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Die Jury bei "Let's Dance". Bild: rtl screenshot

"Let's Dance": Mit der Aussprache eines Wortes haben alle Probleme

Selbst Attila Hildmann kann das "Let's Dance" Halbfinale nicht verhindern. Schade für Tijan Njie, denn der scheidet kurz vor der Finalshow bei "Promi Shopping Queen – Das Musical" aus.

marie von den benken

Die dreizehnte Staffel von "Let's Dance" wird aus verschiedenen Gründen in die Geschichtsbücher eingehen. Als Rekord für die Ewigkeit wird beispielsweise in Erinnerung bleiben, dass in der Tanz-Arena Köln-Ossendorf während des Halbfinales exakt genauso viele Zuschauer anwesend sind, wie beim traditionsreichen Bundesliga-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 im Signal-Iduna-Park am Tag danach.

Eine Erfolgsstory, wie sie nur in Corona-Zeiten möglich ist. Dabei war bis kurz vor Beginn der Live-Show gar nicht sicher, ob "Let's Dance" überhaupt würde stattfinden können. Immerhin hatten Chef-Virologe Attila Hildmann und seine Aluhut-Gang aus den bekanntesten deutschen Investigativ-Journalisten Xavier Naidoo, Detlef D! Soest, Til Schweiger und Sido ausgerechnet für den 15. Mai, also den Tag des Halbfinals, den großen Putsch angekündigt. Endlich würde Deutschland aufwachen und sich gegen die Diktatur der BRD GmbH-Mafia um den Zwangsimpfungs-Paten Bill Gates auflehnen.

Hildmann, der sich im Jahr 2016 noch mit dem Titel "Dancing Star" zufriedengegeben hätte, war als neuer Staatschef Deutschlands vorgesehen. Hätte das geklappt, wäre eine seiner ersten Amtshandlungen sicher gewesen, noch am selben Tag das abendliche "Let's Dance" per einstweiliger Verfügung zu untersagen. Alleine aus Rache dafür, dass er vor vier Jahren trotz der filigranen Bewegungsdynamik eines Öltankers von Jury und Zuschauern schon nach zwei Shows wieder vor die Tür gesetzt wurde.

Zum Glück für Moderatorin Victoria Swarovski und den Rest der Tanz-Familie scheint sich das mit der Machtergreifung aus dem Untergrund aber noch etwas zu verzögern. Womöglich sind sich Hildmann und seine Ritter vom Orden der Verschwörungstheoretiker bei einigen elementaren Gesetzesentwürfen noch nicht einig. Wie etwa sollen die über 80.000.000 Menschen in Deutschland zukünftig ernährt werden, wenn Hildmann zu Angela Merkel, Naidoo zu Olaf Scholz, Schweiger zu Andi Scheuer, Sido zu Julia Klöckner und Soost zu Jens Spahn geworden sind? Hildmann ist knallharter Samurai-Veganer, Sido dagegen rappt gerne darüber, in China Hunde essen zu wollen. Die Erstellung eines für alle Weltretter voll umfänglich zufriedenstellenden Grundsatzprogramms könnte für die Hildmann-Bewegung also schwierig werden.

"Let's Dance": Tijan Njie scheitert an Quickstep

Fast so schwierig, wie ein authentisches Rock'n'Roll-Feeling auf das Parkett zu zaubern, wenn man zu Johnny Cashs "Ring on Fire" einen Quickstep tanzen muss. Gesungen allerdings von Boss Hoss, nachdem Alec und Sascha gekidnappt und eine Woche lang ausschließlich von Baldriantropfen ernährt wurden. Tijan Njie scheitert an dieser Aufgabe. Und das, obwohl er sich für diesen Tanz extra in eine 30 Mal zu heiß gewaschene Jeans gezwängt hat, um darin mit seinem Cowboy-Hüftschwung die Jury und vor allem die weiblichen Zuschauer mit einem warmen Gefühl der Sehnsucht ins Wochenende zu schicken und dabei mächtig Punkte abzuräumen.

