Nicht nur die Stadt York will von ihrem Titelträger nichts mehr wissen – auch das Königshaus wendet sich immer mehr ab.
Nicht nur die Stadt York will von ihrem Titelträger nichts mehr wissen – auch das Königshaus wendet sich immer mehr ab. Bild: dpa / Neil Hall

Nach Missbrauchsskandal: Palast will Prinz Andrew weitere Titel entziehen

21.01.2022, 09:01

Die Vorwürfe sind seit Langem bekannt: Es geht um erzwungenen Sex und den Missbrauchsskandal um den US-Unternehmer Jeffrey Epstein. Virginia Giuffre verklagte Prinz Andrew in den USA, weil er sie als Teenager sexuell missbraucht haben soll. Sie behauptete, sie sei von seinem Freund Jeffrey Epstein, dem mittlerweile gestorbene US-Unternehmer, und dessen Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell, die kürzlich in dem Fall schuldig gesprochen wurde, zum Sex mit dem Adligen gedrängt worden. Andrew bestritt die Vorwürfe kategorisch.

Der Buckingham Palast versucht nun alles, um sich von Prinz Andrews Rechtsstreit zu distanzieren.

Die Heimat wendet sich weiter ab

Der "Guardian" wies zuletzt auf Anpassungen auf der offiziellen Website der britischen Monarchie hin. Während der Prinz immer noch unter der Rubrik "Mitglieder der königlichen Familie" erscheint, entfernten Mitarbeiter des Königshauses die Sektionen mit Prinz Andrews einstigen militärischen Titeln und Schirmherrschaften, welche ihm die Queen jüngst entzog.

Die Queen lenkte wegen Prinz Andrew bereits ein.
Die Queen lenkte wegen Prinz Andrew bereits ein.Bild: imago images / Anwar Hussein

Der Palast gab letzte Woche bekannt, dass die Rollen auf andere Mitglieder der königlichen Familie aufgeteilt werden sollen. Mehr als 150 Veteranen der Royal Navy, Royal Air Force und der britischen Armee hatten sich zuvor in einem offenen Brief an die Queen gewandt und diese aufgefordert, ihren zweitältesten Sohn von seinen Rollen im Militär zu entbinden. Wie eine Quelle dem "Mirror" erzählte, sei der Prinz in Tränen aufgelöst gewesen, als er die Nachricht erhalten habe.

Andrew ist obendrein nicht mehr Königliche Hoheit, verliert die Anrede "HRH" ("His Royal Highness"). In dem Statement hieß es außerdem: "Der Herzog von York wird weiterhin keine öffentlichen Verpflichtungen übernehmen."

Wie ein Insider der "Daily Mail" verriet, will der Palast nun aber noch einen Schritt weitergehen. So soll der Prinz bald auch seine Funktion als Royal-Staatsrat los sein. Der Staatsrat, der beispielsweise im Krankheitsfall die Aufgaben der Monarchin übernimmt, setzt sich zusammen aus vier volljährigen Mitgliedern der Royal Family und orientiert sich an der Thronfolge. Neben Prinz Andrew und Prinz Harry haben aktuell noch Prinz Charles und Prinz William die Rolle des "Counsellor of State" inne.

Social Media Konten gelöscht

Inmitten der Missbrauchsvorwürfe sind offensichtlich auch die Social-Media-Kanäle von Prinz Andrew deaktiviert worden. Sein Twitter- und und YouTube-Profil existieren nicht mehr, Facebook und Instagram sind nicht mehr öffentlich zugänglich.

Keine Jubiläumsmedaille?

Zur Feier ihres 70-jährigen Thronjubiläums wird Königin Elizabeth II. im nächsten Monat spezielle Platin-Jubiläumsmedaillen verleihen – für dessen Erhaltung unter anderem eigentlich auch Prinz Andrew vorgesehen war. Die Medaillen gehen an Mitglieder der Polizei, der Feuerwehr, des Rettungsdienstes sowie an Blaublüter, die sich fürs Militär einsetzen. Dazu gehörten bis vor nicht allzu langer Zeit auch Andrew. Da ihm Titel und Schirmherrschaft jedoch mittlerweile komplett entzogen wurden, ist zu diesem Zeitpunkt unklar, ob dieser noch in Frage kommen würde.

(abd)

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