Johannes Vogel (FDP) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) präsentierten sich als Repräsentanten ihrer Parteien offensichtlich harmonisch bei "Illner".
Johannes Vogel (FDP) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) präsentierten sich als Repräsentanten ihrer Parteien offensichtlich harmonisch bei "Illner".Bild: screenshot zdf

Klare Worte bei "Illner": Wenn Laschet nicht Kanzler wird, ist er "politisch tot"

01.10.2021, 08:41

Ein Selfie von FDP und Grünen geht viral – es signalisiert, dass die Sondierungen beginnen. Wen machen Grüne und FDP zum Kanzler, ist die Frage, die die ganze Bundesrepublik und auch die Runde bei "Maybrit Illner" beschäftigt. Die Union hat zwar die Wahl verloren, doch die Lust auf das Regieren, so scheint es, noch immer nicht. Für die SPD ist noch nichts in trockenen Tüchern, denn nun entscheiden Platz drei und vier über die Zukunft Deutschlands. "Wir werden in Talkshows keine Koalitionsverhandlungen führen", stellt Arbeitsminister Hubertus Heil zwar klar – debattiert, geliebäugelt und provoziert wurde jedoch trotzdem zu Genüge.

Über die bevorstehenden Sondierungsgespräche diskutieren am Donnerstagabend:

  • Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister
  • Katrin Göring-Eckardt, (Bündnis 90/Grüne), Fraktionsvorsitzende
  • Hubertus Heil (SPD), Bundesarbeitsminister
  • Johannes Vogel, (FDP), Stellvertretender Parteivorsitzender
  • Robin Alexander, Stellvertretender Chefredakteur "Die Welt"
  • Markus Feldenkirchen, Politikjournalist "Der Spiegel"

Wie zu erwarten, geht es zunächst um das historisch schlechteste Wahlergebnis der Union. "Ich empfehle uns allen mehr Demut," appelliert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) seinen Kolleginnen und Kollegen. Die Union sei die Partei, die am meisten Wähler verloren haben. Das legitimiere keinen Regierungsanspruch – sie stehe aber zur Verfügung.

FDP flirtet mit Grünen – sie stehen für "Erneuerung"

Die Freude bei der SPD sei zwar da, "doch im Kanzleramt sitzt man noch nicht", stellt Markus Feldenkirchen, Politikjournalist im Hauptstadtbüro des "Spiegels", klar. Schließlich werbe Christian Lindner derzeit noch stark für ein Bündnis mit der Union – auch wegen der guten Erfahrungen in der Regierungszusammenarbeit in Nordrhein-Westfalen.

Peter Altmaier (CDU) bekräftigt, dass die Union keinen Regierungsanspruch habe.
Peter Altmaier (CDU) bekräftigt, dass die Union keinen Regierungsanspruch habe.Bild: screenshot zdf

Das Gespräch zwischen FDP und Union am Sonntag stehe fest, sagt der stellvertretende Parteivorsitzende der FDP, Johannes Vogel. Seine Partei und die Grünen würden für Erneuerung stehen, deswegen sei es wichtig, dass diese beiden Parteien zuerst sondieren: Der erste Flirt zwischen den beiden entscheidenden Parteien. Der Frage nach einem Lieblingskanzler geht er aus dem Weg. Es gebe mehr Gemeinsamkeiten zwischen SPD und Grünen und zwischen Union und FDP, das sei zwar jedem klar, doch sei das jetzt nicht die Frage. Es gehe um den "common ground" für das Land – ein offensichtliches Statement, dem alle geladenen Politiker zustimmen.

Heil stichelt gegen Union: "Parteien, die mit sich im Reinen sind"

Die Union sei derzeit nicht regierungsfähig, findet Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Angesichts der Unstimmigkeiten innerhalb der Union müssten CDU und CSU vor den Gesprächen mit der FDP erstmal vorsondieren.

"Das löst ein kleines Déjà-vu in mir aus, wenn CDU und CSU erstmal untereinander zuerst diskutieren müssen."
Katrin Göring-Eckardt

Bei der Wahl am Sonntag hätten sowohl Programme als auch Personen eine Rolle gespielt, findet Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD). "Man braucht Parteien, die mit sich im Reinen sind" – das treffe auf FDP, Grüne und auch auf die Sozialdemokraten "nach einer Klärung von Kleinigkeiten" zu. Die Union erwähnt er nicht: Ein deutlicher Seitenhieb. "Die Union hat für sich Fragen zu klären, auch die Frage, was inhaltlich ihr Anspruch ist," sagt Heil. Das hätten FDP und die Grünen durchaus getan, liebäugelt Heil mit den möglichen Koalitionspartnern.

