HANDOUT - 20.12.2022, -: Ex-Tennisstar Boris Becker sitzt vor dem Schriftzug "Boris Becker Sat.1 Spezial". Er gab ein Exklusiv-Interview, das in der Sendung «Sat.1 Spezial. Boris Becker» am  ...
Boris Becker erklärt, wie er die Zeit im Gefängnis erlebte.Bild: SAT.1/ Nadine Rupp
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Boris Becker über Zeit im Gefängnis: "Da geht es um das nackte Überleben"

21.12.2022, 06:0821.12.2022, 09:34

Boris Becker gab jetzt nach seiner Haftentlassung sein erstes Interview. Nach einer rund siebeneinhalbmonatigen Haftstrafe durfte er das Gefängnis in London verlassen und wurde umgehend nach Deutschland abgeschoben. Im "Sat.1 Spezial. Boris Becker" stellte sich der einstige Tennisstar jetzt den Fragen von Steven Gätjen. Seit einigen Tagen wurde umfangreich mit dem Interview geworben, das auch international vermarktet werden soll.

Gätjen traf Becker bereits im Vorfeld des Interviews und besuchte ihn auch im Gefängnis. Er meinte: "Ich glaube, dass er wirklich willens ist, aufzuräumen und viele Dinge klarzustellen." Vor allem sei ihm seine Beschreibung der ersten Tage im Gefängnis Wandsworth in Erinnerung geblieben: "Dort sitzen ja nicht nur Menschen ein, die finanzielle Straftaten begangen haben, sondern auch Sexualstraftäter, Mörder und Menschen, die große Raubüberfälle begangen haben."

Und weiter: "Boris Becker erzählte mir, dass er große Angst davor hatte, in einer Sammelzelle zu landen." Nun schilderte der dreifache Wimbledon-Sieger seine persönliche Sicht auf die vergangenen Monate.

Boris Becker spricht über gefährliche Situationen im Gefängnis

Nachdem Boris Becker verurteilt wurde, kam er zunächst ins Gefängnis Wandsworth, bevor er Mitte Mai ins Huntercombe verlegt wurde. Auf die Frage hin, ob der Sportler wüsste, was Wandsworth für ein Gefängnis sei, gab er an: "Das ist extrem groß, 1800 Gefangene, extrem schmutzig, extrem gefährlich, Mörder, Kinderschänder, Drogenhändler, Zelle an Zelle. Man trifft jeden. Das ist das Auffanggefängnis von London. Da geht es um das nackte Überleben. Dann kommst du in eine größere Auffangzelle mit 25, 30."

Und weiter: "Das erste Mal habe ich Angst gehabt. Da kann schon was passieren. Ich hatte zwei große Sorgen. Die erste war vor einer Doppelzelle, der Zellennachbar kann die Nerven verlieren, da hatte ich Schiss. Die zweite große Angst hatte ich vor dem Duschen. Es gibt eine große Dusche mit einzelnen Duschkabinen, aber du siehst da keinen Menschen nackt. Die ersten Sorgen waren dann vorbei. Das Gefängnis hatte Angst, dass Mitgefangene mich bedrohen. Aber ich war nicht der Einzige mit einer Einzelzelle."

Als Steven Gätjen Becker fragte, von was Gefahr ausginge, sagte er offen, was er erlebte: "Geld, sonst gehe ich dir an die Kehle." Schließlich wurde ein Bild von seiner Zelle eingeblendet. Dazu sagte er: "Hinten am Fenster mit dem Gitter war ein Lüftungsloch, meins war leider kaputt. Das war mein Zuhause. Was wir nicht in der Zelle haben, ist ein Spiegel. Du kannst ihn kaputt machen und als Waffe benutzen." Über den ersten Moment, als er sich wieder im Spiegel sah, meinte Becker: "Ich habe mich erschrocken, wie ich mich äußerlich verändert habe."

Im Gefängnis war es ihm vor allem wichtig, nicht aufzufallen. "Wenn die Zellentür zugeht, bricht die ganze Welt auf einen zusammen. Das war der einsamste Moment, den ich in meinem Leben hatte. Du versuchst, ruhig zu atmen, einen klaren Kopf zu bewahren. Ich war verzweifelt, hatte Angst. Ich wusste nicht, wie lange ich im Gefängnis bleiben muss", gab er offen zu. Mit 500 Häftlingen stand er für sein Essen an. "Ich hatte so einen Hunger, du isst alles. Es gab vor allem Reis und Kartoffeln mit einer Soße, am Wochenende gab es Hähnchen", erklärte er.

