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Jeanne Goursaud übernimmt die Rolle der Jazz in der neuen Serie "Para – Wir sind King". Bild: Sandra Ritschel

Interview

Neue Serie der "4 Blocks"-Macher: "Para"-Star Jeanne Goursaud – "Müssen viel mehr Geschichten von Frauen über Frauen produziert werden"

Die Macher von "4 Blocks" rund um Regisseur Özgür Yildirim sind mit einer neuen Serie zurück. Diesmal stehen vier junge Frauen im Mittelpunkt der Handlung. Jeanne Goursaud ist eine von vier Schauspielerinnen, die als Hauptdarstellerin bei "Para – Wir sind King" zu sehen ist. Die 25-Jährige wirkt seit 2012 in zahlreichen Kino-, Film- und Serienproduktionen mit. So arbeitete sie bereits mit Clint Eastwood und ist aktuell in der erfolgreichen Netflix-Serie "Barbaren" zu sehen.

Im Interview mit watson spricht Jeanne über Frauenklischees im Film, erklärt, welcher besonderen Herausforderung sie sich bei "Para" stellen musste und sagt, warum es wichtig ist, dass besonders weibliche Darsteller in den Fokus gerückt werden.

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Jeanne Goursaud hat für die Serie "Para" mit den Machern von "4 Blocks" zusammengearbeitet. Bild: Lena Faye

watson: Was macht für dich die Serie "Para" besonders?

Jeanne Goursaud: Die Serie erzählt von vier Frauen in den Hauptrollen, die wissen, dass sie nicht die gleichen Chancen haben wie alle anderen Menschen um sie herum. Man begleitet diese vier Mädels während ihrer Freundschaft, die so sehr selten erzählt wurde. Es ist total schön, dass es eine Geschichte über Freundschaft ist und nicht immer nur Romantik im Fokus steht.

Die Serie "Para" wurde von den Machern von "4 Blocks" produziert. Spürst du nach dem großen Hype rund um die Serie jetzt einen gewissen Erfolgsdruck?

Ich gehöre ja gar nicht zu den Machern, die "4 Blocks" produziert haben. Von daher habe ich da gar nicht so einen Druck, dass ich denke, das muss genauso erfolgreich sein. Aber ich freue mich natürlich darüber, genau wie sicherlich meine Kolleginnen auch, wenn viele Leute die Serie gucken und sie Zuspruch findet. Ich glaube, sie wird ganz gut ankommen, deswegen mache ich mir jetzt darüber gar keine Gedanken.

Findest du es wichtig, dass jetzt besonders Frauen als Hauptdarstellerinnen in den Vordergrund gerückt werden?

Das finde ich auf jeden Fall sehr wichtig. Es müssen viel mehr Geschichten von Frauen über Frauen produziert werden. Ich finde es sehr schön, dass man merkt, dass es tatsächlich auch immer mehr dazu kommt. Ich arbeite immer öfter mit Regisseurinnen oder mit Produzentinnen zusammen. Es gibt heutzutage viele spannende Frauenrollen, die auch nicht nur starke Frauen in dem Sinne zeigen, dass sie Attribute von Männern haben, sondern dass Frauen einfach ihre Träume verfolgen und dafür arbeiten, diese auch zu erreichen.

"Ich finde, in diesen Strukturen zu denken, ist sowieso nie richtig."

Wurde es mal Zeit, dass auch böse Mädchen zeigen, was sie draufhaben? Dass Frauen in die Rolle der Bösewichte schlüpfen?

Ja, das finde ich auch sehr wichtig. Ich meine, es ist ja nicht so: Männer sind böse und Frauen sind lieb. Ich finde, in diesen Strukturen zu denken, ist sowieso nie richtig. Es ist immer spannend, herauszufinden oder zu sehen, dass hinter jedem bösen Akt auch ein Grund steht. Wir machen das ja in unseren Rollen nicht grundlos, sondern haben das Gefühl, dass es keinen anderen Ausweg gibt.

In der Netflix-Produktion "Barbaren" hast du bereits mit David Schütter gespielt. War es aus diesem Grund für dich leichter, mit ihm solche intimen Sex-Szenen zu drehen?

