ARCHIV - 12.12.2022, Nordrhein-Westfalen, D
Julia Beautx ist Youtuberin, Influencerin und Schauspielerin. Nun übernahm sie ihre erste Hauptrolle in einer Miniserie.Bild: dpa / Rolf Vennenbernd
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Zu viel? Influencerin Julia Beautx räumt ein: "Habe gemerkt, dass ich nicht alles auf einmal machen kann"

30.12.2022, 12:5830.12.2022, 13:06

Viele kennen Julia Beautx als Youtuberin oder von Instagram und Tiktok. Doch seit einigen Jahren ist die 23-Jährige auch als Schauspielerin aktiv. Jetzt ist sie in ihrer ersten TV-Hauptrolle zu sehen. In der ZDF-Miniserie "Gestern waren wir noch Kinder" spielt sie die 18-jährige Vivi Klettmann. Ihr sorgloses Leben wird durch den plötzlichen Mord an ihrer Mutter völlig auf den Kopf gestellt.

Mit watson sprach Julia Beautx über die überraschenden Parallelen zu ihrer Serienfigur, ihr Leben als Influencerin und den positiven sowie negativen Wandel von Social Media.

watson: Du spielst in "Gestern waren wir noch Kinder" zum ersten Mal eine Hauptrolle in einer TV-Produktion. Wie war es für dich?

Julia Beautx: Ich habe schon öfters in TV-Produktionen mitgespielt – unter anderem seit fünf Jahren in der ZDF-Serie "Frühling". Aber dort hatte ich nie solch eine tragende Hauptrolle. Die Produktion ist mit so vielen erfahrenen Schauspielern gespickt. Da hatte ich erst einmal Bammel.

Vivi Klettmann (Julia Beautx) auf der Beerdigung ihrer Mutter.
Julia Beautx spielt Vivi.Bild: ZDF / Mathias Neumann

Du spielst eine verwöhnte Privatschülerin, deren Leben durch den Mord an ihrer Mutter plötzlich komplett aus den Fugen gerät. Wie kamst du mit dieser Rolle klar?

Ganz gut, wobei es grundsätzlich schon schwer war für mich, weil ich selbst in einer ähnlichen Familienkonstellation aufgewachsen bin. Nicht hinsichtlich der Privatschule, aber in Bezug auf den Familienzusammenhalt. Ich bin sehr behütet aufgewachsen, meine Familie war immer für mich da – genau das, was mein Serien-Charakter Vivi in ihrer Familie eigentlich auch immer gewohnt war. Wenn dann so etwas passiert, ist es ein riesiger Schock.

"Komplett vor allem auf Youtube zu verzichten, das würde ich ausschließen."

War das für dich dennoch ein Vorteil?

Auf jeden Fall. Außerdem sieht mein Papa ähnlich aus wie mein Serien-Papa und selbst die Namen meiner Serien-Mama und meiner echten Mama sind sehr ähnlich (lacht). Das Hineinversetzen war leichter, als ich gedacht hätte.

Du sagtest bereits, dass du 2018 mit der Schauspielerei begonnen hast. Wie kamst du überhaupt dazu?

Eigentlich wollte ich schon immer Schauspielerin werden. Früher habe ich oft bei Schauspielworkshops mitgemacht, wollte unbedingt bei allen Theaterstücken in der Schule die Hauptrollen spielen. Letztendlich habe ich dann eine Anfrage für ein Casting bekommen, weil die Macher von "Frühling" fanden, dass es cool wäre, mal jemandem aus dem Social-Media-Bereich eine kleine Gastrolle zu geben. Letztendlich sah die Autorin wohl mehr Talent in mir …

Könntest du dir vorstellen, Youtube, Instagram und Co. noch weiter zurückzustellen, um dich künftig noch mehr der Schauspielerei zu widmen?

Youtube habe ich schon deutlich zurückgestellt, seitdem ich mich mehr dem Schauspiel widme. Vergangenes Jahr, als wir "Gestern waren wir noch Kinder" gedreht haben, habe ich so lange nichts hochgeladen, nichts auf Social Media gemacht, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ja, deswegen kann ich mir das vorstellen. Aber grundsätzlich komplett vor allem auf Youtube zu verzichten, das würde ich ausschließen.

Hat sich das wenige Posten in der Zeit bei dir direkt bemerkbar gemacht – Stichwort Reichweite?

Youtube, Instagram und Co. sind ja bekannt für ihre schlimmen Algorithmen. Das war von Anfang an schon so. Youtube war noch nie dankbar, wenn man mal zwei Wochen lang nichts hochgeladen hat. Ich habe es auf jeden Fall gemerkt. Aber ich konnte zum Glück recht schnell meine alten Reichweiten wieder aufbauen.

Julia Beautx hat 3,4 Millionen Follower:innen auf Instagram.
Julia Beautx hat 3,4 Millionen Follower:innen auf Instagram.Bild: dpa / Rolf Vennenbernd

Man kennt dich als Youtuberin, Influencerin, Sängerin, Moderatorin und als Schauspielerin – wird dir das alles nie zu viel?

Doch, schon. Aber wenn ich merke, dass es zu viel wird, schraube ich einen oder mehrere Parts runter. Wenn man auf mein Instagram-Profil guckt, ist es in den letzten Monaten etwas angestaubt. Ich habe auch gemerkt, dass ich nicht alles auf einmal machen kann – so gerne ich das auch wollte.

"Ich versuche immer, das bestmögliche draus zu machen, akzeptiere aber auch, dass nicht alles funktioniert."

