Hanna Sökeland wurde als Princess Charming von 19 Singledamen umkämpft.
Hanna Sökeland wurde als Princess Charming von 19 Singledamen umkämpft.bild: rtl
Meinung

Wenig Aufklärung, viele Fehler: Darum enttäuschte die zweite Staffel der Dating-Show "Princess Charming"

16.08.2022, 09:52

Ein Jahr lang haben sich Reality-TV-Fans auf die zweite Staffel von "Princess Charming" gefreut. Vor gut drei Monaten war es dann so weit: RTL+ zeigte wieder Liebessuche-Abenteuer aus Griechenland. Für den Sender ist die Dating-Show eigentlich eine Art Homerun, denn als queere Show im deutschen Fernsehen garantiert sie großes Zuschauerinteresse. Doch in diesem Jahr brachte das beliebte Format wohl ein bisschen "Trash" zurück ins Trash-TV.

Zugegeben, die Erwartungen waren immens hoch. Doch bei einem Format, welches im Vorjahr für seine Diversität und seinen Tiefgang mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, ist die Messlatte nun mal höher als bei "Temptation Island". Doch dass die zweite Staffel nach nicht einmal der Hälfte der Folgen wegen schlechter Einschaltquoten erst auf einen Sendeplatz mitten in der Nacht verlegt und dann sogar ins Netz verbannt wurde, verrät schon, dass die hohen Erwartungen nicht erfüllt wurden.

"Princess Charming"-Cast: Das fehlte dieses Jahr

Im Zentrum der Kuppelshow stand in diesem Jahr als Princess Hanna Sökeland. Dass es sich bei ihr um eine kontroverse Wahl handelte, zeigte sich bereits nach nur wenigen Folgen. Im TV wirkte die 28-Jährige oft unbeholfen oder distanziert. Viele Fans empfanden die Projektleiterin aus Hannover sogar als unsympathisch oder unnahbar. Im Gespräch mit watson vor Ausstrahlung der Show wirkte die Halbbrasilianerin noch deutlich souveräner. Doch fast kam es so rüber, als wäre sie entweder fehl am Platz in der Rolle als Princess, oder die Hannoveranerin tat sich extrem schwer mit den ständig anwesenden Kameras.

19 Kandidatinnen kämpften in der zweiten Staffel der lesbischen Dating-Show "Princess Charming" um die Princess Hanna Sökeland.
19 Kandidatinnen kämpften in der zweiten Staffel der lesbischen Dating-Show "Princess Charming" um die Princess Hanna Sökeland.bild: rtl

Um ihr Glück bei Hanna Sökeland zu versuchen, reisten 19 Kandidatinnen nach Griechenland. Doch wie auch bei Hanna selbst gelang den Castern kein großer Coup. Zwar bezogen sehr sympathische und auch diverse Menschen die Villa, doch es fehlten die herausstechenden Stimmen, die im vergangenen Jahr mit ihrem Aktivismus maßgeblich zum Erfolg der Sendung beigetragen hatten.

Auch zwischen Princess und Bewerberinnen lief es nicht reibungslos. Insgesamt vier Kandidatinnen entschieden sich dazu, freiwillig die Show zu verlassen. In einem Youtube-Interview nach der Sendung gab eine weitere Person des Casts sogar zu, ebenfalls aus freien Stücken den Hut geworfen zu haben – das wurde allerdings in der Post-Produktion rausgeschnitten.

"Princess Charming"-Produktion bekleckert sich nicht mit Rum

Während die erste Staffel damals fast schon überraschend gute Aufklärungsarbeit durch informative Gespräche leistete, erteilte sich die Produktion dieses Jahr beinahe selbst einen Bildungsauftrag. Jede Folge wurde bis zum Rand mit Aufklärung gefüllt. Anstelle von natürlich aufkommenden Gesprächen über gesellschaftliche Tabuthemen oder persönliche Erfahrungen fielen gehäuft problematische Aussagen auf. Bemerkungen wie "Hauptsache Loch" oder Körperbehaarung als "böse Überraschung" zu bezeichnen, blieben unadressiert und unkommentiert. Auch in kleinen Dosen aufkommende Trans- und Frauenfeindlichkeit flog in diesem Jahr wohl unter dem Radar der Produktion.