Ja, auf jeden Fall. David und ich kennen uns schon ganz lange. Dadurch, dass wir uns so gut kennen und auch ein halbes Jahr zusammen "Barbaren" gedreht haben, vertrauen wir uns und haben eine ganz gute Energie und Chemie zusammen. Und auch durch unsere Freundschaft ist das natürlich viel einfacher zu drehen, als wenn man jetzt jemandem Neues begegnet. Bei intimen Szenen haben wir auch ein Close-Set, das heißt, es sind tatsächlich nur die Leute am Set, die auch wirklich da sein müssen.

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David Schütter, der bereits bei "4 Blocks" als Matthias Keil zu sehen war, spielt nun ebenfalls bei "Para" mit. 2021 WarnerMedia/ W&B Television

Die Sprache ist rau, die jungen Frauen sind taff. Was war für dich die besondere Herausforderung bei den Dreharbeiten?

Ich musste lernen, mich sportlich, aber auch vor allem tänzerisch an der Pole-Dance-Stange zu präsentieren. Das hat mich aber auch im Training gehalten. Ich war nämlich für "Barbaren" schon im Training und dann hatte ich noch regelmäßig Tanz-Unterricht, was zum Beispiel aufgrund der Stange sehr viel Muskelarbeit erfordert. Das war auf jeden Fall eine Herausforderung. Dann kam natürlich noch die Sprache dazu. Ich spreche im Alltag auch anders als Jazz.

"Am Anfang haben wir ganz viel Sido gehört und dann 187 Strassenbande oder Kool Savas."

Wie hast du es geschafft, die Sprache deiner Rolle anzunehmen?

Ich habe mich viel damit beschäftigt und probiert, mich reinzudenken. Für die Zeit habe ich meinen Musikgeschmack geändert. Am Anfang haben wir ganz viel Sido gehört und dann 187 Strassenbande oder Kool Savas. Ich bin ein bisschen darauf hängengeblieben und finde es jetzt eigentlich ganz cool. Das ist ganz lustig, ich hätte nie gedacht, dass sich mein Musikgeschmack innerhalb von ein paar Monaten so ändern kann. Dann hört man plötzlich Capital Bra und kann die ganzen Texte. Sonst höre ich nämlich tatsächlich super gerne Oldies aus den 80ern. Wir sind auch durch den Wedding marschiert und haben probiert, aufzuschnappen, wie die Leute so sprechen und uns so reingefühlt.

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In dieser Szene ist Jazz, gespielt von Jeanne Goursaud, an der Seite der anderen Hauptdarstellerinnen zu sehen. Bild: Sandra Ritschel

Es gilt das Gesetz der Straße. Deine Rolle kommt auch mit Drogen in Kontakt.

Die anderen Mädels und ich haben probiert, uns da reinzudenken. Ich habe in meiner Jugend, wenn ich ausgegangen bin, hin und wieder Alkohol getrunken. Dass sich Mädels mit Drogen zuballern, war mir total neu. Ich finde das auch sehr exzessiv und würde natürlich der Jugend empfehlen, das nicht zu machen. Das sollte man sich keinesfalls als Vorbild nehmen. So viele Rauschzustände haben wir jetzt aber auch gar nicht gespielt. Das ist eher die Euphorie über den Abend, die Freundschaft. Im Spiel macht das auch keinen großen Unterschied, ob man jetzt eine Betrunkene darstellt. Es kommt darauf an, welche Drogen sie dann konsumieren. Aber hier ging es in erster Linie um einen Rauschzustand, während man Spaß hat und tanzt.

Darum geht es in "Para – Wir sind King"

Die Freundinnen Jazz (Jeanne Goursaud), Hajra (Soma Pysall), Fanta (Jobel Mokonzi) und Rasaq (Roxana Samadi) sind in Berlin Wedding aufgewachsen. Die jungen Frauen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Sie versuchen, mit einem zufälligen Fund das schnelle Geld zu machen. Dabei finden sie heraus, ob ihre besondere Freundschaft zueinander das aushält.

Bist du selbst eher behütet aufgewachsen und hast beziehungsweise hattest du auch eine verrückte Mädels-Clique um dich?

