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Virologe Alexander Kekulé sieht keinen weiteren Sinn im Lockdown. bild: screenshot zdf

Kekulé bei Lanz: "Astrazeneca ist ein Impfstoff zweiter Klasse"

dirk krampitz

Markus Lanz beginnt seinen Talkdienst in dieser Woche mal wieder mit einer reinen Corona-Runde. Da geht es von den Erfolgen bei der Impfung in Israel über die Probleme in den deutschen Schulen und den Sorgen der Politik bis zu den kritischen Einschätzungen des Lockdowns durch einen Virologen. Folgende Gäste hat Lanz geladen:

Zur Einstimmung meldet sich der Leiter des ZDF-Büros in Tel Aviv, Michael Bewerunge, aus Israel, dem Land mit dem wohl größten Corona-Impferfolg. Bereits 90 Prozent der über 50-Jährigen sind dort vollständig geimpft. Das Ergebnis sei "ein dramatischer Einbruch bei den schweren Fällen", berichtet Bewerunge. "Es stirbt fast keiner von den Alten mehr, zumindest nicht mehr an Corona." Auch die Intensiv-Betten seien nicht mehr so ausgelastet. Und das, obwohl die Inzidenz bei über 200 liegt.

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Thomas de Maizière will eine Staatsreform. Bild: screenshot zdf

In Deutschland liegt die Inzidenz bei rund 60 und doch sieht hier niemand Zeichen für Entspannung. Ex-Innenminister Thomas de Maizière findet, Israel sei mit Deutschland, einem Land in der Mitte Europas, aus diversen Gründen nicht zu vergleichen. Der für ihn offenbar unerfreulichste Grund: "Bei uns quatschen alle mit – auch Virologen sind nicht immer einer Meinung." An der Wortwahl erkennt man, dass es offenbar ein Punkt ist, der ihn nervt. Und er legt auch noch nach. Er wünsche sich, dass alle Leute mal "drei Tage jede Strategie-Debatte einstellen“ und stattdessen einfach ihre Arbeit machen. "So wird man ja verrückt." Ehrliche Worte eines Polit-Profis.

De Maizière (CDU) hat gerade sein Buch "Die Kunst des guten Führens" herausgebracht. Nun ist er zwar "nur noch einfacher Abgeordneter und nicht mehr Innenminister", aber seinen Senf zur Pandemie gibt er natürlich gern dazu.

"Die einzige Währung, die in der Krise zählt, ist Vertrauen. Hallodris vertraut man nicht."

Thomas de Maizière

Sein Rat an die Verantwortlichen: "Zurückhaltend kommunizieren, nichts versprechen, was man nicht halten kann." Das geht dann wohl direkt gegen seinen Parteikollegen, Gesundheitsminister Jens Spahn, der sich schon des Öfteren korrigieren musste. De Maziere plädiert für eine "Zuständigkeit des Bundes bei Katastrophen – nicht dass er alles macht, aber dass er für alles zuständig ist". Diese zeitweilige Abkehr vom Föderalismus wäre eine Revolution, aber so würde de Maizière das nicht formulieren. "Das Wort Revolution ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Nennen wir es große Staatsreform.“ Damit die Organisation von Masken und Notstromaggregaten auch klappen. Und auch das Gesundheitsamt – ein weiterer Hieb in Richtung Spahn – müsse man da eben mal von 50 auf 300 aufstocken können.

Ob Krise Spaß mache, will Gastgeber Lanz noch wissen. "Spaß nicht, aber Freunde schon." In der Krise zeige sich, wer was kann.

"Die Krise bestärkt die Seriösen und nicht die Lauten, in der Krise ist Schluss mit Firlefanz und Inszenierungen."

Thomas de Maizière

Katastrophenschutz im Schneckentempo

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Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, fühlt sich von der Politik allein gelassen. bild: screenshot zdf

Auch der Spiegel-Journalist Martin Knobbe will mehr Verantwortung in der Hand des Bundes: "Nach dieser Pandemie wird Katastrophenschutz reformiert werden müssen. Wir müssen jetzt wieder zielgenau agieren – gerade das funktioniert nicht." Das sehe man u.a. beim Beschaffen von Impfstoff und Luftreinigern. "Wir sind im Schneckentempo unterwegs."

Genauso unzufrieden ist Marlis Tepe, Realschullehrerin und Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sie beklagt die Situation in den Schulen, was die von der Politik versprochenen Schnelltests angeht. "Wir können es nicht einhalten, was die Politik sagt. In dieser Situation sind unsere Kollegen in einer schweren Lage." Ihre generelle Erfahrung in der Corona-Pandemie: Die Zuständigkeit werden zwischen Bund, Ländern und Kommunen "immer hin- und hergeschoben".

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Alexander Kekulé steht zu seiner "Minderheitenmeinung". bild: screenshot zdf

Deutlich ist hingegen beim Impfstau, dass nicht die Länder die Schuld tragen. Impfzentren haben sie eingerichtet, nur der von der EU bestellte Impfstoff ist nicht da. Bisher konnten noch nicht einmal alle Hochrisikopatienten geimpft werden. Der Virologe Alexander von Kekulé schlägt zur Entspannung der Situation vor, alle derzeit verfügbaren Dosen des Biontech-Impfstoffs zu verimpfen, und nicht – wie bisher – Dosen für die nötige zweite Impfung zurückzubehalten. "Weil wir damit das Sterben beenden." Er spekuliert darauf, dass es "nicht so schlimm" sei, wenn die zweite Impfdosis möglicherweise erst ein halbes Jahr später verabreicht wird, weil dann der Nachschub nicht mehr knapp ist. "Ich habe da aber eine Minderheitenmeinung", gibt er zu.

So knapp der Biontech-Impfstoff ist, so wenig gefragt ist der von Astrazeneca. Auf Bitte von Moderator Markus Lanz erklärt Kekulé, warum das aus seiner Sicht so ist: Er sei weniger wirksam, helfe vermutlich bei der südafrikanischen und brasilianischen Mutante nicht so gut und habe wohl auch stärkere Nebenwirkungen, die man aber "wegstecken" könne. Sein Fazit:

"Astrazeneca ist ein Impfstoff zweiter Klasse. Aber besser zweiter Klasse Bahn fahren als zu Fuß gehen.“

Alexander Kekulé

Das Biontech-Vakzin verhindere 95 Prozent der Erkrankungen, Astrazeneca aber immerhin 60-70 Prozent. "Und falls Sie Corona bekommen, sollte es wesentlich weniger schlimm verlaufen", wirbt er dann doch noch für den ungeliebten Impfstoff. Denn auf lange Sicht sei die Impfung das Einzige, was wirklich hilft. Mit dem derzeitigen Lockdown-Modus werde man die in Deutschland angestrebte Inzidenz von 35 für größere Lockerungen wohl erst im Sommer erreichen oder "nur unter Opfern, die die Gesellschaft nicht mehr mitmacht", lautet seine niederschmetternde Einschätzung.

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