3,4 Millionen Follower:innen auf Insta, 2,4 Millionen Abonennt:innen auf Youtube – wie hoch ist für dich der Druck, deiner Community immer neuen und bestenfalls innovativen Content zu liefern?

Der Druck von der Community her ist gar nicht so groß. Ich weiß auch, dass ich eine super tolle und verständnisvolle Community habe. Da ist mir niemand böse, wenn ich mal weniger poste und ich kriege auch keine Hassnachrichten. Das war früher übrigens anders. Aber der Druck mir selbst gegenüber war vor allem 2021 schon hoch – wobei es besser geworden ist. Man möchte nicht verlieren, was man sich aufgebaut hat. Man möchte die Leute und sich selbst nicht enttäuschen. Ich versuche immer, das bestmögliche draus zu machen, akzeptiere aber auch, dass nicht alles funktioniert.

Du sagtest, dass weniger Hassnachrichten kommen. Dabei hört man sonst vor allem, dass der Hass mehr wird. Hast du das Gefühl, in den vergangenen Jahren hat sich im Bereich Social Media einiges gewandelt?

Es hat sich sowohl zum Positiven als auch zum absolut Negativen gewandelt. Es stimmt: Wenn man einen kleinen Fehltritt macht, treten direkt alle drauf. Man merkt, dass Leute gerne schnell gecancelt werden. Natürlich wird man vorsichtiger und traut sich nicht mehr so viel zu sagen. Das ist einerseits schade, andererseits muss man damit versuchen umzugehen. Dadurch, dass ich offenbar das Glück habe, nicht so viel zu sagen, was 'cancelbar' wäre, habe ich damit nicht so große Probleme.

Und was hat sich deiner Meinung nach zum Positiven gewandelt?

Das Verständnis für die Arbeit von Youtubern und Influencern. Früher war es immer so, dass alle gemeckert haben, wenn eine Woche lang kein neues Video kam. Da hieß es schnell: "Du hast den einfachsten Job der Welt und jetzt kriegst du nicht mal das hin." Mittlerweile wird aber viel mehr auch über "hinter den Kulissen" geredet. Dadurch, dass viel mehr Menschen selbst versuchen, Influencer zu werden oder Tiktok- oder Youtube-Videos zu drehen, merken sie schnell, wie viel Arbeit es ist.

Kann man in der heutigen Zeit eigentlich aus eigener Kraft noch Influencer:in werden und sich die benötigte Reichweite aufbauen?

Ja, auf jeden Fall. Aber es ist ganz anders als früher. Ich glaube, dass es mittlerweile fast unmöglich ist, nur durch und auf Youtube bekannt zu werden. Aber dadurch, dass es Tiktok gibt und dort alles über "For you"-Pages funktioniert, sieht man schon, dass viele neue Leute dazukommen. Deshalb ist es grundsätzlich einfacher geworden, überhaupt erst einmal bekannt zu werden oder Reichweite zu bekommen. Allerdings ist es schwieriger, diese zu halten.

Geht heute nichts mehr ohne Tiktok? Löst am Ende sogar Tiktok Instagram ab?

Ich habe keine Ahnung. Ganz ehrlich: Ich checke das nicht mehr. Jede Plattform möchte gerne die andere sein. Ich merke selbst, dass ich auf allen Plattformen präsent sein muss. Aber dadurch, dass ich eine der wenigen "klassischen" Youtuber:innen bin, die noch regelmäßig dort hochladen und auch noch Views generieren, merke ich, dass ich es nicht so dringend brauche. Youtube ist immer noch die tragende Säule. Für Neulinge ist Tiktok aber ziemlich essenziell.

"Ich bin schon immer ein kleiner Geizhals gewesen."

Meinst du, deine Social-Media-Follower:innen sind die typische Klientel, die sich deine ZDF-Produktion ansehen wird?

Ich habe sowohl junge Zuschauer als auch viele in meinem Alter oder älter. Deshalb vermute ich, dass viele sich dafür auch so interessieren würden. Allerdings schauen die Jüngeren selten klassisches Fernsehen. Vermutlich muss ich die Leute erst einmal auf die Serie bringen, aber dann stürzen sie sich hoffentlich drauf. Ich finde nämlich, es ist die coolste deutsche Serie, die ich seit längerer Zeit gesehen habe – und das würde ich auch sagen, wenn ich nicht mitspielen würde (lacht).

Du siehst dich selbst als Unternehmerin. Wie wichtig ist dir das, was du damit verdienst – das Geld?

Was heißt wichtig? Klar, ich muss von irgendetwas leben und natürlich ist Geld verdienen wichtig. Für mich ist es ein riesiges Privileg, mit meinem Hobby, mit dem, was mir so viel Spaß macht, mein Geld zu verdienen. Ich hätte mir nichts Besseres und Schöneres vorstellen können.

Gehst du angesichts der Energiekrise und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage mittlerweile anders mit deinen Einnahmen um?

Ich bin schon immer ein kleiner Geizhals gewesen, auch, wenn das negativ klingt. Ich habe nie viel oder unnötig Geld ausgegeben. Ich war immer sparsam. Klar, gucke ich jetzt nochmal ein Stückchen mehr darauf, ob ich das Wasser laufen lasse oder ob die Heizung wirklich so hochgedreht sein muss. Da ich aber nie großartig schlampig mit meinem Geld umgegangen bin, bleibt sonst alles wie es ist.

Das ZDF zeigt die siebenteilige Miniserie "Gestern waren wir noch Kinder" am Montag, 9., Dienstag, 10., und Mittwoch, 11. Januar 2023, jeweils ab 20.15 Uhr. Vorab ist die Serie ab dem 30. Dezember 2022 bereits in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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