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Robert Habeck war vor seiner Tätigkeit als Co-Chef der Grünen Ministerpräsident in Schleswig-Holstein. Bild: screenshot zdf

"Markus Lanz": Journalistin trifft hartes Baerbock-Urteil – Habeck stimmt zu

Nachdem Grünen-Politiker Oliver Krischer sich vergangene Woche bei "Markus Lanz" um Kopf und Kragen geredet hat, schlugen ganze 28 Parteikollegen die Einladung des ZDF-Moderators Lanz aus. Am Mittwochabend traute sich doch einer: Robert Habeck stellte sich den Fragen von Markus Lanz – die sich in erster Linie um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock drehten.

Habeck trat dabei gewohnt souverän auf und ließ sich auch von den moralischen Fragen des Moderators nicht aus der Reserve locken. Der Grünen-Chef machte klar: Einen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur wird es bei den Grünen nicht geben.

Das waren die Gäste bei "Markus Lanz" am 14. Juli 2021:

Robert Habeck gesteht Fehler von Baerbock ein

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Robert Habeck rechtfertigte bei "Markus Lanz" das Verhalten seiner Kollegin Annalena Baerbock. Bild: screenshot zdf

Ein gefälschter Lebenslauf, unangemeldete Nebeneinkünfte und kopierte Stellen in ihrem Buch – Annalena Baerbock hat in den vergangenen Wochen mit allerhand persönlichen Fehlern Schlagzeilen gemacht. Statt sich diese Fehler einzugestehen, holte die Kanzlerkandidatin der Grünen häufig zum Gegenschlag aus.

Kritikerinnen und Kritikern warf sie eine Schmierkampagne vor – ein Fehler, wie Robert Habeck nun bei "Markus Lanz" zugab.

Die Partei habe in den vergangenen Wochen so einige Fehler in der Kommunikation gemacht. Der Kernfehler jedoch sei gewesen „den Anderen eine moralische Diskreditierung zu unterstellen“. Davon schloss Habeck auch seine Kollegin Annalena Baerbock nicht aus. Sie sei jedoch auch diejenige gewesen, die diesen Fehler später korrigiert habe.

Helene Bubrowski nennt Baerbock "Korinthenkackerin"

"Was da passiert ist, ist ja ein wirklicher Gau", fasste Markus Lanz die Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock in ihrem Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" zusammen. So sei jede einzelne übernommene Stelle für sich kein Problem, in der Summe habe die Partei durch diesen Fall jedoch an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

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Helene Bubrowski beobachtet als FAZ-Journalistin das politische Geschehen in der Partei Bündnis '90/Die Grünen. Bild: screenshot zdf

Dies konnte auch Robert Habeck nicht leugnen. Nachdem er lange über die grundsätzliche Problematik der Populärwissenschaft gesprochen hatte, um damit sicher ein wenig vom eigentlichen Problem in seiner Partei abzulenken, gab er zu:

"Wir müssen jetzt Vertrauen wieder aufbauen."

Darin sah Habeck eine "immense Aufgabe". Dies sei laut Habeck jedoch längst kein Grund, Baerbock als Kanzlerkandidatin mit einer Hochstaplerin in Verbindung zu bringen, wie dies in einem Interview der Süddeutschen Zeitung passiert ist. "Das ist quasi Rufmord andersherum", urteilte der 51-Jährige.

FAZ-Journalistin Helene Bubrowski sah die Kritik an Annalena Baerbock bereits in ihrem Auftreten in der Vergangenheit verankert. "Diese Überheblichkeit, die da ausgestrahlt wird", bemerkte Bubrowski nach einem kurzen Video-Einspieler.

Baerbock habe sich stets als Sauberfrau inszeniert – "vielleicht auch ein bisschen Korithenkackerin". Mit den öffentlich gewordenen Verfehlungen Baerbocks in den vergangenen Wochen habe die Grünen-Chefin mit diesem Bild gebrochen.

Außerdem habe Baerbock es nicht geschafft, ausreichend zwischen legitimer Kritik und grundloser Diffamierung (als Frau) zu unterscheiden. Mit ihrem Verhalten habe Baerbock "alte Grünen-Komplexe" reproduziert, ein Freund-Feind-Denken

Robert Habeck nennt Rücktritt Baerbocks "politisch falsch"

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Markus Lanz führte am Mittwochabend ein langes Zwiegespräch mit Robert Habeck über Annalena Baerbock. Bild: screenshot zdf

Sollte Annelena Baerbock politische Konsequenzen ziehen und von ihrem Amt als Kanzlerkandidatin zurücktreten? Diese Frage warf Markus Lanz später auf. "Hätten Sie Verständnis dafür, wenn sie sagen würde, ich ziehe meine Kandidatur zurück, Robert, übernimmt jetzt bitte?", fragte Lanz an Habeck gerichtet. Doch der verneinte sofort.

"Ich würde das falsch finden", erklärte Robert Habeck daraufhin. Anschließend sprach er von der politischen Verantwortung, einen Wahlkampf als Kanzlerkandidatin abzuschließen. Ausdrücklich versicherte Habeck:

"Das wird nicht passieren. Das wäre auch falsch. Das ist keine Dikussion."

Ob er selbst in vier Jahren als Kandidat für das Kanzleramt antreten will, ließ Habeck dagegen offen. Die Frage danach beantwortete er ungewöhnlich ausweichend mit den Worten: "Jetzt erstmal erfolgreich abschließen." Offen lehnte der Grünen-Co-Chef damit einen Machtkampf an der Spitze seiner Partei ab. Doch er machte auch klar: Mit der Bundestagswahl 2021 wird sein Wunsch als Kanzler zu regieren längst nicht vergangen sein.

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