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"Stern TV": Kulturmanagerin wird deutlich zu Lindemann-Vorwürfen

Rammstein live in Odense, Denmark Odense, Denmark. 02nd, June 2023. The German industrial metal band Rammstein performs a live concert at Odense Dyreskureplads in Odense. Here vocalist Till Lindemann  ...
Till Lindemann sieht sich aktuell mit schweren Vorwürfen konfrontiert.Bild: IMAGO/Gonzales Photo
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"Stern TV": Frauenministerin über Fall Till Lindemann – "#MeToo-Moment der Musikbranche"

15.06.2023, 10:0331.08.2023, 17:48
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"Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Till Lindemann" – diese Nachricht machte am 14. Juni 2023 Schlagzeilen. Auch bei "Stern TV" geht Steffen Hallaschka noch einmal auf den Fall um den Rammstein-Frontmann ein, der nicht nur die Musikwelt erschüttert. Unter anderem erzählt der RTL-Moderator von dem Aufschrei, der sich in den sozialen Netzwerken aufgetan hat, nachdem bereits in der vergangenen Woche in der Sendung darüber diskutiert wurde.

"Es ist ein Aufschrei, der uns Berichterstatter verurteilt", "Es ist ein Aufschrei, der die anklagenden Frauen diskreditiert" und "Es ist ein Aufschrei, der toxische Männlichkeit und Machtmissbrauch verharmlost", sagt Hallaschka.

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Vorwürfe gegen Till Lindemann: Managerin nimmt Opfer in Schutz

Die Berichterstattung und Diskussionsrunde mit Reyhan Şahin alias Lady Bitch Ray und Katja Krasavice am vergangenen Mittwochabend haben auf der Facebook-Seite hohe Wellen geschlagen. Es hagelte viele Hassnachrichten und Kommentare, die die Glaubwürdigkeit der Betroffenen anzweifeln.

In diesem Zusammenhang wird in der Sendung über die Unschuldsvermutung gegenüber Till Lindemann diskutiert. Dazu findet Kulturmanagerin Katja Lucker die passenden Worte: "Die Unschuldsvermutung gilt übrigens auch für die Opfer. Das dürfen wir nicht vergessen." Die Geschäftsführerin vom Musicboard Berlin ergänzt: "Schrecklich, das nochmal reproduziert zu sehen, wie die Menschen dann eben mit denen umgehen, die Opfer von Machtmissbrauch sind."

STOCKHOLM 2019-08-14 German industrial metal band Rammstein in concert at Stockholms Stadion. Singer Till Lindemann on stage. (c) NILSSON NILS PETTER / Aftonbladet / TT * * * EXPRESSEN OUT * * * AFTON ...
Till Lindemann befindet sich derzeit auf Tour.Bild: imago images / TT

Außerdem betont sie, dass es auch ein sexistischer Vorgang ist, nur die Helferinnen zu benennen. Damit spielt Katja Lucker auf Alena Makeeva an, die mit Rammstein zusammengearbeitet haben soll und in den Medien als "Schlüsselfigur" betitelt wird.

Die Kulturmanagerin hebt in diesem Zusammenhang hervor: "Die Systeme, über die wir hier reden, sind total männlich konnotiert. Das ist einfach ganz klar. Und wir reden gar nicht über die Systeme, die dahinter sind. Das sind geschlossene Systeme, die in der Musikbranche und in der Musikwirtschaft ganz klar zu benennen sind. Große Konzerne, Managements, Labels…"

Lisa Paus über #MeToo in der Musikwelt

Steffen Hallaschka will wissen, wo der Hebel ansetzen soll, also an welcher Stelle und wie man eine Veränderung antreiben kann. Gehört zum Beispiel das System der "Row Zero" abgeschafft oder soll sie als Teil der Popkultur bestehen bleiben? Um diese Frage zu beantworten, hat der RTL-Moderator Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zur Diskussionsrunde eingeladen. Auch sie findet deutliche Worte.

