Sport

Unvergessen

Der Tag, an dem Lucien Favre erklärte, dass Raffael gekidnappt wurde

Alex Dutler

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Heute: der 25. April 2006, an dem einer der größten Schweizer Fußball-Krimis mit einem Happy End endet.

Bild

Hatte für einige Tage wenig zu lachen: Gladbachs Raffael. Bild: ulmer/imago

"Raffael ist gekidnappt worden", sagt Lucien Favre mit eindringlicher Stimme. Hat er das jetzt wirklich gesagt? Die Journalisten im Presseraum des Espenmoos – dem ehemaligen Stadion des FC St. Gallen – trauen ihren Ohren nicht, als Favre, Trainer des FC Zürich, nach der Analyse des 3:2-Siegs gegen St.Gallen das erstaunliche Statement abgibt. 

Weitere Auskünfte könne er zu diesem Zeitpunkt nicht erteilen, erklärt Favre – und löst damit einen veritablen Spekulations-Tsunami aus. Die verbreitetste Theorie: Brasilianische Gangster treiben in der Schweiz ihr Unwesen. Bedrohen sie sogar das Leben des 21-jährigen Offensivstars?

Bild

Favre als Trainer des FCZ Bild: Ulmer/imago

Zwei dubiose Gestalten auf der Geschäftsstelle

Einer der größten Schweizer Fußball-Krimis der vergangenen Jahre beginnt schon zwei Tage vor dem Spiel im Büro von FCZ-Sportchef Fredy Bickel: Dort tauchen zwei Brasilianer auf und verlangen ein Gespräch. Einer von ihnen ist André Cury Marduy, Inhaber einer Fußballagentur mit einer offiziellen Spielervermittler-Lizenz. Der andere nennt sich Toni und gibt sich als Bekannter von Raffael aus.

Die Besucher sind nicht zum Spaß gekommen. Sie wollen Geld. Viel Geld. "Raffael gehört uns", behaupten sie – und verlangen eine Verfünffachung des Lohns und eine halbe Million bar auf die Hand. Andernfalls würden sie Raffael mitnehmen und ihn nicht mehr für den FCZ auflaufen lassen.

Bild

Raffael im Trikot des FCZ (links) im Duell mit Basels Ivan Rakitic. Bild: Geisser/imago

Die Züricher, die für Raffael im vergangenen Sommer über 300.000 Euro an den FC Chiasso überwiesen und damit rechtmäßig die Transferrechte an ihrem damaligen Topscorer (12 Tore, 14 Assists) erworben haben, lassen sich nicht unter Druck setzen. Die ungebetenen Gäste werden hinaus gebeten.

Wie vom Erdboden verschluckt

Tags darauf erscheint Raffael in Begleitung von Marduy und Toni zum Abschlusstraining. Nach der Einheit verfrachten ihn die Männer in ein Auto und brausen mit ihm davon. Ab da bleibt der junge Brasilianer verschwunden.

Als sich die Mannschaft am Sonntagmorgen um 10.15 Uhr zur Abfahrt nach St.Gallen trifft, fehlt er unentschuldigt. Sein Handy ist abgeschaltet und seine Wohnung verlassen. Darum schlägt der sonst so besonnene Favre auf der Pressekonferenz Alarm. Sportchef Bickel wendet sich an die Polizei. Er meldet Raffael als vermisst und erstattet Anzeige wegen versuchter Erpressung und Freiheitsberaubung.

Die Entwarnung und eine durchzechte Nacht

Raffaels Teamkollegen war bereits aufgefallen, dass er in den Tagen zuvor einen völlig verstörten Eindruck machte. Offenbar hatten ihn die beiden Hintermänner massiv eingeschüchtert, ihm weisgemacht, er sei illegal in der Schweiz und dem 1,74 Meter kleinen Brasilianer anschließend mit finanziellen Versprechen den Kopf verdreht.

Am Sonntagabend gegen 22 Uhr folgt die erste Entwarnung. Raffael meldet sich freiwillig auf der Hauptwache der Züricher Polizei. Wenigstens eine Entführung kann jetzt ausgeschlossen werden. Die Probleme für den FCZ sind damit aber noch nicht zu Ende.

Im Auftrag der Klubleitung nimmt Mittelfeldspieler César Kontakt mit seinem Landsmann auf und schlägt sich mit ihm bei einer ausgedehnten Kneipentour die Nacht um die Ohren. Sein Auftrag: Raffael dazu bewegen, am nächsten Tag wieder im Training zu erscheinen. Der Plan funktioniert nicht. Raffael schwänzt auch am Montagmorgen und César fehlt ebenfalls. Offiziell wegen einer Grippe, in Wahrheit wohl aber schlicht verkatert.

Bild

Nach der durchzechten Nacht mit Raffael liegt auch César (rechts) flach – wie hier gegen den Ex-Gladbacher David Degen. Bild: Ulmer/imago

Ein Restaurantbesuch als Strafe

Am Dienstag folgt endlich das Happy End. Raffaels falsche Freunde haben aufgegeben und sind abgereist. Der Spieler schleicht reumütig zurück ins Training. Er entschuldigt sich bei Favre und der Mannschaft und wird mit offenen Armen empfangen.

Als Strafe für seine ausgedehnte Eskapade muss der Brasilianer nur ein Essen für das ganze Team bezahlen. Schon am nächsten Tag steht er gegen Xamax wieder in der Startaufstellung.

