Motorsport gemacht hat. Die gestrichelten Linien auf dem rosa Wagen erinnern an die Anatomie eines Mastschweins. Doch statt "Lende", "Filet" oder "Haxe", stehen dort Begriffe wie "wider", "lower" oder "bigger", die an Schönheitsoperationen erinnern sollen.

Laura-Marie will so auf die Objektifizierung aufmerksam machen, die sie und andere Rennfahrerinnen erlebt haben.

Noch läuft ihr Geschäft mit den NFTs aber schleppend. Auch wegen der derzeit schwachen Kurse von Kryptowährungen seien Verkäufe aktuell "sehr, sehr schwer", sagt Laura-Marie. Die Finanzierung für die aktuelle Saison hat sie noch nicht wieder reinbekommen.

Trotzdem glaubt sie fest an ihre Geschäftsidee. "Wir wollen [damit] das veraltete Sponsorensystem überwerfen und jungen Fahrerinnen die Chance geben, sich unabhängig zu machen", erklärt sie. Damit in Zukunft mehr Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Wohlstand Motorsport betreiben können, hofft sie.

Laura-Marie Geissler ist Speakerin bei den Inspiration Days
Inspiration statt Karriereplan: Die beiden "teech" Start-up Gründer Joel und Emanuele Monaco denken Karrieremessen neu. Prominente Speaker wie Lena Gercke, Ralf Dümmel oder Sebastian Fitzek sollen Jugendlichen Mut machen, ihren eigenen Weg zu finden, ihre Interessen zu verfolgen und sich auszuprobieren. Auch Scheitern gehört zu einem erfolgreichen Lebensweg dazu! Die Inspiration Days finden online vom 28. bis 30. September statt, anmelden kannst du dich hier. Die Firma Ströer, zu der auch watson gehört, ist Partner der Veranstaltung.
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