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Moderator Markus Lanz befragte seine Gäste an diesem Abend zu den Ausschreitungen in den USA. Bild: screenshot zdf

"Das ist Wilder Westen": Markus Lanz fassungslos über Videos aus den USA

In rund einer Woche soll Joe Biden zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt werden und die Gesellschaft in den USA gemeinsam mit Vizepräsidentin Kamala Harris versöhnen. Statt Einigkeit herrschen jedoch Spaltung und Gewalt. Dies hat nicht zuletzt der gewaltsame Sturm auf das Kapitol in Washington gezeigt. Donald Trump, der als Anstifter zu den Protesten gilt, droht nun ein zweites Amtsenthebungsverfahren.

Moderator Markus Lanz zeigte sich in seiner Sendung empört und fassungslos über neue Videoaufnahmen vom Sturm auf das Kapitol. Journalist Elmar Theveßen, der am 6. Januar 2021 live von den Ereignissen vor dem Regierungsgebäude berichtete, erzählte am Dienstagabend bei "Markus Lanz" auch von Angriffen auf Journalisten.

Dies waren die Gäste bei "Markus Lanz" am 12. Januar 2021:

Elmar Theveßen: "Man hat aus unseren Kabeln Galgenschlingen gewunden"

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Journalist Elmar Theveßen war der Talkshow live aus den USA zugeschaltet. Bild: screenshot zdf

Es sind erschreckende Bilder: Aufnahmen von Demonstranten, die mit roher Gewalt und bewaffnet das Kapitol stürmen und dabei auf Sicherheitskräfte einschlagen, Videos von Polizisten, die bei den Angriffen um ihr Leben fürchten. Rund eine Woche nach dem bewaffneten Sturm von Demonstranten auf das Kapitol in Washington werden immer mehr Bilder des Aufruhrs öffentlich.

Bei "Markus Lanz" machten sie am Dienstagabend deutlich, welches Ausmaß der Angriff auf die Demokratie in den USA hatte. Journalist Elmar Theveßen nannte die Lage in den USA rund eine Woche vor den Festlichkeiten zur Amtseinführung Joe Bidens "brandgefährlich".

Elmar Theveßen beschrieb, wie sich die Gewalt der Demonstranten am 6. Januar nicht nur gegen Polizisten, sondern auch gegen Journalisten entladen habe. "Auch die Medien wurden als Verräter, als Feinde des Volkes, bezeichnet", erklärte der 53-Jährige. Einige Protestler und Milizen hätten zum Teil auch das Equipment der Presseteams angegriffen und zerstört. Theveßen berichtete:

"Man hat aus unseren Kabeln dann Galgenschlingen gewunden und an den Baum gehängt – das war schon sehr klar und eindeutig."

Markus Lanz empört über Brutalität bei Protesten

Donald Trump, der bei einer Rede zu Kampf und Gewalt aufgerufen hatte, wollte wenig später nichts mehr davon wissen. Dennoch, so erklärte es Elmar Theveßen, fühlten sich Erfahrungsberichten zufolge viele Menschen von Trumps Worten zum gewaltsamen Protest berufen.

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Markus Lanz diskutierte auch über die Twitter-Sperre für Donald Trump mit seinen Gästen. Bild: screenshot zdf

"Diese Menschen glauben, das absolut Gute zu tun", bestätigte der Journalist mit den Worten, die schon einmal Joschka Fischer verwendete, um das Verhalten der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg zu beschreiben und ihren Glauben daran, völlig im Recht zu sein.

Moderator Markus Lanz, der in seiner Unterhaltung mit Elmar Theveßen während der ersten Hälfte der Sendung gar einmal die Corona-Krise zu vergessen schien, zeigte sich fassungslos über die Szenen aus den USA. Er stellte fest:

"Das ist Wilder Westen, diese Brutalität."

Markus Lanz

Strategieberater Julius van de Laar zeigte sich sicher, dass ein früheres Eingreifen der Sicherheitskräfte vergangene Woche möglich gewesen wäre. "Da hätten wirklich alle Alarmglocken angehen müssen", meinte van de Laar.

Twitter-Sperre für Trump stößt auf Anklang bei Gästen

Während die demokratische Partei nun versucht, Donald Trump mittels eines zweiten Amtsenthebungsverfahrens noch vor der Vereidigung Joe Bidens sein Amt und seine politischen Vorteile zu nehmen, hat der Nachrichtendienst Twitter den Account des Präsidenten kurzerhand gesperrt.

Dürfen die das – oder stellt dies einen zu starken Eingriff in die Meinungsfreiheit dar? Auch bei dieser Frage waren sich die Gäste an diesem Abend einig.

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Klaus Brinkbäumer ist früherer Chefredakteur des "Spiegel"-Magazins. Bild: screenshot zdf

"Ich würde sagen, die Sperrung ist richtig", ließ Journalist Klaus Brinkbäumer verlauten. Brinkbäumer erklärte jedoch auch, dass Konzerne wie Twitter oder Facebook grundsätzlich auch selbst verantwortlich sein sollten für die Inhalte, die auf ihren Plattformen veröffentlicht werden. Julius van de Laar ging noch einen Schritt weiter und forderte staatliche Kontrolle von Social Media.

"Ich finde, es ist die Aufgabe des Staates, dort die Leitplanken einzuziehen."

Julius van de Laar

Ob Amtsenthebungsverfahren oder Twitter-Sperre – mit Blick auf eine Zukunft für Noch-Präsident Donald Trump herrschte Unsicherheit. "Denkbar ist alles", waren sich die Männer in der Runde einig. Und damit leiteten sie unwissend zum zweiten Thema der Talkshow über: die Corona-Krise. Auch hier gab es nur wenig Neues und noch weniger sichere Prognosen. Man könnte auch sagen: Es bleibt spannend.

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