Auch dank Moderator Matthias Opdenhövel verbreitet

Auch dank Moderator Matthias Opdenhövel verbreitet "The Masked Singer" gute Laune. Bild: ProSieben/Willi Weber

Analyse

Spaß ohne Trash: Warum "The Masked Singer" eine Wohltat im Fernsehen ist

Vergangene Woche startete "The Masked Singer" bei ProSieben in seine vierte Staffel und brach dabei einen Rekord: 3,55 Millionen Fans schalteten nach Angaben von "Dwdl" ein – das waren mehr Zuschauer als bei jedem Staffelauftakt der Sendung zuvor. Zum Vergleich: 2019 sahen "nur" 2,19 Millionen Menschen zu, was an sich allerdings auch schon ein starker Wert war. Jetzt boomt die Show wie nie zuvor und dafür lassen sich durchaus mehrere Erklärungen finden.

Bei "The Masked Singer" wird nicht gestritten oder intrigiert, vielmehr stehen putzige Performances verkleideter Prominenter im Vordergrund. Dabei darf natürlich fleißig getippt und geraten werden. Vielleicht brauchen wir gerade in Zeiten einer Pandemie ein solches Wohlfühlformat, das einfach nur Harmonie ausstrahlt.

"The Masked Singer" bringt Fans zusammen

Über die ProSieben-App oder sogar auch extra Facebook-Gruppen spekulieren die Fans, wer sich unter welcher Maske verbergen könnte. Die Show hat das Potenzial, ihr Publikum weit über die eigentliche Ausstrahlung einer Ausgabe hinaus zu beschäftigen und dieses verwirklicht sich eben auch.

Die Zuschauer rotten sich virtuell zusammen, um mit vereinten Kräften Detektivarbeit zu leisten, da auf das Rateteam hinterm Pult nicht immer Verlass ist. In dieser Form bewirkt das im Moment keine andere Show im deutschen Fernsehen. Steckt im Faultier Stefan Raab? Oder im Quokka Thomas Gottschalk? Auch richtig große Namen machen immer wieder die Runde und sorgen wochenlang für Aufruhr.

Zwar wird "The Masked Singer" mitunter vorgeworfen, am Ende zu oft nur B- oder C-Promis zu enthüllen und so die Erwartungen zu enttäuschen, jedoch holt die Sendung in der Hinsicht mittlerweile auf. Namen wie Wigald Boning, Veronica Ferres oder Didi Hallervorden schindeten durchaus Eindruck. Und je populärer das Format wird, desto mehr Stars zeigen womöglich Interesse, selber mitzumachen. Nach dieser Rechnung kann eigentlich jeder nur gewinnen.

"The Masked Singer" ist Spaß ohne Trash

Die Prämisse der Sendung ist natürlich denkbar simpel und der Stein der Weisen wird hier sicherlich nicht präsentiert. Mit gängigen Trash-Shows, wie sie im TV zuhauf vorzufinden sind, hat "The Masked Singer" aber trotzdem wenig am Hut. Zwar machen die teils richtig schweren Kostüme den Kandidaten schon zu schaffen, aber abseits dessen geht es gerade nicht darum, ihnen beim Leiden zuzusehen.

Der Ansatz ist vielmehr ein sehr positiver: Die Stars, die mit Singen normalerweise nichts zu tun haben, dürfen sich ausprobieren und von einer ungewohnten Seite zeigen. Für die professionellen Sänger und Sängerinnen hingegen besteht die Herausforderung darin, nicht sofort an der Gesangstimme erkannt zu werden. Dazu wechseln sie häufig in ein ihnen weniger vertrautes Musik-Genre. Konstruktives Experimentieren wird bei "The Masked Singer" also großgeschrieben.

Neid, Missgunst oder übertriebenes Wettbewerbsdenken scheint es unter den Teilnehmern überwiegend gar nicht zu geben. Die meisten schätzen offenbar vor allem die außergewöhnliche Erfahrung, die sie auf der Bühne machen durften. So bekundete beispielsweise Katrin Müller-Hohenstein (sie verbarg sich im Kostüm des Schweins) gegenüber watson nach ihrer Enttarnung beim Staffelauftakt: "Ich habe mein Ziel erreicht. Mein Ziel war es, in dieser Sendung zu sein und das habe ich geschafft. Das hat mich sehr glücklich gemacht."

Einzig Rateteam-Mitglied Rea Garvey teilt in "The Masked Singer" hin und wieder aus, aber dann ist sofort klar, dass seine Kommentare mit einem Augenzwinkern zu nehmen sind. Vicky Leandros, die 2020 als Katze auftrat, war ihm keineswegs böse, als er unmittelbar vor ihrer Enthüllung gegen die Kandidatin unter der Katzen-Maske stänkerte. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, hat regelmäßig auch Sinn für Humor.

Die Kostüme begeistern

Abgerundet wird das Wohlfühl-Erlebnis schließlich von den Kostümen selbst. Diese nehmen hunderte Stunden Zeit in Anspruch und sind stets mit zahlreichen Details beziehungsweise Accessoires versehen – seien es (wie beim Küken) Strass-Steine oder (wie beim Quokka) eine protzige Kette, die wunderbar zu dem Gesamtbild des knuffigen Charakters passt. Alles ist perfekt durchdacht und nicht selten auch subtil auf die Promis abgestimmt.

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Die "The Masked Singer"-Jury zum Auftakt der vierten Staffel: Carolin Kebekus, Ruth Moschner und Rea Garvey. Bild: ProSieben/Willi Weber

Wenn "The Masked Singer" läuft, wartet das Show-Highlight der Woche nicht am Samstag, sondern schon am Dienstag. Dann entlädt sich das Rätselraten der letzten sieben Tage, wenn Theorien komplett über den Haufen geworfen werden müssen oder sich vielleicht sogar bestätigen. Für diesen Spaß in allgemein schwierigen Zeiten nimmt man gerne in Kauf, am nächsten Morgen übermüdet die Arbeit anzutreten.

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