Moderator Steffen Hallaschka

+++ Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf RTL+ gestattet. +++
Steffen Hallaschka fragt, wie man eine Veränderung bewirken kann.Bild: rtl+

"Wir haben schon so etwas wie einen #MeToo-Moment der Musikbranche in Deutschland. Das ist das, worüber wir hier gerade verhandeln." Zum Hintergrund: Angesichts der Vorwürfe gegen Till Lindemann hatte die Politikerin Änderungen im Konzertbetrieb gefordert, die junge Menschen vor Übergriffen schützen sollen. Wie etwa Schutzräume für Frauen bei Konzerten oder Awareness-Teams, die als Ansprechpartner:innen fungieren, wenn der Verdacht auf sexuelle Übergriffe besteht.

"Ganz unabhängig davon, ob die massiven Vorwürfe jetzt richtig sind oder nicht, reden wir darüber, ob dieses System okay ist oder nicht", erklärt sie. Und weiter: "Wenn wir es mit Musikstars zu tun haben und ihren Fans, dann reden wir über ein großes Machtgefälle. Und überall da, wo es ein großes Machtgefälle gibt, lädt es eben auch ein zum Machtmissbrauch."

07.06.2023, Berlin: Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, diskutiert zum Thema «Kindheit und Jugend in der globalen Datenökonomie? Wie gestalten ...
Familien- und Frauenministerin Lisa Paus findet deutliche Worte.Bild: Carsten Koall/dpa

Ihr geht es darum, dass es eine Debatte darüber gibt, was für Schutzkonzepte es in Deutschland braucht. Vor allem die Stimmen, die das Ganze verharmlosen, zeigen der Politikerin, dass wir unbedingt darüber reden müssen, "dass es ein Recht von Frauen ist, ein Recht von jungen Fans, dass sie eben geschützt zu solchen Veranstaltungen gehen können, ohne Angst zu haben, dass etwas mit ihnen passiert".

Steffen Hallaschka gedenkt an Brustkrebspatientin Vanessa

Steffen Hallaschka beendet die Diskussionsrunde mit der Anmerkung, dass diese wichtige Debatte noch nicht zu Ende geführt ist, und leitet zum nächsten Thema über. Ein sehr emotionales. Es geht um Vanessa, Ehefrau und Mutter von drei Kindern, die zwei Jahre gegen den Brustkrebs kämpfte. Dann die tragische Nachricht: Sie ist am 6. Juni 2023 verstorben.

Einige Zuschauer:innen kennen die starke und inspirierende Frau aus der RTL+-Doku "Sterben für Anfänger", wo sie mit ihrer tapferen und lebenslustigen Art begeisterte. Mehr Bewusstsein zu schaffen und offen über den Tod zu reden, lag ihr am Herzen. Auf diese Offenheit geht ihr Ehemann Gö jetzt auch in der Sendung ein.

Die Familie wollte sich und auch die Krankheit nicht verstecken müssen, erklärt er. Sie wollte aber gleichzeitig auch ohne die Krankheit akzeptiert werden. "Das war Vanessa einfach sehr wichtig. Auch nochmal eine Nachricht auszutragen, dass es einen Mehrwert für die Menschen da draußen gibt. Und auch einen Mehrwert für uns."

Starker Umgang mit der tödlichen Krankheit

"Ich werde sterben" – diesen Satz hat Vanessa offen – sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Familie – kommuniziert. Hat sich diese Transparenz auf die Trauer ausgewirkt, fragt sich Steffen Hallaschka. "Es ist nie leicht, es ist immer schwer. Aber es hilft auch ein Stück weit, damit besser umzugehen."

Weiter erzählt er: "Es hat uns dennoch gesamt als Familie geholfen, diesen offenen Umgang mit den Kindern einfach zu pflegen. Dass sie nicht auf einmal überrascht werden: Warum ist die Mama jetzt auf einmal gestorben? Sondern, dass sie genau wussten, an welcher Stelle wir uns gerade in dieser Krankheit befinden und was die für einen Ausgang haben wird."

Nachtrag der Redaktion: Die Staatsanwaltschaft Berlin hatte im Juni nach den Vorwürfen gegen Till Lindemann Ermittlungen aufgenommen. Diese wurden Ende August eingestellt. Die Auswertung der Beweise habe keinen hinreichenden Tatverdacht ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Den entsprechenden Artikel findet ihr hier.

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