Kürzlich hat das "ZDF Magazin Royale" um Jan Böhmermann wieder mal ein brisantes Thema genauer unter die Lupe genommen: Diesmal war der Ticketanbieter Eventim an der Reihe. Wie schon öfter geschehen, hat auch dieser Beitrag Wellen geschlagen: Es geht um unnötige Gebühren für Kund:innen und Veranstalter. Es geht um Vetternwirtschaft, und um die Machtausübung eines gigantischen Unternehmens.
Zugegeben: Ganz neu war das Thema nicht. Aufgedeckt hatte das Ganze vor Kurzem eine dreiteilige BR-Dokumentation. Dennoch hat der Böhmermann-Beitrag nochmals an die Oberfläche gebracht: Die Kulturszene hat ein Monopol-Problem. Doch was soll man als Fan von Konzerten, Festivals oder Sportevents jetzt machen?
Nun: Wann immer das möglich ist, hilft es, gute Alternativen zu nutzen. Und auch wenn man hier etwas genauer schauen muss: Es gibt sie. Watson zeigt sie euch.
Zunächst muss man zwei Punkte ehrlich zugeben: Erstens kommt man bei vielen Events – vor allem den sehr großen – nicht drumherum, auf Eventim zurückzugreifen. Zweitens handelt es sich bei der Konkurrenz teilweise ebenfalls um sehr umsatzstarke Unternehmen. Dem eigentlichen Problem geht man also durch den Wechsel des Verkäufers noch nicht aus dem Weg. Alternative Anbieter, bei denen ihr eure Tickets aber zumindest sicher kaufen könnt, sind:
Dass diese Plattformen sicher sind, muss leider deshalb hervorgehoben werden, weil es diverse Zweitanbieter gibt, die ihr aus guten Gründen nicht nutzen solltet – so etwa Viagogo oder Stubhub.
Doch wie beschrieben: Ein großer Teil des Problems bleibt bestehen. Gerade das internationale Ticketmaster fusionierte 2010 mit dem amerikanischen Konzertveranstalter Live Nation – unter anderem, weil dieser dem übermäßigen Einfluss von Ticketmaster entgegenwirken wollte. Das heißt, ohne explizit gegen diese Plattformen schießen zu wollen: Neuere und kleinere Alternativen, die fairen und innovativen Ticket-Kauf in der Kulturbranche schaffen wollen, haben es schwer.
Drei Dinge, die ihr dennoch in der Hand habt:
Es ist nicht immer möglich, aber oft genug: Einfach beim Ticket-Kauf kurz checken, ob die Karten auf der Website der Band oder des Veranstalters bestellbar sind. Falls ja, hat das gleich mehrere Vorteile: Ihr spart Geld, weil die Vorverkaufsgebühren meist niedriger sind. Ihr unterstützt den Veranstalter oder die Location, weil auch diese beim Direktverkauf weniger Gebühren ausschütten müssen.
Was man dadurch auch unterstützt: Einige Veranstalter, die etwa für den eigenen Verkauf zu groß sind, kooperieren mit fairen Ticket-Händlern, die einen Vertrieb über die eigene Website dennoch ermöglichen – statt auf eine der großen Plattformen zu setzen. "Tickettoaster" ist ein Beispiel dafür, das bereits Fettes Brot unterstützt hat, die Fantastischen Vier, sowie mit Festivals wie dem Summer Breeze Open Air zusammenarbeitet.
Watson hat bei letzterem nachgefragt, inwiefern dies eine bessere Lösung für den Veranstalter ist. Alex "Lahnsteiner" Härtel vom Summer Breeze O.A. erklärt:
Als Veranstalter nicht auf die gängigen Plattformen zu setzen, sei eine Herausforderung. Lahnsteiner könne verstehen, wenn Veranstalter sich auf deren großen Netzwerke verlassen wollen. Dennoch würde er sich wünschen, dass sich auch andere Festivals für das "Inhouse Ticketing" entscheiden würden. Man habe dadurch gestalterischen Freiraum, könne Gebühren selbst bestimmen, eigenes Marketing betreiben und sei nah an den Kund:innen:
All das unterstützt man auch als Fan, indem man den Direktkauf über die Website wählt.
Es gibt noch nicht viele von ihnen, aber "Dice" ist ein gutes Beispiel für aufstrebende Apps, die den Ticketverkauf einfach selbst in die Hand nehmen. In Ländern wie den USA, Frankreich, Spanien oder Italien ist das Unternehmen bereits länger etabliert. In Deutschland versucht es seit 2022, Fuß zu fassen.
Die App weist Parallelen zu Spotify auf, da man dort beliebigen Künstler:innen "folgen" kann, auf deren Basis schließlich ähnliche Konzerte vorgeschlagen werden. Überteuerten Tickets soll dabei entgegengewirkt werden. Karten, die zurückgegeben werden, gehen sicher und preiswert an die nächsten Interessenten.
Der einzige Haken: Noch hält sich das Angebot an möglichen Konzerten in Grenzen. Durch erste große Kooperationen laufen jedoch 2023 etwa das Splash!-, Melt- und Full-Force-Festival über "Dice". Das lässt positiv nach vorne blicken.
Und wo man schließlich ebenfalls nichts falsch machen kann, ist beim guten alten Ticket-Verkauf deiner Stadt. Informiert euch, welche Standorte es hierfür in eurer Gegend gibt. In Berlin etwa befindet sich die Koka36, bei der man sowohl vor Ort seine Tickets bekommen, als auch über die Website bestellen kann.
In diesem Fall ist ein positiver Nebeneffekt, dass man mit dem Kauf nicht nur die Event-Szene unterstützt, ohne zu hohe Gebühren zu zahlen, sondern – zumindest vor Ort – auch einen persönlichen Kontakt vor sich hat, der den losen Klick im Internet durch ein nettes Gespräch und vielleicht weitere Konzerttipps ersetzen kann.