Unterhaltung
Heidi Klum arrives to her Halloween party at Cathedrale on Thursday, Oct. 31, 2019, in New York. (Photo by Charles Sykes/Invision/AP)

Heidi Klum in ihrem diesjährigen Halloween-Look: Die mediale Aufmerksamkeit ist ihr sicher. Bild: Invision

Heidi Klums Halloween-Party: Das Millionengeschäft mit Preis-Wuchern und Werbe-Tricks

Es war die öffentlichkeitswirksamste Metamorphose in der 20-jährigen Geschichte von Heidi Klums berühmt-berüchtigter Halloween-Party: Mitten in New York ließ sie sich in einem Schaufenster dreizehn Stunden lang von einer blonden Schönheit in einen Hautfetzen behangenen Zombie-Cyborg verwandeln. Die Weltpresse schaute zu – und die Queen of Halloween erklomm in ihrem "Die Marke bin ich"-Kosmos erfolgreich das nächste Treppchen.

2000 schmeißt Heidi Klum ihre erste Party

Seit Jahren hat Heidi Klum das Mysterium um ihr Party-Outfit perfektioniert. Die Öffentlichkeit interessiert nur noch bedingt, wie man in sechs Schritten den gruseligsten Kürbis-Kopf schnitzt oder welche Horror-Streifen bei den Streamingdiensten laufen. Nein, bereits Wochen vor dem 31. Oktober stellen sich Journalisten und Promi-Begeisterte nur noch eine Frage: "What will Heidi wear?" Was wird sie tragen, die deutsche Model-Unternehmerin?

Im Jahr 2000 hatte alles noch ganz bescheiden angefangen: Heidi Klum lud zu ihrem ersten "Halloween Bash", zwar sexy, aber recht unspektakulär in einem Lack-und-Leder-Fummel und großen Klimperwimpern als Dominatrix verkleidet.

Heidis Halloween-Party-Motivation:

"Vor 20 Jahren dachte ich: 'Es gibt keine richtig coole Party in New York City und jemand muss das ändern.'"

heidi klum zu "etonline"

Heidi gewinnt Sponsoren, die ihre Party in neue Höhen katapultieren

Im kommenden Jahr setzt sie schon einen drauf – und reitet auf einem echten Pferd zur Party. 2003 verrät Heidi ihr Kostüm vorab – und schafft es damit auf die Titelseite einer großen New Yorker Zeitung. Ein glücklicher Zufall, der ihre Party und somit auch Heidi selbst in ganz neue Sphären hebt. "Da muss ja gar nichts in der Stadt los sein, dass ich vorne rauf komme, also wirklich", erzählt sie damals etwas ratlos einem Vox-Kamerateam. Und sie verrät:

"Wir haben nach Sponsoren gesucht. Wir haben nach Leuten gesucht, die mithelfen, diese Party zu machen."

Und sie sollte fündig werden: Ab sofort wird Heidis "Halloween Bash" von diversen Firmen und Locations "präsentiert", wie es so schön heißt – ich gebe dir die Location (gratis), du mir mediale Präsenz.

Zusätzliches Budget generiert Klum über Sponsoren, die vorrangig aus der Getränke-Industrie stammen. So spendiert seit 2012 eine Vodkafirma die Drinks für die feuchtfröhliche Halloween-Sause, auch ein Wasserhersteller steigt ins Klum'sche Halloween-Business ein. Zum Dank für den Gratis-Ausschank gibt es eine gut sichtbare Platzierung auf der Logo-Wand, vor der sich Heidi Klum und ihre Gäste breit grinsend fotografieren lassen, Aufsteller an der Bar und jede Menge Aufmerksamkeit und Werbefotos in den sozialen Netzwerken. Wer will sich nicht mit dem deutschen Fräuleinwunder schmücken?

Werbeplatzierung auf Heidis Halloween-Party

Bild

Bild: facebook/svedkavodka

Heidi ist die Marke, ihre immer üppiger ausfallende Halloween-Party ein Phänomen, die Sponsoren machen die Millionen-Sause finanziell überhaupt erst möglich. Win-Win auf beiden Seiten. Doch das Geben und Nehmen nimmt manchmal auch absurde Ausmaße an: 2011 zog Heidi den Weinlieferanten "Hobnob Wines" an Land, der ihre Party auch noch zwei weitere Jahre unterstützte. Der US-Winzer versorgte die Gäste mit Merlot, postete munter Fotos von kostümierten New Yorker Socialites mit Logo-Weinbechern.

Bild

Bild: Facebook/Hobnobwines

Das US-Magazin "People" berichtete vorab nicht nur über Heidis Feier, sondern auch über die promillelastige Partnerschaft: "Auf ihrer New Yorker Party wird Klum ihren Gästen eine Auswahl verschiedener 'Hobnob'-Weine servieren, die alle mit speziellen Süßigkeiten kombiniert genossen werden können." Sogar der Geschäftsinhaber kam in dem Artikel zu Wort, erklärte: "Süßigkeiten und Wein sind eine ungewöhnliche Kombination – und Halloween ist der bei Weitem ungewöhnlichste Feiertag." Noch mehr Gratis-Werbung für die Marke Klum.

