Bushido tritt im Prozess als Zeuge und Nebenkläger auf, war an diesem Prozesstag aber nicht anwesend (Archivfoto).
Bushido tritt im Prozess als Zeuge und Nebenkläger auf, war an diesem Prozesstag aber nicht anwesend (Archivfoto).
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Bushido-Prozess: Zeuge Ashraf Remmo über Streit zwischen Bushido und Arafat: "Ich bin da reingezogen worden"

30.08.2021, 18:27

Es passiert nicht oft, dass es im Gerichtssaal drunter und drüber geht. Am 47. Prozesstag im Verfahren gegen Arafat Abou-Chaker und seine Brüder war das aber der Fall – zumindest kurzzeitig. Schuld daran war die Tonaufnahme eines Gesprächs zwischen Arafat Abou-Chaker und dem Zeugen Ashraf Remmo, die bei der letzten Verhandlung als Beweismittel eingebracht wurde. Das Problem dabei: Die Tonqualität ist nicht gerade studioreif. Besser gesagt so miserabel, dass ein zusammenhängendes Gespräch nicht zu verstehen ist.

Das musste nun auch der Vorsitzende Richter Martin Mrosk eingestehen. Dabei hatte sich vor allem die Staatsanwaltschaft mehr von der Aufnahme erhofft. Zum Hintergrund: Arafat Abou-Chaker, der ehemalige Manager von Bushido, soll eine Abhebung von 180.000 Euro vom gemeinsamen Firmenkonto beauftragt haben – ohne das Wissen von Bushido. Dieses Geld soll er für Kosten an der gemeinsamen Villa in Kleinmachnow verwendet haben. In dem aufgezeichneten Gespräch soll Ashraf Remmo, der ebenfalls kurzzeitig der Manager von Bushido war, mit Arafat über die Abhebung gesprochen haben. Die Hoffnung der Staatsanwaltschaft war also, Arafat Abou-Chaker durch die Tonaufnahme der Untreue zu überführen.

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Übersetzung löst Verwirrung aus

So weit, so gut. Dass sich die "akustische Inaugenscheinnahme" aufgrund der Störgeräusche als "äußerst kompliziert erwiesen" hat, stellte der Vorsitzende Richter schon beim letzten Termin fest. Nun lag jedoch die Übersetzungsleistung eines Dolmetschers vor, der die arabischen Passagen ins Deutsche übersetzen und somit mehr Klarheit schaffen sollte.

Also verliest Richter Mrosk das übersetzte Gespräch. Das Wort "unverständlich" kommt häufiger vor. Eine Anmerkung des Übersetzers. So richtig schlau wird aus dem Vorgetragenen am Ende keiner – auch der Richter selbst nicht. "Ich muss sagen: Das was wir hier das letzte Mal auf Deutsch gehört haben, war verständlicher", kommentiert er. Dann wird es chaotisch. Die unverständliche Übersetzung scheint allgemeine Verwirrung bei den Prozessbeteiligten auszulösen. Es wird geblättert und durcheinander argumentiert. Manche der Verteidiger halten die Tonaufnahme für gänzlich unbrauchbar. Bis der Vorsitzende Richter unterbricht: "Jetzt reden wir alle nicht durcheinander."

Ashraf Remmo äußert sich zu den 180.000 Euro: "Das Geld ist in Kleinmachnow"

Als wieder Ruhe eingekehrt ist, fragt Richter Mrosk direkt bei Ashraf Remmo nach: War die Geldabhebung Teil des Gesprächs? "Ja", erwidert Remmo, "es gab das Thema, dass Geld angeblich unerlaubt abgehoben wurde." Der Richter will jetzt mehr wissen und Remmo kommt in Fahrt. Plötzlich meint er, sich doch an das Gespräch erinnern zu können, das war an den letzten Verhandlungstagen noch nicht der Fall. Er habe von Bushido den Auftrag bekommen, bei Arafat wegen der 180.000 Euro nachzufragen, so Remmo. Dann wird er persönlich. "Sie müssen auch mich verstehen", erzählt er dem Richter, "ich bin da reingezogen worden. In diese Vermittlerrolle." Nochmals betont er, zu beiden ein gutes Verhältnis zu haben.

"Ich habe ihm eine Fangfrage gestellt"
Ashraf Remmo über das Gespräch mit Arafat Abou-Chaker

Von Arafat habe er dann einen Anruf bekommen, so Rammo weiter. Er sei von ihm um ein Gespräch gebeten worden. "Dann bin ich zu Bushido gefahren und habe ihn gefragt, was ich sagen soll. Was ihm auf dem Herzen liegt." Bushido habe ihn gebeten, er solle bei Arafat nachfragen, wo die 180.000 Euro geblieben sind. Mit diesem Auftrag sei er zu Arafat gefahren. "Wir haben dann über alles mögliche gequatsch", berichtet Remmo von dem Gespräch, "irgendwann am Ende habe ich dann versucht, eine Falle zu machen, da bin ich ehrlich. Eine Fangfrage zu stellen." Der Richter blickt Remmo nun mit großen Augen an. "Und?", fragt er erwartungsvoll. "Er hat mir dann gesagt: Das Geld ist in Kleinmachnow."

Wie die "Fangfrage" konkret aussah, bleibt unbeantwortet. Doch das scheint auch nicht so wichtig. Denn für viele kommt Rammos Aussage überraschend, hatte er doch in den letzten zwei Verhandlungstagen noch angegeben, sich nur vage an das Gespräch erinnern zu können. Bushidos Aussage, Arafat habe das Geld ohne sein Wissen abheben lassen und für Kosten an der gemeinsamen Villa in Kleinmachnow verwendet, wollte Rammo bislang nicht bestätigen. Jetzt also doch. Als Prozessbeobachter fragt man sich unweigerlich, ob man sich das Abspielen der unverständlichen Audiodatei nicht auch hätte sparen können.

Richter Mrosk zeigt sich dennoch zufrieden: "Das war doch gar nicht so schlimm am Ende." – "Aber es ist alles bisschen durcheinander" ergänzt Remmo und hält die Zettel mit der Übersetzungsleistung hoch. Und so geht auch dieser Prozesstag zu Ende. Ashraf Remmo ist damit aus dem Zeugenstand entlassen. Am Mittwoch geht's weiter.

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