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Till Nassif moderierte die neue WDR-Diskussion zum Thema Rassismus. Bild: WDR/screenshot

Nach Rassismus-Eklat: WDR-Chef bei Themenabend "tief beschämt" – Konflikte schon im Vorfeld

Die wiederholte Ausstrahlung einer Ausgabe von "Die letzte Instanz" beim WDR sorgte im Januar für einen Eklat: Vier weiße Gäste diskutierten über Rassismus und Meinungsfreiheit. Unter anderem berichtete Thomas Gottschalk, er habe erfahren, wie es ist, schwarz zu sein, als er sich für eine Kostüm-Party als Jimi Hendrix verkleidete. Im Anschluss sah sich der Sender massiver Kritik ausgesetzt.

Am Donnerstag wollte der WDR nun aber mit einem Themenabend über Rassismus Wiedergutmachung leisten. Zu Wort kamen diesmal Roxanna-Lorraine Witt, Sheila Mysorekar, Aladin El-Mafaalani, Svenja Flaßpöhler sowie WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn. Till Nassif führte durch die Sendung.

Nach Eklat: WDR lenkt ein

Schönenborn zeigte sich im Gespräch reumütig. Die vieldiskutierte Sendung habe ihn "tief beschämt". In Zukunft könne es "keine nicht diversen Teams mehr geben" und der WDR ermuntere auch Menschen mit Migrationshintergrund, beim Sender anzuheuern.

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Jörg Schönenborn möchte Konsequenzen beim WDR ziehen. Bild: WDR screenshot

Jedoch ist sich Schönenborn auch bewusst, dass ein Schaden bereits eingetreten ist. Demnach sei viel Vertrauen in den WDR "kaputtgegangen". Der Sender würde die "Macht der Wirkung" verlieren, wenn keine Änderungen eintreten. Die Wissenschaftlerin Roxanna-Lorraine Witt wollte sich aber nicht mit Lippenbekenntnissen zufriedengeben und hakte nach:

"Sind Sie auch bereit, Sendezeit frei zu machen? Führungspositionen frei zu machen?"

Als Antwort erntete sie ein klares "Ja", sodass sich Schönenborn nun tatsächlich an seinen Worten messen lassen muss. An diesem Abend war für den Sender-Verantwortlichen aber auch erst einmal viel Zuhören angesagt – beispielsweise, als Witt über ihre eigene Großmutter erzählte, die dem Holocaust entkam.

Sheila Mysorekar vom Verein Neue deutsche Medienmacher forderte mehr Diversität in den Redaktionen und betonte, dass es vor allem um eine "Veränderung im Denken" gehe. "Wenn alle Teile der Gesellschaft besser abgebildet werden, haben wir alle mehr davon", stellte sie fest.

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani gab indes zu bedenken, dass "wir uns nicht mal schnell neue Menschen backen können". Es sei eben schwierig, Verhältnisse zu ändern, die sich über lange Zeit hinweg ausgeformt haben. Noch vor zehn Jahren wäre "Die letzte Instanz" eine "ganz normale Sendung" gewesen, meinte er zudem.

Philosophin Svenja Flaßpöhler hielt fest, dass nicht alle momentan geführten Debatten zielführend seien und bezieht sich etwa auf die Diskussionen rund um die korrekte Übersetzerin für ein Gedicht der schwarzen Künstlerin Amanda Gorman. Die Logik dahinter könne sie selbst "nicht mehr nachvollziehen". Es wurde kritisiert, dass eine weiße Person nicht den Text einer Schwarzen Frau übersetzen sollte.

Konflikte schon im Vorfeld

Zwar lassen sich die guten Absichten des WDR mit dem Themenabend nicht absprechen, allerdings ergaben sich schon bei der Organisation der TV-Runde massive Stolpersteine. So führte Till Nassif aus, dass drei eingeladene Expertinnen kurz vor der Show noch einen Rückzieher machten.

Der Knackpunkt sei dabei der ursprünglich angedachte und schließlich doch verworfene Titel für die Sendung gewesen: "Freiheit, Gleichheit, Hautfarbe – Warum Rassismus mit uns allen zu tun hat". Dieser wurde angeblich als mindestens sehr ungelenk angesehen.

Die Journalistin Hadija Haruna-Oelker, die zu den drei Personen gehört, die absagten, stellte allerdings später auf Twitter klar: "Fürs Protokoll. Ich (wir) haben den Talk beim WDR nicht wegen des Titels abgesagt. Leider klärte der Moderator die Gründe nicht auf. Die Kritik wurde undifferenziert, unterstellend, verkürzt verhandelt, obwohl sie bekannt ist. Sie ist Teil des Problems."

Näher erklärt Haruna-Oelker, sie sei zunächst kontaktiert worden, um in der Sendung "medienkritisch über Rassismus und diversitätssensible Berichterstattung zu sprechen". Später hieß es aber plötzlich, sie solle in einem Zweiergespräch mit Flaßpöhler über Sprache diskutieren, erklärte sie gegenüber "Übermedien".

Auf Twitter resümierte sie schließlich: "Ich habe sehr viel auch privat organisiert, um zu kommen." Man sei nicht ehrlich mit ihr gewesen, was die Einladung und Planung kurz vor der Sendung angehe. Und auf dieser Basis fiel meine journalistisch begründete und menschlich sicher verständliche Entscheidung."

(ju)

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