Man entschied sich dagegen, Aussagen anzusprechen und darzustellen als das, was sie sind: nämlich hochgradig problematisch. Die fraglichen Elemente wurden aber auch nicht rausgeschnitten, sondern ausgestrahlt. Doch diese Problematik sollte sich durch die diesjährige Staffel ziehen.

"Princess Charming": Großer Aufreger mit viel Diskussionspotential

Sinnbildlich dafür steht Folge fünf: Über "Princess Charming" 2022 kann man wohl kein finales Fazit schreiben, ohne sie zu erwähnen.

Eine Woche zuvor konnte das Publikum sehen, wie Kandidatin Amelia sich in einem ruhigen Moment an Hanna wandte, um ihr etwas ganz Persönliches anzuvertrauen: Die Teilnehmerin leidet seit Jahren unter einem Kusstrauma. Ungefragt geküsst zu werden, verängstigt die Osnabrückerin. Als es aber in der darauffolgenden Woche zu einer wilden Partynacht in der Villa kommt, hatte Princess Hanna dieses Geständnis schon wieder vergessen. Beim reizvollen Tanzen drückte sie Amelia einen Kuss auf den Mund – ohne sie vorher zu fragen.

RTL+ entschied sich auch hier, diese Szene auszustrahlen, ohne zuvor eine Trigger-Warnung einzublenden oder die Situation im Anschluss aufzuarbeiten. Es wurde nicht klargestellt, dass hier eine Grenzüberschreitung stattgefunden hatte. Es ist die gleiche Produktion, die sich noch in Staffel eins dagegen entschieden hatte, Handgreiflichkeiten zwischen zwei Kandidatinnen für Drama und Einschaltquote zu missbrauchen. Nun wurde eine traumatische Situation eines Menschen deutschlandweit gesendet.

"Playboy"-Cover und Kandidatinnen-Lovestory stehlen die Show

Es sind kontinuierliche Fehler, die sich durch die Show ziehen und "Princess Charming" rückblickend enttäuscht haben. Die Sendung, die im vergangenen Jahr so begeisterte, hinterlässt somit einen eher bitteren Nachgeschmack.

Die "Playboy"-Ausgabe mit Princess Hanna Sökeland auf dem Cover sorgte ebenfalls nicht für die Repräsentation, für die die erste Staffel so viel Lob erntete. Eine queere Frau, inszeniert auf dem Magazin mit dem Slogan "Was Männer Lieben!", kann durchaus als Rückschritt verstanden werden. Denn Lesben kämpfen oft genug gegen die Objektifizierung der eigenen Sexualität.

Auch der Fokus auf die große Liebe ging verloren. Vielmehr stand plötzlich eine ganz andere Lovestory im Vordergrund. Die Kandidatinnen Paula und Dora verstanden sich nämlich in der Villa von Folge zu Folge immer besser. Beim Zuschauen begeisterten die beiden durch ihre offene Kommunikation miteinander und sorgten dafür, dass Princess Hannas eigene Suche nach der großen Liebe in den Hintergrund rückte. Schließlich entschieden sich Paula und Dora füreinander und reisten gemeinsam aus Griechenland ab.

Letzter Anlauf Reunion-Show

Für gewöhnlich dienen Reunions beim Trash-TV zur Aussprache unter den Kandidat:innen. In diesem Falle wäre es vielleicht keine schlechte Idee, wenn RTL+ und die Produktion die Sendezeit nutzen würden, um etwas Einblick hinter die Kulissen und in die Entscheidungen zu gewähren oder vielleicht die übergriffige Situation endlich zu adressieren.

Sollte all das aber nicht angesprochen werden, dann sollte wenigstens die Frage beantwortet werden, ob Paula und Dora mittlerweile ein Paar sind. Die beiden sind nämlich beim Wiedersehen dabei, das von Lola Weippert moderiert wird und am Dienstag online geht.

(ckh)

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