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"DSDS": Comeback von Dieter Bohlen wird zum Bumerang – RTL blamiert sich

Dieter Bohlen ist zurück bei "DSDS" – und sorgt schon bei den Castings für einen Eklat.
Dieter Bohlen ist zurück bei "DSDS" – und sorgt schon bei den Castings für einen Eklat.bild: rtl
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"DSDS": Dieter Bohlens Comeback wird zum Bumerang – RTL blamiert sich

27.01.2023, 08:19
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RTL und Dieter Bohlen, das ist eine turbulente Beziehung. 2021 zeigten ihm die Verantwortlichen die Tür, man wollte familienfreundlicher werden und künftig doch lieber ohne seine fiesen Sprüche auskommen. Nur eine Staffel später folgte die Kehrtwende, plötzlich war der Poptitan wieder der große Hoffnungsträger. Die zwischenzeitliche Jury unter Silbereisen hatte schlechte Quoten eingefahren, am Ende waren den Chefs die Zahlen doch wichtiger als der Wille zur Haltung.

Eben das aber fliegt dem Sender jetzt um die Ohren, denn schon zu Beginn der Jubiläumsstaffel ist es ausgerechnet Bohlen, der für einen Eklat sorgt. Und RTL verhält sich dazu, milde formuliert, nicht gerade souverän.

Bohlen lässt sich für sexistischen Spruch feiern, RTL sieht zu

Der jüngste "DSDS"-Aufreger dreht sich um Kandidatin Jill Lange, die in der Sendung von ihrer Dating-Show-Erfahrung berichtete. Daraufhin fragte Bohlen: "Hast du irgendwas Normales gemacht? Oder hast du nur Abi und dich durchnudeln lassen?"

RTL gab dem 68-Jährigen Rückendeckung und erklärte, Jill hätte den Wettbewerb zu jeder Zeit verlassen können, tat dies aber nicht. Man sehe auch keinen Anlass, die betreffende Szene aus der Ausgabe zu entfernen. Peinlich nur für RTL, dass die Sequenz im Zuge der linearen Ausstrahlung am Mittwoch dann doch nicht gezeigt wurde.

Kandidatin Jill wurde von Dieter Bohlen böse angegangen.
Kandidatin Jill wurde von Dieter Bohlen böse angegangen.bild: RTL / Stefan Gregorowius

Als wäre es nicht unangenehm genug, sich in dieser Situation schützend vor den "Peiniger" statt vor das Opfer zu stellen, bekam der Sender im Anschluss also auch noch kalte Füße.

Derweil lässt sich Dieter Bohlen von seinen Fans feiern. In seiner Instagram-Story teilte er Zuschriften, die ebenfalls für ihn und seine Entgleisung Partei ergreifen (auch hier der Tenor: Die Kandidatin ist selbst schuld, man wisse ja, worauf man sich einlasse), während Jill in einem Video auf ihrem Kanal in Tränen ausbrach. Zynischer wird deutsches Fernsehen nicht mehr. Immerhin Bohlens Co-Jurorin Katja Krasavice äußerte sich kritisch, steht damit aber bislang allein auf weiter Flur.

RTL hat ein Dieter-Bohlen-Problem

Letztlich darf eigentlich niemand überrascht sein. Bohlen wurde geholt, um zu eskalieren, denn das bringt am Ende des Tages die Quoten. Jetzt liefert er ab wie erwartet und versprochen, will anscheinend mit einem Knall in "DSDS"-Rente gehen. In erster Linie in die Pflicht genommen werden muss daher also RTL, denn der Sender gibt die Plattform und bestimmt damit auch immer ein Stück weit das Geschehen.

HANDOUT - 29.09.2022, ---: Leony (l-r), Katja Krasavice, Pietro Lombardi und Dieter Bohlen, Jury-Mitglieder der Castingshow
Die "DSDS"-Jury ist 2023 wieder neu um Dieter Bohlen aufgestellt.Bild: RTL / Stefan Gregorowius

Jedoch ist RTL in keine Richtung wirklich konsequent, und das ist ein Problem. Kommt nämlich der mediale Shitstorm wirklich, folgt ein Rückzieher, aber ohne öffentliche Entschuldigung bei der Betroffenen.

Die Angelegenheit wird feige ausgesessen bis zum nächsten Bohlen-Spruch. Wäre die Sexismus-Szene am Mittwoch wenigstens gezeigt worden, hätte das immerhin von Rückgrat gezeugt – wenn auch in denkbar bösester Ausprägung.

Schon jetzt schickt sich das Bohlen-Comeback an, zum Bumerang zu werden, zumal die Jubiläumsstaffel erst am Anfang steht. RTL hat bereits einiges an Glaubwürdigkeit verspielt, würde sich aber dennoch einen Gefallen damit tun, eine Bohlen-Strategie zu entwickeln. Zumindest irgendeine.

Im Gegenteil findet RTL Wege, alles noch schlimmer zu machen. Gegenüber "t-online.de" heißt es nun: "Die Folge so als Preview auf RTL+ zu stellen war ein Fehler", Bohlens Satz falle aus dem Rahmen. Das klingt eher danach, als bemitleide sich der Sender vor allem dafür, die Sache nicht richtig vertuscht zu haben.

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Das Bohlen-Dilemma wird auch umso relevanter mit Blick auf Gerüchte, wonach der Sender sich den Poptitan schon für die Zeit nach "DSDS" warmhält. Wie die "Bild" berichtete, wird mit einem ganz neuen Format für den Erfolgsproduzent geliebäugelt. Die Kollaboration könnte also weitergehen, und die Probleme könnten es auch, da Bohlen sich den Mund nicht verbieten lässt. Dies wird er nicht müde zu betonen.

RTL macht es sich zu einfach

Wie weit darf ein Sender Profit aus den naiven Träumen einfach gestrickter Menschen schlagen? Diese Diskussion flammt Jahr für Jahr auf, und das bei so gut wie jeder Castingshow. Ihre Berechtigung verliert die Frage nicht, denn RTL zieht sich hier regelmäßig viel zu leicht aus der Affäre.

Natürlich, die Teilnehmenden sind über 16 Jahre alt und können selbstständige Entscheidungen treffen. Sie alle kennen Dieter Bohlen, sie alle müssten wissen, was passieren kann. Und doch ist die Hoffnung auf ein klein wenig Ruhm oft so viel stärker, manchmal überschattet sie den Verstand.

Bei Jill Lange allerdings ging es gar nicht darum, einen gehässigen Elfmeter zu versenken, weil mal wieder eine Person bei der Jury aufschlug, die optisch nicht der gesellschaftlichen Norm entsprach oder besonders einfältig wirkte. Jills Verhängnis war es, dass sie als erwachsene Frau Männer kennenlernte wollte. Schwach, RTL und Dieter Bohlen. Ganz schwach.

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