Wenn Laschet nicht Kanzler wird, ist er "politisch tot"

Doch wo steht die Union nun wirklich? "Armin Laschet ist nicht ohnmächtig", sagt Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur der "Welt". Er sei in einer sehr seltsamen Situation: Einerseits könnte er noch Kanzler werden, wenn er es nicht werde, sei er "politisch tot".

Journalist Robin Alexander sagt, dass Laschet immer noch Kanzler werden könne – doch die guten Karten habe Olaf Scholz.
Journalist Robin Alexander sagt, dass Laschet immer noch Kanzler werden könne – doch die guten Karten habe Olaf Scholz.Bild: screenshot zdf

Es gehe nicht um den schwächeren oder stärkeren Kanzler, sagt Göring-Eckardt. "Wir werden mit allen reden, das ist auch wichtig, alles andere wäre ein Verrat an die Demokratie." Man brauche bei grundlegenden Fragen einen parteiübergreifenden Konsens, hebt Altmaier hervor. "Die Parteien der Mitte haben gewonnen, nicht die radikalen Ränder", wiederholt er. Illner winkt ab: "Darüber freuen wir uns doch schon seit vier Tagen."

Journalist: Söders Verhalten war "selbstverliebt und selbstzerstörerisch"

Wie in jeder Talkshow der letzten Monate will Illner erneut wissen, ob die Union den falschen Kandidaten hatte. Altmaier hätte damals auch einige Argumente für Söder gebracht. "Markus Söder ist einer der anerkanntesten Politiker Deutschlands," lobt er seinen Parteikollegen. Danach habe er aber Armin Laschet sehr loyal unterstützt. Journalist Alexander grinst: Laschet habe damals Merz versprochen, Wirtschaftsminister zu werden. Das schien Altmaier, dem amtierenden Wirtschaftsminister wohl nicht recht gewesen zu sein, analysiert er.

Es war ein Machtkampf innerhalb der Union, innerhalb der Reihen und auch öffentlich – nicht nur während des Wahlkampfs, sondern auch nun nach der Wahl. Man könne einen Machtkampf ausüben, findet Feldenkirchen, doch man "könne ihn auch so brutal ausüben, dass ein Kanzlerkandidat völlig zerrupft in den Wahlkampf startet."

"Das Verhalten von Söder und sein ständiges Hervorheben der Fehler Laschets, auch wenn er einen sehr unglücklichen Wahlkampf geführt hat, war selbstverliebt und selbstzerstörerisch."
Markus Feldenkirchen

Grüne und FDP scheinen sich plötzlich gefunden zu haben

Doch wie finden die Parteien nun Kompromisse, beispielsweise beim Thema Mindestlohn? "Jetzt reden erstmal wir", sagt Vogel in Richtung Göring-Eckardt, als wären FDP und Grüne nun wirklich das neue politische Duo. Im Wahlkampf klang das aber noch nicht so harmonisch, stellt Illner fest. "Ist die Partei von Göring-Eckardt jetzt auf einmal nicht mehr die Volkspartei?", will sie von Vogel wissen. "Habe ich euch jemals beschimpft?", grätscht er dazwischen. Göring-Eckhardt winkt mit einem Lächeln ab: "Ach, er ist viel zu charmant, dafür ist er viel zu nett." FDP und Grüne scheinen sich plötzlich gefunden zu haben.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) flirtet offensichtlich mit FDP und Grünen.
Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) flirtet offensichtlich mit FDP und Grünen.Bild: screenshot zdf

Auch Heil will dazugehören und macht den beiden offensichtliche Komplimente. "Ich sehe Konzepte bei der FDP, die gar nicht so unähnlich sind wie bei den Grünen und bei uns", sagt er, besonders mit Blick auf das sogenannte "Midlife-Bafög" der FDP, auch wenn man über den Begriff streiten könnte. Grüne und FDP seien besonders bei den Erstwählern und Jüngeren beliebt: "Respekt davor."

"Die jüngeren Wählerinnen und Wähler wollen keine konservative Koalition."
Hubertus Heil

Bei den Sondierungen komme es auch auf soziale Intelligenz und Einfühlungsvermögen an, sagt Feldenkirchen. Mit Blick auf die Klimapolitik sei bei Grünen und FDP die "radikalste Programmatik vorhanden", sagt er. Dafür müsste Scholz ganz anders auftreten als es die SPD in der Großen Koalition getan hat. "Olaf Scholz hat die besseren Karten", meint Alexander trotzdem. Die Union sei jetzt auch vor den Vorsondierungen "nicht durch Brillianz aufgefallen" – das spiele Scholz noch mehr in die Karten. Auch Feldenkirchen resümiert: "Es wird höchstwahrscheinlich nicht Armin Laschet."

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