Florian David Fitz bei der Premiere des Kinofilms Oskars Kleid in der Astor Film Lounge im Arri Kino. München, 15.12.2022 *** Florian David Fitz at the premiere of the feature film Oscars dress in the ...
Florian David Fitz hat in seinem neuesten Film "Oskars Kleid" auch das Drehbuch geschrieben.Bild: IMAGO/Future Image
Interview

Florian David Fitz über die größten Herausforderungen von Eltern: "Du bist manchmal der Arsch"

23.12.2022, 12:26

Es ist eines der wichtigsten Themen, aber auch eines der größten Reizthemen unserer Zeit. Transgender. Schauspieler Florian David Fitz hat daraus mit "Oskars Kleid" jetzt eine Komödie gemacht. Es geht in dem Kinofilm um einen Neunjährigen, der fast immer ein gelbes Kleid trägt. Als der Vater davon erfährt, sorgt das für Chaos. Der wird gespielt von Fitz selbst, außerdem hat er das Drehbuch geschrieben.

Im Interview mit watson spricht Fitz über das Thema und erklärt auch, welche Werte für ihn bei der Erziehung seiner eigenen Kinder wichtig sind.

Watson: Du spielst in "Oskars Kleid" nicht nur die Hauptrolle, sondern hast auch das Drehbuch geschrieben. Was hat dich an der Geschichte am meisten berührt?

Florian David Fitz: Es ist ehrlich gesagt schon sechs Jahre her, dass ich auf den Stoff gestoßen bin. Da gab es das Thema auch schon, war aber noch nicht so brennend heiß, wie es jetzt ist. Das hat sich tatsächlich noch verändert.

Im Mittelpunkt steht die Vater-Sohn-Beziehung. Der Film rückt Transgender-Kinder in den Fokus. Hattest du selbst Berührungsängste mit dieser Thematik?

Nein, Berührungsängste habe ich damit jetzt gar nicht. Es gibt erstmal hier nur ein Kind, das das Kleid nicht auszieht. Damit fängt es an. Bei diesem Bild habe ich gedacht: Da kannst du mit einsteigen und wirst sehen, wo dich das hinführt. Der Konflikt wird allerdings immer komplexer. Die Idee von dem Film war zu sagen: Dieses Kind steht da und sagt, dass es das Kleid anziehen möchte. Es ist dabei sehr selbstbewusst und problematisiert das überhaupt nicht.

"Die Kinder haben überhaupt keine Berührungsängste mit allem Möglichen."

War es für die Jungschauspielerin eine besondere Herausforderung, in ihre Rolle hineinzufinden?

Laurì ist eine Person, die sehr selbstbewusst eine eigene Meinung hat. Das ist übrigens auch sehr typisch für Kinder in dem Alter. Die Ansicht kann sich auch ändern. Ich finde es spannend, wenn dieses Kind dazu steht und alle anderen reiben sich an diesem Thema auf. Es ist auch nicht so, dass die bescheuert sind. Du kommst als Eltern, auch als die besten, offensten, belesensten, mit diesem Thema in Dilemmata. Du kommst an Punkte, bei denen nicht leicht zu sagen ist: Was ist jetzt richtig, was ist das Beste für mein Kind? Das ist total spannend.

Immer wieder wird über Diversität diskutiert. Mit der Akzeptanz sieht es meist anders aus. Was muss sich deiner Meinung nach schon in der Erziehung ändern?

Die Kinder haben überhaupt keine Berührungsängste mit allem Möglichen. Sie müssen es einfach nur kennenlernen oder sehen. Ich weiß gar nicht, ob man dabei aufklären muss. Man wird das jetzt mehr sehen und deswegen erledigt sich die Auseinandersetzung von selbst.

Darum geht es in "Oskars Kleid"

Kinostart: 22. Dezember 2022
Polizist Ben (Florian David Fitz) ist zweifacher Vater und lebt nach seiner Trennung von Mira (Marie Burchard) allein. Er will beweisen, dass er sich gut um seine Kinder kümmern kann. Sohn Oskar (Laurì) überrascht ihn plötzlich mit seinem Lieblingskleid.

Wo siehst du da Veränderungen mit Blick auf den Diversitätsgedanken?

Es gibt gerade eine große Bestrebung für Sichtbarkeit. Das darf man nicht unterschätzen. Allein die Tatsache, dass in der Daily Soap vor 40 Jahren mit einem Tabu gebrochen wurde. Ich weiß noch, als es in der "Lindenstraße" den ersten schwulen Kuss gab. In der Republik kam es zu einem Aufschrei. Jetzt ist es völlig normal, dass meine Großmutter mit 95 nicht mehr mit dem Auge blinzelt, wenn sie irgendwo ein schwules Pärchen sieht. Das ist die Kraft dahinter. Ich weiß gar nicht, ob immer alles ausdifferenziert erzählt werden muss. Allein dieser Gewöhnungseffekt, dass du sagst, es gibt andere Menschen als mich, ist entscheidend.

