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hart aber fair, moderiert von Frank Plasberg
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Frank Plasberg hatte am Montag seine letzte Sendung.Bild: WDR/Stephan Pick
TV

Nach dem WM-Talk bekommt Frank Plasberg zum Abschied feuchte Augen

15.11.2022, 06:29

Mehr als zwei Jahrzehnte und knapp 750 Ausgaben lang hat Frank Plasberg "Hart aber fair" moderiert. Am Montag hat er das Publikum zu seiner finalen Ausgabe begrüßt. "Für meine letzte Sendung nach 22 Jahren hat sich die WM folgenden Titel ausgedacht: 'Ab in die Wüste: Wer freut sich auf die WM in Katar?'" sagt er doppeldeutig.

Der Moderator ist gesundheitlich angeschlagen, man hört seine Stimme manchmal kratzen. "Ich bin erkältet – aber nur mit einem Strich", stellte er klar. Frank Plasbergs letzte Gäste:

  • Nancy Faeser (Bundesinnen- und Sportministerin)
  • Thomas Hitzlsperger (ehem. Nationalspieler und Presenter der Doku)
  • Tugba Tekkal (Ex-Bundesligaspielerin, macht den Podcast "Ausverkauft" zur WM)
  • Willi Lemke (ehem. Manager SV Werder Bremen und ehem. UN-Sonderbotschafter Sport)
  • Steffen Simon (DFB-Mediendirektor)

Bundesinnen- und Sportminsterin Nancy Faeser (SPD) ist sich noch nicht sicher, ob sie zur WM nach Katar fährt. Das hänge davon ab, ob Katar bereit sei den "kritischen Dialog" weiterzuführen, den sie kürzlich bei ihrem Besuch im Emirat begonnen hat. Faeser hatte die Vergabe an Katar als "sehr schwierig" bezeichnet. Mit ihrem Besuch wollte sie für den Schutz von queeren Menschen vor Diskriminierung und Verfolgung sorgen und Katar hat auch offizielle Sicherheitsgarantien abgebenen.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wurde in die Sendung zugeschaltet.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wurde in die Sendung zugeschaltet.Bild: IMAGO/ Klaus W. Schmidt

"Ich habe das Gespräch als sehr offen empfunden", sagt Faeser. Und Plasberg entgegnet: "Das ist eine Politikerformel, das sagt man, wenn man sich gekloppt hat." Dem widerspricht sie. Aber auf Nachfrage sagt sie auch, dass es da keine zweite, vielleicht inoffiziell etwas tolerantere Ebene jenseits der offiziell kommunizierten Haltung Katars,nach der Homosexualität strafbar sei, gebe. Trotzdem setzt sie alle Hoffnung auf den Dialog und die Zukunft.

"Die Frage ist doch, wie wir mit einem Land umgehen, dass ich auf einen Reformprozess begeben hat."
Nancy Faeser

Vor der Sendung lief die kritische Katar-Doku von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger in der ARD. Ihn haben bei den Dreharbeiten vor allem die Treffen mit den Hinterbliebenen von Katar-Arbeitern mitgenommen. Auf die WM freuen kann er sich nicht. "Diese Freude, die ich als Kind empfunden habe und auch in den Jahren, die ich gespielt habe, ist nicht da."

Dass ARD und ZDF jeder rund 80 Stunden aus Katar senden findet er aber in Ordnung im Zusammenspiel mit der kritischen Berichterstattung: "Die ARD macht ihr eigenen Produkt kaputt und vertraut darauf, dass die Menschen gucken. Am Ende entscheiden die Zuschauerinnen und Zuschauer." Wenn die Quoten schlecht sind, werde das Auswirkungen auf die Wahl der nächsten Austragungsorte für Großevents zeigen, ist er sicher.

Hitzlsperger: Fußballer auf den Sport konzentrieren

Aber er findet: Fußballer dürften sich auf den Fußball konzentrieren, bei den Verbände in der Pflicht, Werte einzufordern und durchzusetzen.

Thomas Hitzlsperger freut sich nicht auf die WM.
Thomas Hitzlsperger freut sich nicht auf die WM.Bild: IMAGO / Klaus W. Schmidt

Hitzlsperger hatte sich nach seiner Karriere als erster deutscher Fußballprofi als homosexuell geoutet. Der katarische WM-Botschafter und frühere Fußball-Nationalspieler Khalid Salman hatte für Empörung gesorgt, als er in einem Interview sagte, Homosexualität sei "ein geistiger Schaden". "Ich war entsetzt, dass jemand vor der Kamera in führender Position so etwas behauptet." Es gebe auch die Meinung, man müsse auch die Kultur des Gastlandes achten. Er findet aber:

"Menschenrechte zuerst, dann die Kultur – Menschenrechte stehen über der Kultur."
Thomas Hitlsperger

Das Problem, dass weltweit nur zehn demokratische Länder in Frage kämen, ein Großereignis wie die WM auszurichten, will er nicht als Begründung für Austragungsorte wie Katar gelten lassen. Die Fifa habe die WM übermäßig alles aufgebläht. "Vielleicht können wir das mal wieder runterfahren."

