In der Red-Bull-Arena saßen 23.100 Zuschauer - ohne Maske.
In der Red-Bull-Arena saßen 23.100 Zuschauer - ohne Maske.
Bild: www.imago-images.de / Roger Petzsche
watson-Story

Der erste Besuch seit eineinhalb Jahren – so war es im Bundesligastadion

24.08.2021, 15:59

Seit Beginn der aktuellen Bundesliga-Saison sind Zuschauer bei den Spielen wieder erlaubt – zumindest teilweise dürfen bis zu 25.000 Fans ihre Lieblingsmannschaft unterstützen. Watson-Redakteur Johannes Janik wohnt in Berlin, unterstützt aber den VfB Stuttgart.

Seitdem die Corona-Pandemie die Welt in Atem hält, war er nicht mehr im Stadion. Am vergangenen Freitag spielte sein Lieblingsverein in Leipzig. Er war dabei und erzählt hier von seiner ersten Stadion-Erfahrung seit eineinhalb Jahren.

"Die Vorfreude endlich wieder ins Stadion zu gehen war groß. Am Abend sollte RB Leipzig gegen den VfB Stuttgart im Leipziger Stadion spielen. Als in Berlin lebender VfB-Fan eine der wenigen Gelegenheiten seine Lieblingsmannschaft zu sehen, ohne davor eine halbe Deutschlandreise zu unternehmen. Es war erstaunlich leicht, an Tickets zu kommen. Da Gästefans laut DFL-Hygienekonzept nicht erlaubt sind, blieb der Gästeblock geschlossen. Die einzige Möglichkeit an Karten zu kommen, war also über die Website der Leipziger. 31.000 RB-Dauerkartenbesitzer hatten allerdings ein Vorkaufsrecht.

Bei 23.500 Zuschauern, die in die 42.000 Zuschauer fassende Arena durften, also kaum möglich. Dachte ich zumindest. Zum Glück war der Andrang auf die Tickets nicht groß. Generell war kaum ein Stadion an den ersten beiden Bundesligaspieltagen ausverkauft. Es scheint als wäre die Angst sich mit Covid-19 anzustecken doch größer. Später erfuhr ich, dass am ersten Spieltag Tickets von Bochum-Fans, die nach Wolfsburg fahren wollten, gesperrt wurden, weil sie Bochum als Wohnort angaben. Zum Glück wohne ich in Berlin.

Zu diesem Zeitpunkt war die Arena noch spärlich gefüllt.
Zu diesem Zeitpunkt war die Arena noch spärlich gefüllt.
Bild: www.imago-images.de / Roger Petzsche

Allerdings erfuhr ich auf der Hinfahrt: Sachsen sei das Bundesland mit der niedrigsten Impfquote. Ich beruhigte mich, indem ich mir einredete, dass mein doppelter Impfschutz und das intakte Immunsystem dem Virus schon seine Grenzen aufzeigen würde. In das Hygienekonzept der Deutschen Fussballiga (DFL) hatte ich nämlich schon vor dem Spiel kein Vertrauen. Zu oft fiel mir während der Pandemie auf, wie sich das theoretisch gute Konzept von der praktischen Umsetzung unterscheidet.

Hygienekonzept im Stadion? Welches Hygienekonzept?

Und der Weg zum Stadion sollte mir recht geben. Einige betrunkene Leipzig-Fans tummelten sich Arm in Arm in den umliegenden Bars und Restaurants. Der Ausschank von alkoholischen Getränken ist im Stadion aktuell verboten. So muss der Pegel eben vor dem Einlass aufgebaut werden. In langen Schlangen vor Imbissbuden wurde weder Maske getragen, noch der immer noch geltende Mindestabstand, eingehalten.

Vor dem Stadioneingang, ergab sich dasselbe Bild: Bier trinkende Fans reihten sich aneinander und Ordner, die sich um die Einhaltung der Maßnahmen kümmern waren nicht in Sicht. Kurz vor Beginn der 30 Meter langen Schlange wies mich eine Ordnerin darauf hin, meinen Impfnachweis bereitzuhalten. Ob sie das den schätzungsweise 2000 Leuten, die nun alle gleichzeitig so nah beieinander standen, dass man den Biergeruch aus dem Atem wahrnehmen konnte, auch gesagt hat? In diesem Paradies für Aerosole, galt immer noch keine Maskenpflicht.

