Die beiden Gründer Manu (li.) und Joel Monaco (re.) wollen jungen Menschen dabei helfen, ihren beruflichen Weg zu finden.
Die beiden Gründer Manu (li.) und Joel Monaco (re.) wollen jungen Menschen dabei helfen, ihren beruflichen Weg zu finden.bild: privat
Job & Uni

Mut zum Ausprobieren – und Scheitern: Neue Karrieremesse setzt auf Inspiration statt Masterplan

21.09.2022, 11:4921.09.2022, 15:58

Wahrscheinlich hat jede:r Jugendliche schon einmal eine Karrieremesse besucht. Ob er oder sie dabei den Traumjob gefunden hat? Eher nicht.

Joel und Emanuele Monaco sind Brüder und Gründer des Start-ups Teech. Sie wollen Karrieremessen neu denken und jungen Menschen helfen, ihre Berufung zu finden. Dafür haben sie die Inspiration Days ins Leben gerufen, die vom 28. bis 30. September 2022 digital stattfinden. Im Interview mit watson haben die "Bro-Founder" mehr über ihr Konzept erzählt und verraten, warum sie keinen Cent für ihre Speaker zahlen müssen.

watson: Wie unterscheiden sich die Inspiration Days von anderen Karrieremessen?

Joel: Wir haben eine ganz andere Herangehensweise. Leider ist es so, dass meistens in der Schule ein Berufsorientierungslehrer abgestellt und dazu gezwungen wird, mindestens an einer Veranstaltung dieser Art teilzunehmen und die Schüler:innen mitzunehmen. Diese Jobmessen haben meistens den faden Beigeschmack, dass dort mehr die Unternehmen als eigentliche Jobs präsentiert werden. Da sind ganz viele Jugendliche, die noch gar keinen blassen Schimmer haben, was sie irgendwann tun wollen. Und dort hat man dann ein paar HR-Leute, die nur erzählen: Bei uns kannst du das und das verdienen und das und das machen. Und dafür brauchst du dieses Studium und diese Ausbildung.

Das Konzept der Inspiration Days:

"Einen Eindruck vermitteln, was hinter diesen riesigen Mauern von irgendwelchen Konzernen stattfindet."
Joel Monaco

Das findet ihr nicht interessant?

Joel: In unseren Augen ist das alles sehr kurzfristig gedacht und wird nicht von den Personen erzählt, die diesen Job eigentlich ausführen. Das heißt, wenn man sich für Onlinemarketing interessiert, dann ist da nicht ein Onlinemarketer und spricht über seinen Job und wie er da hingekommen ist. Sondern jemand aus dem HR-Team versucht, Leute anzuwerben. Aber wie der Alltag aussieht, ist eigentlich viel interessanter. Uns geht es darum, ganz speziell einen Eindruck zu vermitteln, was hinter diesen riesigen Mauern von irgendwelchen Konzernen stattfindet. Das kann kaum einer oder will auch keiner sagen. Aber die Kinder müssen doch wissen, worauf sie hinarbeiten.

Laut Umfragen geht es den jungen Leuten heutzutage genau darum: einen sinnvollen Job auszuüben statt einer langweiligen Arbeit, die nur gut bezahlt ist.

Joel: Unser Ziel dahinter war, zu sagen: Mach dir doch erst mal Gedanken darüber, was dein Ziel ist. Wofür brennst du? Und danach kannst du überlegen: Was führt mich dahin? Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben. Wir arbeiten nur zu einem ganz kleinen Teil mit Unternehmen zusammen. Größtenteils sind es bei den Inspiration Days Leute, die frei über ihren eigenen Job, ihren Alltag und ihren ganz persönlichen Weg sprechen und die ihren Beruf in der Regel auch gerne machen. Wir haben uns Leute herausgesucht, die passioniert über ihren Beruf sprechen können, schon einen gewissen Status haben und eine Vorbildfunktion für die Kids einnehmen können.

Emanuele: Du solltest nicht, überfordert von diesem riesengroßen Angebot, denken, dass du dich als 18-Jähriger mit deiner Berufsentscheidung für dein ganzes Leben abfindest. Lass dich inspirieren und schau, wie viele Türen dir eigentlich offenstehen in diesem Land. Und dann schau optimistisch in die Zukunft und freu dich auf die Zeit nach der Schule. Das ist die Vision, die wir mit unserem Event verfolgen.

Wie schafft ihr es denn, Promis wie Lena Gercke, Sebastian Fitzek oder Ralf Dümmel zu gewinnen? Habt ihr so viel Charme oder seid ihr so gut vernetzt?

