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Sarah und Dominic Harrison lebten bis vor Kurzem in Dubai – dorthin wollen sie bald auch wieder zurück. Bild: Screenshot / Instagram / sarah.harrison.official

Influencer äußern sich zu Fan-Verdacht: Darum reisten sie aus Dubai aus

Monatelang war ein besonderer Trend bei deutschen Social-Media-Promis zu erkennen: Netz-Stars wie Sami Slimani oder Paola Maria brachen hierzulande scheinbar alle Zelte ab und machten sich auf den Weg nach Dubai. Eine Stadt, die als Steueroase bekannt ist.

Doch seit Kurzem mehren sich Neuigkeiten, dass die Influencer nach Deutschland zurückkehren. Nicht nur die zweifache Mutter Paola und der Mode- und Lifestyle-Blogger Sami reisten plötzlich nach Deutschland zurück, viele weitere Youtuber tun es ihnen gleich. Darunter sind beispielsweise auch Sarah und Dominic Harrison mit ihren beiden Töchtern.

Schnell wurde auf Twitter das Gerücht laut, dass es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen den Deutschland-Reisen und einer Anschaffung einer Steuerdaten-CD geben könnte. Passend zur Umzugszeit der Influencer wurde nämlich bekannt, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz eine CD eines anonymen Informanten mit Daten über Vermögenswerte von Menschen in Dubai gekauft hat, darunter auch die von Tausenden Deutschen.

Olaf Scholz kauft brisante Daten-CD aus Dubai

Zuerst berichtete der "Spiegel" im Juni über Scholz' Kauf der Steuerdaten-CD aus Dubai durch das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Mithilfe der Daten, die zwei Millionen Euro gekostet haben sollen, könnte nun Steuerbetrug von Deutschen im Emirat im großen Stil aufgedeckt werden. Im Juni wurde mit der Auswertung der Daten begonnen. Der SPD-Politiker sagte dazu auf einer Pressekonferenz:

"Es geht darum, mögliche Steuerstraftaten aufzudecken. Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Da gibt es kein Pardon."

08.07.2021, Berlin: Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat und Bundesminister der Finanzen, spricht in einem Interview in der SPD-Parteizentrale mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur. (zu dpa

Olaf Scholz leitet die Auswertung von Daten über Vermögenswerte von Deutschen in Dubai ein. Bild: dpa / Kay Nietfeld

Anwalt Christian Solmecke schätzt ein, Steuersünder zu befürchten haben

Von den brisanten Daten betroffen sind laut "Spiegel" viele Deutsche, die unter anderem über Grundstücke und Immobilien in Dubai verfügen. Durch die CD gebe es nun Erkenntnisse über diese Vermögenswerte, die in Dubai versteckt worden seien, um sie nicht in Deutschland versteuern zu müssen.

Watson hat beim Medienrechtsanwalt Christian Solmecke nachgehakt, was es für rechtliche Konsequenzen geben könnte, sollten persönliche Dateien auf der Steuerdaten-CD enthalten sein. Solmecke ordnet zunächst ein: "Die CD, die Vermögenswerte von Millionen Menschen enthält, dient dem Ziel mögliche Steuerhinterziehungen zu belegen. Denn Grundsätzlich gibt es in Dubai weder eine Gewerbe- noch eine Einkommenssteuer. Aus diesem Grund nutzen nicht nur die Influencer, sondern auch viele andere deutsche Unternehmer die Steueroase Dubai."

Rechtsanwalt Christian Solmecke äußert sich zur Strafbarkeit von Michael Wendlers KZ-Aussage.

Medienrechtsanwalt Christian Solmecke erklärt, was Steuersündern rechtlich droht. Bild: Christian Solmecke

Ob und in welchem Maß deutsche Influencer sich Sorgen machen müssen vor der von Scholz gekauften CD, hängt davon ab, ob tatsächlich alle Zelte in Deutschland abgebrochen wurden: "Denn auch, wenn die Influencer aktuell in Dubai leben, unterliegen sie dennoch dem deutschen Steuerrecht. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sie einen Wohnsitz (und dafür reicht eine Wohnmöglichkeit aus, nicht die Meldung des Wohnsitzes) in Deutschland haben oder sich gewöhnlich in Deutschland aufhalten."

Existieren neben einem Wohnsitz auch keine finanziellen Bezüge durch beispielsweise Immobilien in Deutschland mehr, ist man von der Steuerpflicht in Deutschland befreit. Der Rechtsanwalt macht jedoch noch einmal gegenüber watson deutlich:

"Da die meisten Influencer sich nur kurzzeitig in Dubai aufgehalten haben und somit weiterhin einen Wohnsitz oder zumindest eine Wohnmöglichkeit beziehungsweise den gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland haben, können sie wegen Steuerhinterziehung belangt werden."