HANDOUT - 20.12.2022, -: Ex-Tennisstar Boris Becker beantwortet die Fragen von Moderator Steven Gätjen in einem Exklusiv-Interview, das in der Sendung «Sat.1 Spezial. Boris Becker» am Dienstag, 20.12. ...
Boris Becker sieht deutlich anders aus als vor seinem Haftantritt.Bild: SAT.1 / Nadine Rupp

Doch auch beim Entgegennehmen seiner Mahlzeit habe er große Angst verspürt und habe sich gefragt: "Hat der ein Messer in seiner Hand?" Es sei allerdings im Interesse des Gefängnisses gewesen, dass ihm nichts passiere. Dennoch sei es zu brenzligen Momenten gekommen. Becker sagte:

"Im ersten Gefängnis saß einer 25 Jahre wegen mehrfachen Mordes, der wollte an meine Kohle oder dachte, ich habe Kohle. Vor dem wurde ich beschützt. Der hat sich als sehr gefährlich entpuppt. Ein Häftling wollte mich umbringen, der war schon 16 Jahre im Gefängnis. Der wollte mir an die Wäsche und hat verbal erklärt, was er mit mir machen wird. Er hat unterschätzt, dass ich mittlerweile so eine Position im Gefängnis hatte, dass sofort die Häftlinge raus sind und ihn bedroht haben."

Boris Becker kommen die Tränen

Als Becker weiter von dem Vorfall berichtete, kamen ihm die Tränen. Der 55-Jährige fügte hinzu: "Am nächsten Tag wurde ich gefragt, ob ich die Entschuldigung annehme. Ich kam in die Wäscherei, er hat sich zu Boden geworfen, meine Hand geküsst, ich habe ihn umarmt und gesagt, dass ich großen Respekt vor ihm habe. Es ist schwer. Das waren die zwei Momente, wo ich Angst um mein Leben hatte." Er bat um eine kurze Pause. Danach betonte er, dass er in Wandsworth mit Schwerverbrechern zusammen gewesen sei.

Mit Blick darauf, ob er Angst gehabt habe, seine Familie im Gefängnis zu treffen, gab er offen zu, dass es für ihn "beschämend und peinlich" gewesen sei, dass er verurteilt wurde. Dennoch gab er zu verstehen: "Mein Verhältnis zu meinen vier Kindern war immer sehr direkt, da gab es keine Berührungsängste. Ich habe Noah und Lilian angerufen, du willst aber keinen sehen und deiner Familie nicht zumuten, dass sie dort in Wandsworth Probleme bekommen."

Er fragte sich: "Was willst du da erzählen?" Seine Freundin habe sich in jedem Fall erschrocken, wie er ausgesehen habe. Sein Plan sei es gewesen, vier bis sechs Wochen dort zu bleiben und dann in ein offenes Gefängnis in London zu kommen. Ihm sei aber erklärt worden: "Mit einem englischen Pass können Sie hier nicht bleiben, dann werden Sie abgeschoben nach Deutschland." Dazu meinte er: "Kein Mensch hat mir das gesagt, ich erspare mir zu sagen, was ich davon halte. Ich konnte kaum telefonieren, es musste alles über Lilian gehen."

Seine Freundin Lilian ist ihm eine große Stütze.
Seine Freundin Lilian ist ihm eine große Stütze.Bild: AP / Alastair Grant

Prominente Freunde wollten Becker im Gefängnis besuchen

Im Gefängnis wollten ihn auch Jürgen Klopp oder Johannes B. Kerner besuchen. Seine Freunde hätten ihn allerdings aufgrund des Bekanntheitsgrades nicht besuchen können. Die Kommunikation dort gestaltete sich für ihn zunächst schwierig. Der Grund:

"Ich habe meine beiden Telefone vorher abgegeben. Ich wusste gar nicht, wie das Leben ohne Handy geht. Anrufen kostet im Gefängnis Geld. In den ersten Wochen hatte ich keine Erlaubnis, internationale Anrufe zu machen. Meine Partnerin musste den ganzen Tag alle beruhigen und auf den neuesten Stand bringen. Ich habe erst in Huntercombe eine Telefonkarte bekommen."
dpatop - 12 April 2019, Baden-Wuerttemberg, Rust: Boris Becker and his mother Elvira Becker come to Europa-Park for the Radio Regenbogen Awards. Photo: Uwe Anspach/dpa
Beckers Mutter Elvira telefonierte mit ihm, als er im Gefängnis war.Bild: dpa / Uwe Anspach

Schließlich bekam er über einen Geistlichen die Möglichkeit, seine Mutter anzurufen, ausgerechnet noch am Muttertag. Als Steven Gätjen wissen wollte, was er ihr gesagt habe, verriet Becker: "Dass ich lebe, dass es mir gut geht. Sie wollte nur meine Stimme hören. Ich habe fünf Minuten mit ihr gesprochen und gelogen, dass alles gut ist. Es war gefährlich."

Dennoch fand er auch positive Worte über seine Haft: "Gefängnis ist eine andere Welt. Ich habe so einen Zusammenhalt in der freien Wildbahn kaum erlebt. Ich glaube, dass ich mit einigen Häftlingen in Verbindung bleibe, das schweißt zusammen. Wir haben uns gebraucht, unterstützt."

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