Maischberger: Anja Umann, Modedesignerin und Zwillingsschwester der in Berlin verstorbenen Radfahrerin.
Anja Umann, die Zwillingsschwester der in Berlin verstorbenen Radfahrerin, war bei Sandra Maischberger zu Gast.Bild: IMAGO / Klaus W. Schmidt
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"Maischberger": Schwester von verstorbener Radfahrerin kritisiert Aktionen der "Letzten Generation"

17.11.2022, 06:53

Der Abzug der russischen Armee aus Cherson sei der Anfang vom Ende des Krieges, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Sein Land sei bereit für Frieden. Wie könnte der Weg zu einer friedlichen Lösung aussehen? Das bespricht Sandra Maischberger mit zwei Politiker:innen der amtierenden Ampelregierung. Außerdem äußert sich die Zwillingsschwester der verstorbenen Radfahrerin zu den Protesten der "Letzten Generation".

Am 16. November im Studio bei "Maischberger"

  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages
  • Ralf Stegner, SPD-Außenpolitiker
  • Anja Umann, Modedesignerin, Schwester der tödlich verunglückten Radfahrerin in Berlin
  • Hannes Jaenicke, Schauspieler
  • Alev Doğan, Chefreporterin des "Pioneer"
  • Wolfram Weimer, Verleger und Publizist, "European"

Ukrainische Querschläger in Polen

Ralf Stegner und Marie-Agnes Strack-Zimmermann regieren zusammen in der Ampelregierung. Was den Ukraine-Krieg angeht, haben sie hier und da Differenzen. Diese möchte Moderatorin Sandra Maischberger besprechen und provoziert damit einen sanften Streit. Vorerst geht es um den gelöschten Tweet von Strack-Zimmermann, in dem sie bezüglich der Raketen in Polen ein Urteil zieht. In diesem besagten Tweet äußert sie, dass es sich bei der Rakete um russisches Militär handele. Sowas – ohne jegliche Evidenz – zu twittern, ist für eine Verteidigungsexpertin mehr als unangemessen. Letztendlich waren es ukrainische Querschläger, die tragischerweise zwei Menschen in Polen töteten.

Strack-Zimmermann sieht ihren Fehler ein und nutzt den Kontext, um die "Besonnenheit der Nato" zu loben, denn diese hätte die Lage in Polen ruhig und rational untersucht. Obwohl Putin seit Februar mit Atomwaffen droht, würde die Nato eine klare Strategie bewahren, fügt sie hinzu. Man dürfe wegen des ukrainischen Querschlägers in Polen jetzt nicht die Täter und Opfer verwechseln: "Täter ist und bleibt Putin."

Die Sorge vor einem 3. Weltkrieg

"Dieses Mal war es so, das kann beim nächsten Mal anders sein. Gestern hat jeder kurz den Atem angehalten", kommentiert der SPD-Politiker Stegner die Schilderung seiner Gesprächspartnerin Strack-Zimmermann. Das nächste Mal könnten es auch russische Bomben sein, die ein Nato-Land treffen. Damit dieser Fall nicht eintritt, muss laut Stegner ein diplomatisches Zeichen gesetzt werden:

"Erstes Ziel muss sein, dafür zu sorgen, dass der Krieg zu Ende geht und Putin seine Kriegsziele nicht erreicht. Zweitens dafür sorgen, dass nicht durch ein Fehlverhalten eines Kommandeurs, (…), die Welt in einen Krieg hineingezogen wird, der schlimmer wird als wir ihn jetzt sehen."

Strack-Zimmermann glaubt nicht, dass es einen dritten Weltkrieg geben wird. Sie ist von der Siegeskraft der Ukraine und der Besonnenheit der Nato fest überzeugt. Allen voran sei die Gefährdung in Richtung Weltkrieg ein Narrativ, welches immer mit Russland in Verbindung gesetzt werden würde. Dem stimmt Stegner nicht zu und bekräftigt erneut, dass Vorsicht geboten werden müsse, wenn es um einen Kriegsverbrecher wie Putin geht.

Stegner fordert mehr diplomatische Anstrengungen

Die FDP-Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages hat sich von Kriegsbeginn im Februar an auf die Seite der Ukraine gestellt und wird demnach in der Ukraine immer sehr herzlich empfangen. Sie war immer für Waffenlieferungen, Stegner nicht. "Ich hab immer gesagt, ich tue mich schwer damit. Ich tue mich schwer mit den einseitig militärischen Mitteln", erläutert Stegner seine Haltung. Dennoch habe er mit der SPD mehrheitlich für Waffenlieferungen abgestimmt.

Sein Fokus liegt dennoch auf den diplomatischen Anstrengungen. "Zivilisierte Menschen versuchen immer eine diplomatische Lösung zu finden, aber Putin ist ein unzivilisierter Mensch, der nur militärische Antworten versteht", äußert die FDP-Politikerin zu Putins Diplomatieverständnis. Stegner findet jedoch, dass es diplomatische Entwicklungen gebe: "Es war das Treffen von Olaf Scholz mit dem chinesischen Präsidenten, was überhaupt dazu geführt hat, dass der chinesische Präsident das ausgesprochen hat."

Xi Jingping hat die Drohungen von Putin, nukleare Waffen einzusetzen, bei einem Treffen mit Joe Biden jüngst verurteilt. China unterstütze eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland. Auch sollten die USA, die Nato und die EU einen umfassenden Dialog mit Russland führen. Diese Aussagen des chinesischen Präsidenten sind eine Wende in der China-Russland Beziehung.

Kritik an "Letzte Generation"

Ihre Zwillingsschwester Sandra starb infolge eines Fahrradunfalls in Berlin. Ein Wagen der Feuerwehr, der zu ihrer Rettung auf dem Weg zum Unfallort war, steckte in einem von der "Letzten Generation" verursachten Stau fest. Zwei Wochen später äußert sich Anja Umann zu dem Tod ihrer Schwester. Mit Tränen in den Augen erzählt sie von Sandras Persönlichkeit, die sich immer für andere eingesetzt habe und die "tapferste Kriegerin" war, die sie kannte.

44 Jahre haben die beiden alles zusammen gemacht. Letztlich auch zusammengewohnt und ein Modelabel gegründet. Ein Leben ohne sie, für Anja unvorstellbar. Diesem Leben muss sie sich jetzt leider stellen. Der Tod ihrer Schwester hat eine politische Debatte ausgelöst. Weniger über die Fahrradwege in Deutschland, mehr über die Gruppierung "Letzte Generation":

"Ich spüre generell keine Wut, auch nicht den Aktivisten gegenüber (…). Wut gibt mir meine Schwester auch nicht zurück. Ich stehe weiterhin hinter den Aktivisten, nur ihre Methodik stelle ich manchmal infrage."

Viele Indizien würden dafür sprechen, dass ihre Schwester jetzt noch leben könnte, sagt Anja Umann. "Darum geht es mir aber nicht. Sondern, dass Helfer behindert worden sind, ihren Anteil zu leisten. Der Fall meiner Schwester zeigt exemplarisch, was da passieren kann." Von 18 Aktionstagen der Gruppierung seien an 13 Tagen Rettungskräfte nicht durchgekommen. "Die Gefährdung der Menschen wird bewusst in Kauf genommen", kritisiert sie die Vorgehensweise der Aktivist:innen.

Sandra Maischberger fragt nach einer Botschaft für die "Letzte Generation". "Wenn ich eine Botschaft habe, dann wär es die, zu überlagen, ob Hass, Wut und Zerstörung der richtige Weg ist zur Veränderung. Oder ob man in einem konstruktiven Miteinander mehr erreichen kann."

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