Wie hart Steuersünder belangt werden, hängt vom Ausmaß der Steuerhinterziehung ab. Bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe legt der Gesetzgeber fest. "In besonders schweren Fällen, also beispielsweise bei einem großen Ausmaß oder bei der Verwendung nachgemachter oder verfälschter Belege, beträgt die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren", ergänzt Christian Solmecke.

Einer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung könnte man jedoch zuvorkommen, indem rechtzeitig eine Selbstanzeige abgegeben würde. "Diese Möglichkeit gilt jedoch nicht zeitlich unbeschränkt. Denn zu der strafbefreienden Wirkung kommt es nicht mehr, wenn eine Steuerhinterziehung zum Zeitpunkt der Berichtigung, Ergänzung oder Nachholung ganz oder zum Teil bereits entdeckt war und der Täter dies wusste oder bei verständiger Würdigung der Sachlage damit rechnen musste", erklärt Solmecke zum Schlupfloch. Dennoch kann auch eine verspätete Selbstanzeige noch strafmildernd wirken.

Das sagen betroffene Influencer zu den Anschuldigungen im Netz

Sami Slimani, der unter dem Künstlernamen Herr Tutorial Bekanntheit erlangte, trat eine Deutschlandreise im Juni an, ebenso taten es Paola Maria mit ihrer Familie und Sarah sowie Dominic Harrison mit ihren zwei Töchtern. Watson hat nach den Beweggründen der Reisen gefragt, ob diese vorübergehend ist oder ein kompletter Rückzug nach Deutschland geplant ist und ob die Influencer Kenntnis über die Steuerdaten-CD haben und fürchten, davon betroffen zu sein. Samis Management ließ watson daraufhin wissen:

"Samis aktuelle Reise nach Deutschland hat ausschließlich den Zweck, Freunde und Familie zu besuchen. Es gibt keine Pläne Samis, in absehbarer Zeit dauerhaft zurück nach Deutschland zu ziehen."

Auch zum Thema Steuerdaten-CD gab es ein eindeutiges Statement des Managements: "Hinsichtlich sonstiger von Ihnen aufgeworfener Themen hat Sami weder Kenntnis, noch ist er davon betroffen."

Auch das Management von Familie Harrison meldete sich auf Redaktionsanfrage zeitnah zurück. Im Statement heißt es zur Deutschlandreise der Influencer: "Der derzeitige Aufenthalt der Familie Harrison in Deutschland ist lediglich vorübergehend und ist aufgrund unterschiedlicher beruflicher Projekte erforderlich."

Ein weiterer Grund für die Familie, sich momentan nicht in ihrer Wahlheimat aufzuhalten, seien die hohen Sommertemperaturen in Dubai. "Zudem ist in den Monaten Juli/August Sommerurlaub in den Vereinigten Arabischen Emiraten, so dass auch Kindergärten und Schulen geschlossen bleiben." Neben Zugezogenen sollen auch Einheimische Dubai laut der Mitteilung des Managements gerade über die Sommermonate verlassen, "um den sehr hohen sommerlichen Temperaturen zu entfliehen und ihre Familien zu besuchen."

Konkret zur Steuerdaten-CD hieß es: "Der Familie Harrison ist erst durch Ihre Anfrage bekannt geworden, dass scheinbar Steuerdaten durch die Bundesrepublik Deutschland eingekauft worden sind. Demnach steht der Aufenthalt der Familie Harrison in Deutschland in keinerlei Zusammenhang mit dem Ankauf dieser Steuerdaten." Schließlich wird darauf verwiesen, dass die Reise nach Deutschland schon sehr viel länger geplant gewesen sei:

"Familie Harrison distanziert sich hiermit ausdrücklich von den im Raum stehenden Vorwürfen beziehungsweise Anschuldigungen. Im Übrigen hatte Familie Harrison bereits zu Beginn dieses Jahres über ihre Social-Media-Kanäle explizit auf den Sommeraufenthalt in Deutschland hingewiesen, somit Monate vor Bekanntgabe des Ankaufs dieser Steuerdaten."

Es sei geplant, dass die Harrisons Anfang September nach Abschluss hiesiger Projekte wieder nach Dubai zurückkehren wird. Neben Sami haben also auch sie keinen kompletten Rückzug nach Deutschland geplant.

Das Management von Paola Maria hat sich auf watson-Anfrage noch nicht zurückgemeldet, sie ist jedoch die einzige, die sich mit ihrem Ehemann Sascha Koslowski und ihren Söhnen ganz aus Dubai verabschiedet hat. Das gab sie in einem Youtube-Video mit dem Titel "Wir haben einen Fehler gemacht" bekannt.

Darin heißt es:

"Wir merken einfach, es fühlt sich nicht wie ein Zuhause an, es fühlt sich mehr wie Dauerurlaub an. Jetzt haben wir uns dazu entschlossen, das alles wieder zu verlassen. Natürlich gibt es ganz viele andere Sachen, die uns nochmal angespornt haben, aber die möchte ich jetzt, ehrlich gesagt, nicht breittreten."

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