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"Let's Dance"-Moderator Daniel Hartwich und Tijan Njie. Bild: rtl screenshot

Der "Alles was zählt"-Darsteller und seine drei Halbfinal-Kollegen Lili Paul-Roncalli, Moritz Hans und Luca Hänni trösten sich offensichtlich mit einer Menge Alkohol darüber hinweg. Joachim Llambi, der Johannes Heesters der RTL-Juroren, stellt jedenfalls fest: "Wir haben in dieser Staffel die besten Paare, in einer Dichte wie in 13 Jahren nicht." Alle dicht, außer Jorge González. Der erscheint in der 16. Woche des Ossendorfer Tanzmarathons mit der mit Abstand konservativsten Frisur der Staffel. Verwunderlich, nachdem er bereits einen übergroßen Schminkpinsel, 5000 goldene Büroklammern oder eine Autowaschanlage auf dem Kopf trug. Heute aber trägt er die Frisur von Anton Hofreiter auf. Nach diesem unerwarteten Hairstyle-Zwischentief erwarte ich im Finale mindestens einen steptanzenden Elefanten aus recycelten Zahnpasta-Tuben, der sich auf Jorges Kopf eine Hängematte aus Joachim Llambis Leo-Loafern und Victoria Swarovskis Moderationskarten gebaut hat.

Luca Hänni: Abschluss mit Summa cum Llambi

Besser als Tijan Njie und Kathrin Menzinger tanzen anschließend Luca Hänni und Christina Luft. Ihr Motto: die 50er Jahre. Luft verrät zu Einstimmung auf diese goldene Ära sogar ein bislang gut gehütetes anatomisches Geheimnis aus der damaligen Zeit der rebellischen Jugend, der langen Haare und der Milchbars: "Wenn ich an die 50er Jahre denke, denke ich an Leute, die zu Elvis-Musik in der Jukebox getanzt haben." Was natürlich nahelegt, dass die Menschen in den 50er Jahren sehr, sehr klein waren. Oder die Jukeboxen sehr, sehr groß.

Mehr Zeit, um über die amerikanische Kultur der Nachkriegszeit zu philosophieren, bleibt Luft aber nicht, denn ihr Mobiltelefon ist kaputt und darum braucht sie schnell einen neuen (Achtung!) Hännivertrag. Mit neuer Hardware tanzt es sich besser, das merkt auch Motsi Mabuse. Sie attestiert den diesjährigen Buchmacher-Favoriten auf eine spätere Heirat Hänni/Luft "den besten Jive, den wir je hatten".

Egal ob Luca Hänni am Ende "Dancing Star" wird oder nicht, eines scheint heute Abend bereits klar: Die "Let's Dance"-Akademie absolviert er mit Summa cum Llambi. Denn selbst Llambi, die RTL-Geheimwaffe gegen zu viel gute Stimmung, vergisst für einen Moment, sich eigentlich fest vorgenommen zu haben, ausschließlich Lili Paul-Roncalli in den höchsten Tönen zu loben, und gesteht: "Leider kann ich nur 10 Punkte geben."

Bei einem Wort haben die "Let's Dance"-Teilnehmer Probleme

Eben jene Lili Paul-Roncalli interpretiert danach ihren lange erwarteten zeitgenössischen Individual-Tanz. Bahnbrechende neue Erkenntnisse oder eine Tanz-Revolution werden dabei nicht geboten, aber dafür zeigt sich, dass Jury, Kandidaten und Moderatoren-Team etwa 20 verschiedene Varianten kennen, wie man "Contemporary" (zu Deutsch: zeitgenössisch) ausspricht. 20 Varianten für dasselbe Wort, das kennt man vielleicht aus Champions-League-Liveübertragungen mit Béla Rethy als Kommentator, wenn Mannschaften wie Schachtar Donezk beteiligt sind.

Mein Favorit für die Aussprache der Vokabel "Contemporary" sind übrigens die Varianten von Joachim Llambi ("Kontempri") und die der Beeren-Liebhaberin Christina Luft ("Contemberry"). Bei einem anderen Aspekt ist man sich dagegen überraschend einig: "Contemporary" ist offensichtlich englisch für "Hebefigur". Entsprechend regelmäßig reckt Hebamme Massimo Sinató Schülerin Lili in Richtung Studiodecke.

Das eigentümlichste Lob für Zuschauer wie mich, die nicht mal über einen Hauch von Fachwissen aus dem Bereich des Profi-Tanzens verfügen (ähnlich wie Moderator Daniel Hartwich übrigens), erhält dann Moritz Hans von Joachim Llambi: "Es waren schöne Shapes drin." Ich habe absolut keine Ahnung, was das bedeuten könnte. Falls Sie es wissen, schreiben Sie mir gerne jeder Zeit unter llambi-verstehen@marievdb.de. Bis dahin gehe ich davon aus, es handelt sich um Haarteile.