Ich habe schon das Glück, dass ich im Vergleich zu Jazz auf jeden Fall aus einem behüteten Elternhaus komme. Ich habe tatsächlich auch eine Gruppe von Freundinnen, mit der ich mich so oft es geht treffe. Aber das ist oft gar nicht so einfach, weil ich viel unterwegs bin. Gerade drehe ich zum Beispiel "The Magic Flute" auf Teneriffa. Auch hier habe ich zwei Mädels, mit denen ich spiele und wir verstehen uns super. Nach dem Drehtag gehen wir zum Beispiel auch zu dritt an den Pool.

"Ich finde Freundschaft unglaublich wichtig und bin auch sehr liebevoll in meinen Freundschaften."

Also treten auch immer wieder neue Menschen in dein Leben?

Genau. Das ist ganz schön, weil man immer wieder tolle, neue Kolleginnen kennenlernt – wie jetzt auch die Kolleginnen von "Para". Ich gerate immer wieder in eine Gruppe, mit der ich mich toll verstehe. Ich finde Freundschaft unglaublich wichtig und bin auch sehr liebevoll in meinen Freundschaften.

Wie viel Jeanne steckt in Jazz?

Was Jazz und Jeanne gemeinsam haben, ist, dass sie beide ehrgeizig sind und ein Ziel vor Augen haben, was sie verfolgen. Ich wollte zum Beispiel immer Schauspielerin werden. Wenn ich mit 15 Jahren irgendwelche Filme geschaut habe, habe ich nachgeguckt, wer der Caster war und wer Regie geführt hat. Dann habe ich denen einfach E-Mails geschrieben und gesagt: "Hallo, ich bin Jeanne und ihr müsst mich unbedingt zum nächsten Film einladen." Jazz ist eigentlich auch ein total euphorischer Mensch und probiert, trotz der Umstände das Leben positiv zu sehen. Ich würde sagen, dass ich das auch bin.

Fanta (Jobel Mokonzi), Jazz (Jeanne Goursaud)

Fanta (Jobel Mokonzi) und Jazz (Jeanne Goursaud) haben in der Serie eine enge Freundschaft zueinander. 2021 WarnerMedia/ W&B Television

War das für dich auch der Reiz, die Rolle der Jazz anzunehmen?

Ja, auf jeden Fall. Es hat einfach unfassbar viel Spaß gemacht, diese Rolle zu spielen und ihr Leben einzuhauchen. Özgür Yildirim ist zudem ein unfassbar toller Regisseur, ich kann es nur immer wieder sagen. Ich würde so gerne öfter noch mit ihm arbeiten. Er gibt einem so viel Freiraum und entwickelt mit einem zusammen die Rolle. Aber gleichzeitig sagt er auch: "Jetzt vergiss mal das, was im Drehbuch steht. Inhaltlich müssen wir da zwar dranbleiben, aber sag das mal so, wie du denkst, wie deine Rolle es sprechen würde." Das war einfach toll und es hat ganz viel Spaß gemacht, so zu arbeiten.

"Am Anfang, als die Follower kamen, nachdem 'Barbaren' ausgestrahlt wurde, war das auch total einschüchternd."

In der Serie will deine Rolle Jazz ein Social-Media-Star werden. Im wahren Leben bist du ausgebildete Schauspielerin, hast aber auch mit über 130.000 Abonnenten auf Instagram eine große Community.

Ich würde mich gar nicht als Social-Media-Star beschreiben. Und ich würde meiner Rolle Jazz sagen, dass es sich gar nicht anders anfühlt. Am Anfang, als die Follower kamen, nachdem "Barbaren" ausgestrahlt wurde, war das auch total einschüchternd. Ich habe mir auch kurzzeitig Gedanken darüber gemacht, oh Gott, gibt es jetzt auch ein paar Dinge, die ich nicht mehr posten kann oder sind manche Dinge zu privat.

Hast du bereits mit Hasskommentaren Erfahrungen gemacht?

Nein, bisher gar nicht. Ich hoffe natürlich, dass das auch so bleibt. Da "Para" eine jüngere Generation anspricht und ich in der Serie auch sehr freizügig bin, weiß ich nicht, ob es sich nun ändern wird. Ich hoffe natürlich nicht, aber ich kann es mir noch eher vorstellen als nach "Barbaren".

Jazz (Jeanne Goursaud), Rasaq (Roxana Somadi), Fanta (Jobel Mokonzi), Hajra (Soma Pysall)

Die Schauspielerinnen zeigen bei "Para", wie wichtig Zusammenhalt ist. 2021 WarnerMedia/ W&B Television

Du hast mit 25 Jahren bereits ein umfassendes Repertoire an Kino- und TV-Produktionen auf dem Zettel. Für was möchtest du deine Reichweite besonders nutzen?