Ich setzte meine trotzdem jetzt schon auf und wartete nicht noch bis ich 10 Meter weiter vorne auf dem Stadiongelände war. Mein Impfnachweis und Ticket wurden gescannt, dann durfte ich eintreten. Eine weniger als halbherzige Sicherheitskontrolle später, galt die Maskenpflicht. Hinter mir immer noch lange Schlangen, mit einer sehr spärlichen Zahl von Maskenträgern. Alle Appelle, die in den vergangenen Monaten gemacht wurden, waren vergessen oder nie angekommen. Karl Lauterbach hätte womöglich noch vor Ort und Stelle einen Tweet abgelassen, der vielleicht auf Twitter gut ankommt, bei eingefleischten Fußball-Fans aber eher kein Gehör findet.

Maskenpflicht auf dem Stadiongelände

Auf dem Stadiongelände trugen die meisten Menschen Maske. Manche trugen sie unter der Nase, manche gar nicht, viele aber so, wie man sie tragen sollte. Das erstaunte mich ein Stück weit, nach den Erlebnissen davor. Aus Eigenverantwortung trugen die wenigsten Maske, sonst hätten sie es auch schon vor dem Stadiongelände getan. Maske wurde eher getragen, um nicht wieder rauszufliegen. Aber wer hätte eigentlich einen der Nichtträger rausschmeißen sollen? Wieder einmal war kaum jemand da, um das zu kontrollieren, was vorgeschrieben war. Das Hygienekonzept der DFL und der Vereine, kann noch so hoch gelobt werden, doch was bringt es, wenn am Ende niemand weiß, ob es überhaupt eingehalten wurde.

Der erste Schritt ins Stadion sorgte trotzdem fast schon für Gänsehaut. Ohne es zu wissen schien ich diese Atmosphäre doch vermisst zu haben. Am Platz angekommen, durfte man die Maske abnehmen. Ein kurzer Blick in den Block verriet mir, dass ich nicht der einzige VfB-Fan war. Klar, dort wo ich und viele Gleichgesinnte saßen, waren die Karten am billigsten – da muss der Schwabe zugreifen.

Fans standen eng beieinander und sangen die Vereinshymne.
Fans standen eng beieinander und sangen die Vereinshymne.
Bild: www.imago-images.de / Roger Petzsche

Der Himmel auf Erden für Aerosole

Auch wenn mir, als Fan eines traditionsreichen Vereins, die komisch anmutenden Fangesängen der Rasenballsport-Fans nur ein süffisantes Lächeln ins Gesicht malten, muss ich zugeben, dass die Stimmung erstaunlich gut war. Über 20.000 Leute stimmten gleichzeitig die Vereinshymne an. Wenn ich vorhin vom Paradies für Aerosole geredet habe, musste das der Himmel auf Erden für sie sein. Während des Spiels trugen in meiner Sichtweite nur meine beiden Nebensitzer Maske – das mussten sie nicht, sie taten das auf freiwilliger Basis. Alle vier Sitzplätze musste ein Platz frei bleiben.

Jeder im Stadion musste entweder geimpft, genesen oder getestet sein. In der Halbzeitpause kam mir aber der Gedanke an die zahlreichen gefälschten Impfpässe oder falsch durchgeführten Tests und mir wurde etwas mulmig. Mir wurde bewusst, dass ich seit Beginn der Pandemie nie so viele Menschen um mich herum hatte und das Risiko, dass jemand um mich herum infiziert ist, noch nie so hoch war wie in diesem Moment. Die Gedanken wurden schnell mit dem nächsten Gegentor – am Ende sollten es vier für den VfB werden – abgebügelt und wandelten sich in Enttäuschung über das Spiel meines Lieblingsvereins um.

Nach Spielende (0:4) setzte ich sofort meine Maske auf und ging. Die Ernüchterung bei mir war groß. In den großen Menschenmassen, die nun dicht an dicht gleichzeitig aus dem Stadion schlendern überwog die Freude über den Leipzig-Sieg. Des Ergebnisses wegen denke ich lieber über ein Bewertung des Hygienekonzepts als über eine des Spiels nach. Sie fällt definitiv nicht gut aus.

Trotz einiger Anstrengungen des Vereins, wie zum Beispiel der zeitversetzte Einlass je nach Sitzreihe, gibt es niemanden, der sich darum kümmert, dass diese Regeln eingehalten werden. Was vor dem Stadiongelände passiert, scheint sowieso egal zu sein. Als ich über eine der zahlreichen Bierflaschen auf der Wiese vor dem Stadion stolperte, fragte ich mich ob es sich gelohnt hat hierher zu kommen. Nur eines weiß ich in diesem Moment: Ich sollte mich in den kommenden Tagen lieber mal testen lassen."

(jvj)

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