Thomas Hitzlsperger stellt klar, was er darüber denkt, die WM nicht zu schauen.
Thomas Hitzlsperger stellt klar, was er darüber denkt, die WM nicht zu schauen.Bild: IMAGO / Klaus W. Schmidt

Nicht Fußball schauen ist für ihn allerdings keine Lösung. Auch Vereinsmannschaften seien mittlerweile gesponsort von Unternehmen aus Ländern mit zweifelhaften Verhältnissen zu Menschenrechten. "Wenn ich da konsequent bin, muss ich wirklich aufhören Fußball zu schauen und Fußball zu leben."

Fußballspielerin fordert Boykott

Zumindest bei der WM ist Ex-Bundesligaspielerin Tugba Tekkal so konsequent. Sie wünscht sich einen "konstruktiven Boykott" der WM, auch Nancy Faeser solle nicht zur WM fahren. Sie selbst werde "auf gar keinen Fall“ schauen".

"Ich bin Fußballerin durch und durch und ich kann das einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren."
Tugba Tekkal

Aber das müsse jeder für sich selbst entscheiden.

Der ehemalige Werder-Manager und UN-Sonderbotschafter Sport, Willi Lemke, gesteht hingegen gerade heraus: "Ich freue mich auf die WM." Und er setzt, ähnlich wie die Fifa und Katar, alle Hoffnung auf den Sport:

"Das ist heute das Ende des Katar-Bashings. Ab Mittwoch werden wir über Fußball reden."
Willi Lemke
Willi Lemke ist Ex-Manager vom SV Werder Bremen.
Willi Lemke ist Ex-Manager vom SV Werder Bremen.Bild: IMAGO / Horst Galuschka

Es sie "zum Teil nicht fair" gewesen, wie mit Katar umgegangen worden sei. Es sei "ein klassischer Fall von Doppelmoral". Die letzten Jahre seien nicht leicht gewesen. "In so einer Zeit brauche ich, und viele andere Menschen auch, etwas Positives."

Gleichzeitig will er sich persönlich dafür einsetzten, dass die Witwe und Familie eines getöteten Arbeiters aus Nepal, die Hitzlsperger für seine Doku besucht hat, Entschädigung bekommt.

Es findet wohl jeder seinen eigenen Weg, mit diesem Thema umzugehen. Und nicht immer ist der für andere nachzuvollziehen. Der ehemalige ARD-Fußballkommentator Steffen Simon ist heute DFB-Mediendirektor und er findet:

"Ob Katar sich verändern wird, weiß man nicht – aber Katar hat den Fußball verändert, er ist politsicher geworden."
Steffen Simon

Immerhin hätten zehn europäische Fußball-Landesverbände gegen die Augen-Zu-Haltung der Fifa aufbegehrt. Für den DFB gelte: "Die Missstände die wir sehen, werden wir auch während des Turniers anprangern."

Abschied von Plasberg

Dann zieht es Plasberg zu Brigitte Büscher mit den Zuschauermeinungen. "Haste ne neue Frisur, sieht aus wie Kim Wilde", begrüßt er sie neckisch. "Ich habe mir mal Locken legen lassen – zur Feier des Tages", antwortet sie.

Nach einigen Meinungen zum zur WM-Diskussion schwenkt Brigitte Büscher aber um zu zu Zuschauern, die sich von Plasberg verabschieden. Neben viel Lob schreibt auch einer: "Was ist schöner als die WM? Dass Frank Plasberg aufhört".

Zum Abschied gibt es für Frank Plasberg Blumen.
Zum Abschied gibt es für Frank Plasberg Blumen.Bild: IMAGO / Klaus W. Schmidt

Der Moderator lacht die Schmäh-Kritik weg. "Soll ich das noch selber vorlesen?", fragt er amüsiert.

Doch dann kommt überraschend sein Nachfolger ins Studio. Louis Klamroth übernimmt die Sendung nach der Winterpause. "Du musst jetzt ein bisschen die Kontrolle abgeben", sagt er zu Plasberg. Und startet dann auf dessen Tablet einen filmischen Rückblick mit Highlights der 22 Jahre. Da gibt es einen halben Heiratsantrag für Plasberg von Harald Glööckler zu sehen, Olaf Scholz als SPD-Generalsekretär mit Haaren und ein paar Kilo mehr und Sonys Kraus, die den Talk-Tresen zersägt.

Standing Ovations im Studio und ein Blumenstrauß für den Moderator. Dann eine letzte Übergabe an Caren Miosga zu den Tagesthemen: "Sie gucken so traurig – es ist ein schöner Tag, für mich ist es ein schöner", sagt Plasberg, selbst mit leicht feuchten Augen. "Danke für Deine oft unpünktlichen aber doch heiteren Übergaben und die Sendung und dass Du diesen Schnurrbart heute nicht mehr trägst. Wir werden dich vermissen. Alles Gute Frank", antwortet Miosga.

Der bedankt sich in den letzten 50 Sekunden Sendezeit dann auch noch "bei allen Menschen rund um 'Hart aber fair'". Und er verrät, was ihm ein älterer Professor, der öfter als Gast in der Sendung war, als Tipp für den Ruhestand geraten hat: "Immer helle Kleidung tragen und gut riechen." Plasberg verspricht, sich daran zu halten.

Bei Twitter bekommt der Moderator überwiegend positive Tweets zum Abschied.

Aber es gibt auch Kritik.

Letzterer User wohl nicht genau hingehört und sich zu früh gefreut: Denn "Hart aber fair" kehrt zurück. Am 9. Januar, dann moderiert von Louis Klamroth. (Ark)

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