Chris Tall, Mario Barth und Oliver Pocher ermitteln den

Chris Tall, Mario Barth und Oliver Pocher ermitteln den "König der Kindsköpfe". Bild: TVNOW / Frank W. Hempel

Meinung

"König der Kindsköpfe": Ein Comedian zerstört die Pocher-Show

"König der Kindsköpfe" mit Oliver Pocher, Mario Barth und Chris Tall feierte am Dienstagabend bei RTL Premiere. Vorab bot das Format schon so manchem Kritiker Angriffsfläche, ganz im Sinne von: "Soll das etwa Deutschlands Comedy-Spitze sein? Erbärmlich!" Und zumindest einer der Beteiligten war dann auch wirklich nur peinlich mit anzusehen.

Gemeint ist Mario Barth, der mit seinem Stand-up-Programm Stadien füllt, während sein Erfolg für andere ein großes Rätsel bleibt. Bei der Premiere von "König der Kindsköpfe" erwies er sich schnell als absoluter Fremdkörper. Nach fast vier Stunden hatte die Berliner Schnauze längst nichts mehr zu melden.

"König der Kindsköpfe" – Die Comedians im Vergleich

"König der Kindsköpfe" erwies sich insgesamt zwar eher als ein müder "Schlag den Raab"-Abklatsch. Die Sendung zeigte aber auch deutlich, dass Pocher, Tall und Barth gerade nicht in einem Atemzug genannt werden sollten, was ihren Unterhaltungswert betrifft.

So demonstrierte Pocher, dass er durchaus eine Sendung wie diese moderieren kann, Backstreet-Boys-Moves inklusive. Er strahlt ein gesundes Maß an Gelassenheit aus und hatte die Show dennoch jederzeit im Griff. Sein loses Mundwerk war etwas heruntergefahren, aber das stand "König der Kindsköpfe" gar nicht mal schlecht zu Gesicht.

Chris Tall hingegen überzeugte durch seinen Einsatz. Dass er den Kampfsport-erfahrenen Barth mit sieben zu zwei Punkten aus dem Studio fegt, war nicht unbedingt abzusehen gewesen. Sogar Kreislauf-Probleme nach dem ersten Wettkampf schüttelte er ab, biss die Zähne zusammen. Mental wie körperlich behielt er klar die Oberhand.

Für lustige Momente sorgte Tall weniger, andererseits drängte er sich auch nicht in den Vordergrund. Keine schlechte Taktik, wenn man ohnehin schon so extrovertierte Persönlichkeiten wie Pocher und Barth neben sich hat. Am Ende des Tages ist "König der Kindsköpfe" auch ein Wettbewerb und Chris Tall liefert ab. Kein Vorwurf. Steckt man ihn und Pocher in einen Topf und rührt kräftig um, erhält man etwa die Qualitäten, die Stefan Raab ausmachen.

Die einzige komplett überflüssige Komponente in diesem System heißt... Mario Barth.

Das Mario-Barth-Phänomen und seine Grenzen

Mario Barth kann Menschen unterhalten, wenn er auf der Bühne seine Stand-up-Routine abspult, die bis aufs letzte Wort einstudiert ist. "König der Kindsköpfe" verlangt jedoch ganz andere Qualitäten, die der Berliner bis zum Schluss schuldig blieb.

"König der Kindsköpfe": Mario Barth versagt bei "Shit-Giganten". Bild: TVNOW / Frank W. Hempel

Sein wohl größtes Manko: Ihm schien jede Motivation zu fehlen. Beim dritten Durchgang von "Ich bin ein Star, schiebt mich hier raus" ließ er Chris Tall quasi gewähren, nachdem dieser bereits die ersten Runden für sich entschieden hatte. Danach wurde es kaum besser und Barth wirkte, als wäre er nur noch wegen seines Gehaltschecks anwesend.

Eine besonders schlechte Figur gab Barth immer dann ab, wenn er seine Komfortzone verlassen musste. Ein gutes Beispiel dafür ist der Contest "Die Shit-Giganten", bei dem es darum ging, immer eine Textzeile eines 90er-Jahre-Hits auswendig "aufzusingen". Mario Barths Kommentar:

"In den 90ern hab' ich gesoffen!"

Übersetzt heißt das in diesem Fall: Kann ich nicht, keine Lust! Bereits beim ersten Song ("Sex Bomb" von Tom Jones feat. Mousse T.) wiegelte der Comedian mehrmals mit "Keine Chance!" ab anstatt einfach das Beste aus seinem Nichtwissen zu machen. Hat hier etwa ein Berufskomiker Angst davor, sich zu blamieren? Improvisation ist ein Faktor, von dem "König der Kindsköpfe" massiv profitieren würde. Was also sucht Mario Barth in der Sendung?

Teil zwei wird Barth "nur" moderieren, was aber nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Am Dienstagabend demonstrierte er nämlich insbesondere, wie begrenzt sein Potenzial als Entertainer ist. Wenn er schon bei den vorgegebenen Wettbewerben stocksteif agiert, wie soll er dann souverän die Show schultern? Nicht zuletzt dank Pochers leitender Hand war der erste Part von "König der Kindsköpfe" gerade noch erträglich. Jetzt kann es eigentlich nur noch bergab gehen.

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