Llambi, das Phantom, der Opa

Da das Teilnehmerfeld inzwischen von 14 auf nur noch vier Tanzpaare geschrumpft ist, müssen alle Halbfinalisten zwei Tänze absolvieren. Andernfalls wäre die Show vorbei, noch bevor Jorge González die erste Banane ins Bild halten konnte. Luca Hänni, gerade noch per Jive durch Jukeboxen getanzt, bekommt es später am Abend mit dem "Phantom der Oper" zu tun. Oder wie Joachim Llambis Kollegen Motsi Mabuse und Jorge González ihren Jury-Vorsteher gerne nennen: das Phantom, der Opa.

In der dritten Runde absolvieren die vier Paare dann noch den seit knapp drei Stunden minütlich angepriesenen "Improdance Even More Extreme". Das ist ein Improdance wie in den vergangenen Jahren, nur halt noch extremer. Vielleicht trägt er ein Superhelden-Kostüm oder man muss nebenbei eine Matheaufgabe lösen. Oder es ist eine Hommage an das Jahr 2020, das ja auch ein Jahr wie alle anderen ist, nur halt even more extreme, nämlich mit Corona. Kurz danach steige ich dann gedanklich für den Rest des Abends aus, denn die Regeln für den "Improdance Even More Extreme" sind weniger verständlich als die Grammatik von Lothar Matthäus.

In der dritten Runde absolvieren die vier Paare dann noch den seit knapp drei Stunden minütlich angepriesenen "Improdance Even More Extreme". Das ist ein Improdance wie in den vergangenen Jahren, nur halt noch extremer. Vielleicht trägt er ein Superhelden-Kostüm oder man muss nebenbei eine Matheaufgabe lösen. Oder es ist eine Hommage an das Jahr 2020, das ja auch ein Jahr wie alle anderen ist, nur halt even more extreme, nämlich mit Corona. Kurz danach steige ich dann gedanklich für den Rest des Abends aus, denn die Regeln für den "Improdance Even More Extreme" sind weniger verständlich als die Grammatik von Lothar Matthäus.

Tijan Njie muss gehen

Daniel Hartwich, der Guido Maria Kretschmer des Tanz-Fernsehens, nennt Massimo Sinató für das letzte Drittel des Abends konsequent "Massi". Und das, obwohl der Ehemann von Rebecca Mir keineswegs zugenommen hat. Am Ende erwischt es bei der großen Verkündung dann Tijan Njie und Kathrin Menzinger. Haarscharf vor dem Finale auszuscheiden ist natürlich immer sehr schmerzhaft und auch Tijan zeigt sich zunächst schockiert. Leider kann ihn außer seiner Profi-Trainerin Kathrin Menzinger niemand trösten, denn RTL achtet penibel auf die Einhaltung der Social Distancing Vorschriften. Also, jedenfalls bis nach der Abmoderation von Daniel Hartwich. Danach ist es auch egal und man sieht den euphorisierten Valentin Lusin Moritz Hans und Renata Lusin in die Arme fallen.

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Erwischt: Das sind keine zwei Meter. Bild: rtl screenshot

Leichte Hoffnung also für Tijan. Sollte der Kölner Spartensender für Tanz-Shows bei Verstößen gegen die Abstands-Vorschriften genauso hart reagieren, wie der FC Augsburg und die DFL auf den Kauf von Handcreme, wird das Tanzpaar Hans/Lusin für das kommende Wochenende suspendiert. Dann könnte Tijan Njie an der Seite von Kathrin Menzinger doch noch für das Finale nachrücken. Ob es wirklich so kommt, und wer dann am Ende der Nachfolger von Ekatarina Leonova und Pascal Hens, den Siegern von 2019 wird, das beobachte ich für Sie natürlich weiter.

Bis dahin: See you on the Dancefloor!

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DerSchweigende 16.05.2020 13:38
    Highlight Highlight Wenn Ihnen die Sendung so missfällt, warum schauen Sie zu?
    • Gabi Hafner-Engler 17.05.2020 16:58
      Highlight Highlight Sie scheinen die Texte, die Wortspiele und die Absicht von Marie v. d. B. nicht zu verstehen....
      Das ist aber Ihr Problem.
      Ich jedenfalls, grosser Let's dance Fan, finde die Kommentare von Frau v. d. Benken geradezu genial und kann darüber herzlich lachen.
      Mein Tipp für ein entspannteres Leben:
      Man sollte sich selber nicht zu ernst nehmen...

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