"Manchmal hat man das Gefühl, die Menschen denken, dass wir plötzlich in der Steinzeit sind."

Wie sehr nerven dich die klassischen Normen, die immer noch in der Gesellschaft fest verankert sind?

Wir verlangen da ganz schön viel von uns selbst. Wir haben alle die Haltung, dass es weitergehen muss und alles viel zu langsam passiert. Ich möchte auch manchmal sagen: Stopp mal, schau zurück und guck, was hier alles schon passiert ist, wie viel sich in den letzten 20 Jahren, zwei Jahren verändert hat. Vor 150 Jahren waren Frauen praktisch noch Eigentum der Männer und Kinder in Kohlebergwerken. Man muss weiter daran arbeiten. Manchmal hat man das Gefühl, die Menschen denken, dass wir plötzlich in der Steinzeit sind. Das ist doch gar nicht so.

Rollen- und Geschlechterklischees werden einmal mehr auf den Kopf gestellt. Was bedeutet für dich Familie?

Auf jeden Fall bedeutet das für mich einen festen Anker, den man hat und zu dem man immer wieder zurückkehren kann. Familie ist am Ende die wörtliche Wurzel, das ist die Erde, in der du steckst. Wenn du Glück hast, dass die Wurzel gut gewachsen ist, kannst du dich nach oben hin ausbreiten, dann kannst du überall hin.

Du bist selbst Vater. Wie gehst du mit Werten um?

Witzigerweise ist das interessant, weil meine Eltern dann doch sehr klare Werte hatten. Ich merke, dass das ganz gut war. Es heißt aber nicht, dass ich alle Werte übernommen habe oder dass ich nicht gegen sie gekämpft oder mich nicht aufgelehnt hätte. Es ist natürlich nur viel leichter, sich gegen Werte aufzulehnen, die klar sind, als gegen Werte, die total schwammig sind. (lacht)

"Aber du bist manchmal der Arsch, das kannst du nicht verhindern."

Welche Werte deiner Eltern sind dir besonders wichtig?

Was ich von ihnen übernehmen will, ist, dass ich möchte, dass meine Kinder anständig leben. Und zwar in zweifachem Sinn: gut leben und gut mit der Welt und zu anderen. Das ist schon ziemlich viel gewollt, also sollte ich auch schleunigst anfangen, das bestmöglich vorzuleben.

Wie genau überträgst du das denn auf deine Erziehung?

Eltern dürfen Werte vertreten, dürfen auch einen Widerstand gegen bestimmte Dinge aufzeigen. Das müssen sie vielleicht sogar, auch wenn das eine unbequeme, uncoole Position ist. Du sollst keine Angst davor haben. Aber vielleicht ist es das, was Kinder erbitten und brauchen. Du kannst wörtlich bei den Kindern sehen, dass sie sich über ihre Schulter umdrehen und austesten, ob das schon eine Grenze ist. Du sagst "Nein" und sie drehen sich noch mal um, lachen und denken: Vielleicht ist das die Grenze. Das ist ihr Job. Dann ist dein Job zu sagen: Stopp, hier ist halt, weil sonst passiert was, sonst kommt hier ein Auto.

Also sollte man keine Angst haben, Kindern Grenzen zu setzen?

Genau. Ich finde, dein Job ist auch, dir zu überlegen, was dein Kind braucht und dem auch Grenzen zu geben. Trotzdem sollte es frei sein und sich wirklich frei bewegen können. Sonst versagst du deinem Kind etwas. Das muss es sich dann selbst holen, weil man so Angst hat, dass man der Arsch ist. Aber du bist manchmal der Arsch, das kannst du nicht verhindern. (lacht)

"Das größte Dilemma kommt für die Eltern, wenn die Pubertät anfängt."

Kannst du Ängste verstehen, die manche haben, wenn sie von ihren Kindern mit dem Thema Trans konfrontiert werden?

Na klar. Das größte Dilemma kommt für die Eltern, wenn die Pubertät anfängt. Dann wird es wirklich spannend, weil du anfangen musst, Entscheidungen zu treffen, die vielleicht nicht mehr rückgängig zu machen sind. Das wird echt schwer. In diesem Moment spürst du die Verantwortung, die auf dir lastet.

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