Auch Heidi selbst möchte ihre Sponsoren natürlich bei Laune halten

2014 wurde sie von einem Handyhersteller unterstützt, der ihr eigens ein Telefon designte, das zu ihrem Schmetterlingskostüm passte. Das Teil wurde anschließend unter Fans verlost. Vorab hielt Heidi es aber natürlich noch werbewirksam in sämtliche Kameras.

Dass das Sponsoring aber auch Grenzen hat, zeigte ein Partybesuch der US-Journalistin Isabel Jones vom vergangenen Jahr. Sie berichtet, dass um 23 Uhr die gesponsorten Signature Drinks bereits aus gewesen seien. Um Mitternacht habe die Bar dann ganz geschlossen. Gäste, die kein Extra-Bändchen für den VIP-Bereich hatten, hätten ab sofort für ihre Cocktails die "normalen New Yorker Preise" bezahlen müssen – sprich: sehr hohe Preise.

Preis-Wucher für normale Partygäste

2015 habe sich Heidis Halloween-Party nach Mitternacht in eine normale Clubnacht verwandelt, berichtet der "Business Insider". Tickets waren für 60 bis 175 Dollar im regulären Verkauf zu haben. Wer mit seinen Freunden an einem Tisch sitzen und eine Flasche Alkohol bestellen wollte, musste allerdings mindestens 2000 Dollar blechen.

Und die illuste Promi-Party ruft auch fragwürdige Geschäftsleute auf den Plan, die ein Stück von Heidis Kürbiskuchen abhaben wollen. In diesem Jahr war ihre Sause nur für geladene Gäste zugänglich. Über die Plattform "Vip Concierge" konnten aber trotzdem Tickets aus zweiter Hand für 2790 Dollar (rund 2500 Euro) erworben werden – pro Stück!

Während ihrer Verwandlung macht Heidi Klum Werbung für neue Show

Heidis mit den Jahren exponentiell ansteigende Halloween-Begeisterung, das wochenlange Anteasern ihres Kostüms über Instagram, und der eigene Hashtag #heidihalloween seien übrigens nicht der medialen Aufmerksamkeit geschuldet, wie sie gegenüber "etonline" behauptete:

"Den Druck mache ich mir selbst. Es sind nicht die Leute von außen, sondern wirklich ich. Ich möchte mich jedes Jahr aufs Neue selbst übertreffen."

Mit ihrer öffentlichen Schaufenster-Verwandlung ist ihr in diesem Jahr trotzdem ein Werbe-Coup gelungen, der einem Millionendeal gleich kommt. Denn Heidi ließ sich von ihren Maskenbildnern im New Yorker Amazon-Store verwandeln – 2020 wird sie auf Amazon Prime mit ihrer neuen Show "Making the Cut" zu sehen sein, in der sie zusammen mit Mode-Guru Tim Gunn das "nächste Fashion-Phänomen" sucht. Kommt uns irgendwie bekannt vor, oder? Tatsächlich suchten Gunn und Klum in "Project Runway" bereits zusammen die Designer von Morgen. Nach 16 Jahren hatten sie die Show im vergangenen Jahr verlassen. Nach einem Senderwechsel soll das Duo mit den Verantwortlichen nicht mehr auf einen Nenner gekommen sein – auch wegen der verlangten Gage.

Tom glaubt an Aliens – also wurde Heidi zu einem

Ihre gut dreizehnstündige Verwandlung hielt die Model-Mama in zig Instagram-Posts fest. Vom Eintreffen im Amazon-Shop über das erste Fitting ihres Silikon-Kostüms, ihr Mittagessen bis hin zum finalen Look – Heidi dokumentierte jeden Schritt für ihre Fans und ihre Marke. Auf die Cyborg-Alien-Idee brachte sie übrigens Ehemann Tom, wie sie am Partyabend dem "People"-Magazin sagte: "Die Inspiration stammt von Tokio Hotel, der Band meines Mannes. Sie glauben an Aliens."

Die letzten Touch-Ups an Heidis Kostüm

Was die Marke Klum angeht, macht Heidi mit ihrem Über-Halloween jedenfalls alles richtig, Aufmerksamkeit und Spotlight sind auf ihrer Seite. Über Halloween stieg ihre Instagram-Follower-Zahl um 200.000 Fans auf 6,9 Millionen an. Und bereits ab dem 1. November denkt Klum schon über ihr Kostüm für 2020 nach, wie sie "etonline" gegenüber sagte. Nach Halloween ist vor Halloween.

Warum gucken Frauen "Germany's Next Topmodel"?

Play Icon
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Hartz-IV-Strafen gekippt: Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin erklärt, was Sanktionen anrichteten

Einige Jahre arbeitete ich als Sachbearbeiterin in Hamburger Jobcentern. Vor sechs Jahren verlor ich meinen Job – nachdem ich mich weigerte, die in meinen Augen schon immer verfassungswidrigen Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger auszusprechen. Heute weiß ich: Mein Rauswurf war im Grunde rechtswidrig. Aber darum geht es heute nicht, und zurück ins Jobcenter klagen will ich mich ohnehin nicht: Das Tolle an diesem Tag ist, dass der von so vielen geführte Kampf gegen Hartz-IV-Sanktionen …

Artikel lesen
Link zum Artikel