Joel: Wir können die Leute sehr gut von der Mission überzeugen. Das Interessante ist, und das können wir auch ganz offen sagen: Wir werden keinen einzigen Cent für unsere Speaker ausgeben. Andere große Messen geben sechs- bis siebenstellige Beträge für so ein Line-up aus. Wir sagen den Leuten: "Sei der Mentor, den du dir damals selbst gewünscht hättest." Das macht direkt Klick, weil die Wenigsten einen super einfachen Weg und immer tolle Mentoren hatten. Bei uns sprechen Leute, die sich hoch geboxt haben. Und da ist auch der digitale Faktor: Die Speaker haben keine lange Anreise. Sie klappen ihren Laptop auf und haben ein 30-minütiges Interview über ihr Leben in einem geschützten Raum.

"Wir schlagen die Brücke zwischen Leuten, die Erfahrung mitbringen und denjenigen, die die Erfahrungen gerne aufsaugen möchten."
Emanuele Monaco

Emanuele: Wissen und Bildung bedeuten viel mehr, nämlich Erfahrungsaustausch. Wir wollen Kinder und Jugendliche fördern und ihren Horizont erweitern, damit sie ihren eigenen Weg finden. Jeder kann an den Inspiration Days teilnehmen, egal, woher man kommt. Wir schlagen die Brücke zwischen Leuten, die Erfahrung mitbringen und denjenigen, die die Erfahrungen gerne aufsaugen möchten. Wir nutzen die Technologie und machen alles digital, weil wir somit die Grenzen viel einfacher überwinden können. Denn ein Joko Winterscheidt wird leider nicht von einem Tag auf den anderen durch die Tür reinplatzen – aber wir haben ihn letztes Jahr ins virtuelle Klassenzimmer geholt.

Statt also zu versuchen, gleich einen Job zu finden, ist es eure Mission, Mut zum Ausprobieren und zur Selbstverwirklichung zu haben?

Joel: Genau. Wir haben zum Beispiel Sternekoch Tim Raue mit dabei. Den hört man sich nicht nur an, weil man denkt: Cool, das ist ein Promi. Sondern, weil er einen extrem bewegten, spannenden Weg hat und jedem Mut machen kann, der seine Ziele und Träume verfolgen will. Da ist es egal, ob man Astronaut, Musiker, Physiker oder Geologe werden will. Das heißt: Probiert es aus, habt einfach mal den Mut, es zu versuchen. Auch, wenn man zwischendrin scheitert.

Emanuele: Man sollte in der Berufsorientierung auch mal die Breite und Vielzahl der Möglichkeiten darstellen. Meiner Erfahrung nach dreht es sich bei Jobmessen oft um kaufmännische Ausbildungen oder Studiengänge. All das kann man sich im Internet zusammensuchen. Aber kein Mensch kommuniziert, dass auch Umwege am Ende des Tages dahin führen können, wo man sich gern beruflich sehen würde.

Joel: Wir drehen den Spieß um, weil wir super gute Mentoren dabei haben. Es sind alles Menschen, die keinen geradlinigen Weg hatten. Die nicht mit 18 wussten, wohin sie wollen. Sie haben Dinge ausprobiert und irgendwann etwas gefunden, was ihnen wirklich liegt und sind damit glücklich geworden.

"Wir wollen kein elitäres Produkt sein."
Joel Monaco

Beeindruckend ist auch, dass ihr so ein riesiges Event gratis anbieten könnt: Wie finanziert ihr euch?

Joel: Wir verdienen unser Geld mit dem Mentoring-Programm über unser Start-up Teech. Zwar haben die Schulen kaum Budget, Eltern jedoch haben mittlerweile erkannt, dass sie ihre Kinder auch außerhalb der Schule fördern müssen. Das Gute ist, dass wir den Schulen unsere Inhalte durch die Mentorings kostenlos anbieten können, und auch nicht alle Eltern können sich ein Mentoring leisten. In diesen Fällen können wir Stipendien anbieten, die durch Unternehmen finanziert werden, denen wir eine Bühne auf den Inspiration Days bieten. Wir haben uns bewusst für ein gratis Event entschieden, denn wir wollen, dass niemand durch das Raster fällt. Teech soll kein elitäres Produkt sein, denn Wissen und Bildung müssen jedem zugänglich sein.

Inspiration statt Karriereplan: Die beiden Teech Start-up Gründer Joel und Emanuele Monaco denken Karrieremessen neu. Prominente Speaker wie Lena Gercke, Ralf Dümmel oder Sebastian Fitzek sollen Jugendlichen Mut machen, ihren eigenen Weg zu finden, ihre Interessen zu verfolgen und sich auszuprobieren. Auch Scheitern gehört zu einem erfolgreichen Lebensweg dazu! Die Inspiration Days finden online vom 28. Bis 30. September statt, anmelden kannst du dich hier. Die Firma Ströer, zu der auch watson gehört, ist Partner der Veranstaltung.

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