Rapperin Schwesta Ewa während des Prozesses in Frankfurt am Main.
Rapperin Schwesta Ewa während des Prozesses in Frankfurt am Main.
Bild: imago stock&people / Huebner

"Wie im Puff, wie im Zoo": Schwesta Ewa erinnert sich in neuer Doku an ihren Prozessauftakt

29.07.2021, 18:18

Schwesta Ewa ist seit Anfang des Jahres wieder in Freiheit. Die Rapperin war 2017 zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden, habe laut Anklage seinerzeit mehrere "Prostitutionsreisen" mit jungen Fans unternommen. Als sie ein Jahr zuvor in U-Haft kommt, werden ihr Menschenhandel, Zwangsprostitution, Ausbeutung, Zuhälterei, Körperverletzung und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Verurteilt wird sie letztlich wegen 35-facher Körperverletzung, Steuerhinterziehung und Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger. Da die gebürtige Polin mehrfach Revision einlegte, wurde sie erst Anfang 2020 inhaftiert.

Zunächst musste Ewa Malanda, wie die Rapperin mit bürgerlichem Namen heißt, ohne ihre kleine Tochter Aaliyah in Haft. Ein halbes Jahr später hat sie schließlich die Verlegung in ein Mutter-Kind-Gefängnis durchsetzen können. Nachdem sie zwei Drittel der Haftstrafe verbüßt hatte, wurde sie Anfang Februar 2021 aus dem Gefängnis entlassen.

Doch auch schon bevor Ewa mit ihrer Gefängnisstrafe Schlagzeilen machte, hatte sie ein bewegtes Leben, das sich in erster Linie im Rotlicht-Milieu in Frankfurt am Main angespielt hatte.

Schwesta Ewa in "Schwesta Ewa - Rapperin. Häftling. Mutter."
Schwesta Ewa in "Schwesta Ewa - Rapperin. Häftling. Mutter."
Bild: TVNOW

Nicht zuletzt deshalb war auch ihre Musik derart erfolgreich – die Geschichten, die sie als Ex-Prostituierte in ihren Lyrics verarbeitete, hatte sie oftmals selbst so erlebt. In der sechsteiligen TVNow-Doku "Schwesta Ewa – Rapperin. Häftling. Mutter", die seit dem 29. Juli abrufbar ist, wird ihre Geschichte noch einmal genauestens aufgerollt. Wegbereiter wie Xatar und Kolleginnen und Kollegen wie Juju, SSIO und Journalistinnen wie Visa Vie kommen dazu zu Wort.

In der ersten Folge geht es vor allem um ihre erste Zeit als Sexarbeiterin, ihre Verhaftung und den Prozessauftakt. Dabei erinnerte sich Ewa kommentierend daran, wie es war, erstmals vor Gericht zu erscheinen.

Schwesta Ewa erinnert sich in Doku daran, wie sie ins Visier der Ermittler geriet

Seit ihrem 17. Lebensjahr prostituierte sich Schwesta Ewa, arbeitete von 2004 bis 2010 in Frankfurt. Sie selbst erinnerte sich nun so an die Zeit:

"Wenn ich von einem Freier verprügelt wurde, hab ich mir die Haare gekämmt, die Tür aufgemacht und weitergemacht. Das war das Berufsrisiko. Das hat mich nie belastet."

Und weiter: "Es war eine geile Zeit, obwohl ich gar nicht so genau weiß, was daran so geil war. Ich habe einfach unglaublich viel Geld verdient. Das war einfach das Wichtigste." Mit ihrem damaligen Lebensgefährten hat Ewa 2015 eine Bar eröffnet, ab 2016 geriet sie ins Visier der Ermittler, wie es in der Dokumentation über sie heißt. So schildert die heute 37-Jährige darin ihre damalige Nebentätigkeit:

"Es gab schon vorher die eine oder andere Dame, die keine Chance hatte, an Kunden zu kommen oder halt zu blöd war. Und zu solchen habe ich dann gesagt: 'Hör mal zu, ich mache dir heute sechs Kunden klar, die geben dir alle 150 bis 200 Euro. Gib mal ein paar Prozente ab.' Die wollten mehr, mit mir weiterarbeiten und mir hat es gefallen, weil es ein lukratives Geschäft war und ich musste meinen Arsch nicht mehr hinhalten."

Während einer Plattenproduktion 2016 wird sie dann festgenommen. Den Haftbefehl und die Anklagepunkte habe sie aber kaum nachvollziehen können. Frauen, die für sie arbeiteten, hat sie beispielsweise Schönheits-OPs bezahlt. "Das wurde beschrieben, als ob ich den Frauen Geld gebe, damit sie mir was schuldig sind. Dabei war ich einfach reich", so Ewa.

Als die Rapperin dann im Juni 2017 erstmals zum Prozessbeginn vorgeführt wurde, war der Zuschauerbereich voll – alle hätten sie damals angestarrt: "Wie im Puff, wie im Zoo. Wenn die Freier an dir vorbeilaufen und irgendwelche dummen Sprüche klopfen." Und Ewa erinnert sich weiter: "Alle Leute gucken dich an, es geht um dein Leben und die wollen einfach dabei sein."

Schwesta Ewa wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Schwesta Ewa wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Bild: imago images/ Jan Huebner

Dass sie damals ungeschminkt erschien, wurde ihr als Masche ausgelegt, um unschuldig zu wirken, äußerte die Gerichtsreporterin Heike Borufka feststellte: "Schwesta Ewa hat alle sehr überrascht. Die ist natürlich auch schlau, die ist da ungeschminkt aufgetreten, die sah überhaupt nicht so aus, wie man sich eine Gangstarapperin vorstellt."

Im Streaming-Format stellte Ewa nun jedoch klar, wieso sie wirklich ungeschminkt erschienen ist:

"Du sitzt fast acht Monate in U-Haft, wirst in vielen Punkten zu Unrecht angeklagt und kriegst mit, dass dir zehn Jahre Haft drohen. Wer hat da Interesse sich zu schminken?"

Zumindest ihre Fingernägel waren lackiert. Hierzu äußerte sie schließlich: "Dass ich meine Nägel gemacht habe, lag nur daran, dass ich durch den ganzen Zigarettenrauch gelbe Nägel hatte."

In den kommenden Episoden wird es wiederum um ihre Tochter gehen – dass sie ohne sie, in einer wichtigen Entwicklungsphase des Mädchens von ihr getrennt worden ist, befanden viele Rap-Größen, die in "Schwesta Ewa" zu Wort kommen, als "unmenschlich.

(cfl)

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