Ich finde, es gibt immer wieder Themen, bei denen es wichtig ist, diese anzusprechen und für die man auch seine Reichweite unbedingt nutzen sollte. Ich unterstütze beispielsweise die Menschenrechtsorganisation "Hawar.help" und engagiere mich für die Bildungsinitiative "GermanDream". Wir gehen dafür in Schulen und sprechen mit Schülern über Chancengleichheit und Mobbing. Vergangenes Jahr habe ich nach "Barbaren" noch bei einer Spendenaktion für Lesbos mitgemacht. Da habe ich den Speer von "Barbaren", mit dem ich als Thusnelda gekämpft habe, zur Auktion freigegeben.

"In der Künstlerbranche ist es nicht selbstverständlich, weiter arbeiten zu können – vor allem, was die Bühne angeht."

Du hast während der Corona-Krise Glück und kannst weiterhin drehen.

Ja, total. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich noch unter Corona-Bedingungen drehen kann. Wir werden jeden Tag getestet. Ich kann die Stäbchen natürlich auch nicht mehr sehen, die mir immer in die Nase gesteckt werden, aber es gehört nun mal aktuell dazu. In der Künstlerbranche ist es nicht selbstverständlich, weiter arbeiten zu können – vor allem, was die Bühne angeht. Die Theater sind gerade alle geschlossen, Bühnentechniker beispielsweise, und viele andere mehr, haben richtig zu leiden.

"Para" habt ihr auch unter Corona-Bedingungen gedreht.

Ich habe mit den anderen drei Mädels zusammen für drei Monate in einem Haus – also in einer WG – gewohnt. Wir hatten sozusagen eine Quarantäne-WG. Das war natürlich krass, denn wir kannten uns am Anfang größtenteils gar nicht und sind dann direkt zusammengezogen. Tag und Nacht waren wir dadurch aufeinander.

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Jeanne Goursaud ist hier an der Seite der anderen Hauptdarstellerinnen Roxana Samadi, Soma Pysall und Jobel Mokonzi zu sehen. 2021 warnermedia/ w&b television

Das ist ziemlich viel Zeit, die ihr also zwangsweise miteinander verbringen musstet...

Wir haben nicht nur zusammen gedreht, sondern auch noch zusammen Abendbrot gegessen und sind zusammen ins Bett gegangen. Ich muss sagen, da ist zu den Mädels eine richtig enge Freundschaft entstanden. Wir haben uns echt super verstanden. Da gab es jetzt keine Zickenkriege oder so. Das war ganz toll, weil wir die Freundschaft, die in "Para" erzählt wird, gar nicht mehr spielen mussten, sondern die war einfach da.

"Das wissen wir noch nicht, aber wir hoffen natürlich alle auf eine zweite Staffel."

Wen von den jungen Frauen kanntest du denn schon vorher?

Mit Soma hatte ich vor acht Jahren eins meiner ersten Projekte, und zwar war das die Serie "In Your Dreams". Da habe ich sie mal getroffen, aber danach nicht mehr gesehen. Wir haben uns sehr gefreut, dass es jetzt wieder zur Zusammenarbeit gekommen ist.

Was sind deine nächsten Projekte?

Im Januar habe ich angefangen, "The Magic Flute" zu drehen. Dort habe ich auch gesungen und getanzt. Das war auch etwas ganz Neues, für die Rolle hatte ich extra Gesangsunterricht. Jetzt fanden die letzten Drehtage statt und als nächstes kommt wie jedes Jahr die Krimireihe "In Wahrheit". Von August bis Dezember drehe ich dann schon wieder für "Barbaren" die zweite Staffel.

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Jeanne Goursaud hofft, dass es mit "Para" weitergeht. lena faye

Wird es auch eine Fortsetzung von der ersten Staffel "Para" geben?

Das wissen wir noch nicht, aber wir hoffen natürlich alle auf eine zweite Staffel. Mal sehen, wie es ankommt. Erst einmal haben wir sechs Folgen abgedreht.

Die neue Serie "Para – Wir sind King" läuft ab dem 22. April immer donnerstags um 21 Uhr auf TNTSerie.

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