Die Nachsichtigkeit des FCZ lohnt sich: Bis zum Saisonende schraubt Raffael sein Torkonto auf 14 Treffer. Nach zwei weiteren erfolgreichen Saisons beim FCZ holt ihn Favre für 4,3 Millionen Euro in die Bundesliga zu Hertha BSC und später zu Borussia Mönchengladbach, wo er immer noch kickt.

Noch mehr Fußball auf watson:

7 Dinge, die du zu Ronaldos Transfer von Real zu Juventus wissen musst

Link zum Artikel

"For the nation, by the nation" – so gibt man ganz ohne Hologramm sein Team bekannt

Link zum Artikel

Alisson Becker: Das ist Loris Karius' brasilianisch-deutscher Albtraum

Link zum Artikel

Die Legende tritt heute ab – Buffon schreibt unglaublich emotionalen Abschiedsbrief

Link zum Artikel

++ BVB verlängert mit Shooting-Star Sancho ++

Link zum Artikel

Magdeburger Horror und Eintracht-Joints – Wir zeigen die 10 besten Pokal-Choreos

Link zum Artikel

Marktwert gesunken: Diese 2 Bundesliga-Spieler sind die größten WM-Verlierer

Link zum Artikel

Das ist mein sechster Abstieg mit dem 1. FC Köln. Dabei fing alles ganz harmlos an...

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Gottschalk über Helene Fischer und Florian Silbereisen: "Hatte immer schlechtes Gefühl"

Link zum Artikel

Brief ans Jobcenter: Bitte hört auf, meine über 60-jährige Mutter in Jobs zu drängen

Link zum Artikel

Bei Pressekonferenz nach BVB-Sieg: Favre merkt nicht, dass Mikro schon an ist

Link zum Artikel

Luke Mockridge macht Andrea Kiewel in seiner Show ein Angebot – die blockt ab

Link zum Artikel

Kontakt mit 2 Bundesliga-Stars – warum der FCB trotzdem keinen Lewandowski-Backup holte

Link zum Artikel

Luke Mockridge traf Kiwi noch kurz vor Auftritt: Wie er beim "Fernsehgarten" alle täuschte

Link zum Artikel

Krankenschwester warnt bei Maischberger: "Wir laufen auf eine riesige Katastrophe zu"

Link zum Artikel

Luke Mockridge über die Folgen seines ZDF-Auftritts: "Meine Eltern erhielten Hassbriefe"

Link zum Artikel

Hartz-IV-Show "Zahltag": Wie die Sendung falsche Hoffnungen schürt

Link zum Artikel

"Null Toleranz gegen Rassismus" – und 5 weitere Punkte aus Merkels Bundestags-Rede

Link zum Artikel

Alleinerziehend mit Hartz IV: Achtjährige sammelt Flaschen, um Taschengeld zu bekommen

Link zum Artikel

"Zahltag": Buschkowsky erklärt, warum ein Geldkoffer Hartz-IV-Empfängern nicht hilft

Link zum Artikel

Helene Fischer: Erstes reguläres Konzert für 2020 angekündigt

Link zum Artikel

2 Handelfmeter? Darum gab es für die DFB-Elf gegen Nordirland keinen Videobeweis

Link zum Artikel

In Berlin gab es eine Notlandung mit mehreren Verletzten

Link zum Artikel

Helene Fischer und Thomas Seitel: Polizei spricht von Einsatz auf ihrem Anwesen

Link zum Artikel

7 Zitate, die zeigen, wie "bürgerlich" Alexander Gauland wirklich ist

Link zum Artikel

Helene Fischer verrät, für welche Gage sie am Anfang spielen musste

Link zum Artikel

Bachelorette Gerda verrät, was in ihrer ersten Nacht mit Keno wirklich passierte

Link zum Artikel

Als Gauland sich im ZDF verteidigen will, reicht es Lanz: "Albern, das ist albern"

Link zum Artikel

Helene Fischer erklärt, was vor Auszeit geschah: "So etwas noch nie erlebt"

Link zum Artikel

Kandidat zwingt RTL, "Bachelorette"-Finale zu ändern: "Wir waren selbst überrascht"

Link zum Artikel

"Hätten es besser machen können" – Salihamidzic gibt Fehler in Transferperiode zu

Link zum Artikel

"Höhle der Löwen": Gründer sorgte für Eklat in QVC-Sendung

Link zum Artikel

Neue Foto von Lena Meyer-Landrut sorgt für hämischen Helene-Fischer-Kommentar

Link zum Artikel

"Wer wird Millionär": Oliver Pocher lästert fies über Jauchs Millionen-Gewinner

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Weniger Zeitspiel bis neue Handregel: Das sind die neuen Fußball-Regeln

Die Bundesliga geht wieder los. Das heißt: Es wird wieder Zeitspiel geben und die Schiedsrichter müssen sich die wohl größte Hass-Frage im Fußball stellen: Hand oder keine Hand? All diesen Problemen sind die Regelhüter des Weltfußballs auf den Grund gegangen – und haben sich neue Regeln für den Fußball ausgedacht.

Die neuen Fußball-Regeln gelten übrigens schon seit dem dem 1. Juni.

Während einige der neuen Richtlinien den Fußball vereinfachen, wurden andere Regel-Probleme noch immer nicht ganz …

Artikel lesen
Link zum Artikel