Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn hat wenig Grund zum Lachen. Nun ist auch beim Audi A6 eine Dieselmanipulation entdeckt worden.
Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn hat wenig Grund zum Lachen. Nun ist auch beim Audi A6 eine Dieselmanipulation entdeckt worden.Bild: dpa

Das bedeutet die zweite Diesel-Schummelwelle bei Audi

08.05.2018, 17:23

VW kommt im Dieselskandal nicht zur Ruhe. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) prüft, ob bei der VW-Tochter Audi eine zweite Schummelsoftware eingesetzt wurde. Betroffen sind Wagen vom Typ A6 und A7.

Wie lautet der neue Vorwurf gegen Audi?

Die Volkswagen-Tochter Audi hat eine weitere unzulässige Abgassoftware in einigen Dieselautos eingesetzt. Wie das Bundesverkehrsministerium am Dienstag mitteilte, geht das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) entsprechenden Hinweisen bei einer aktuellen Version des A6 und A7 nach.

Audi selbst habe die Behörde über "Auffälligkeiten" in der Steuerungssoftware bei V6-Dieselmotoren informiert, teilte die VW-Tochter mit. In Deutschland sind rund 30 000 Wagen betroffen. Ein amtlicher Rückruf zumindest in Deutschland sei "äußerst" wahrscheinlich, hieß es.

Das KBA habe eine amtliche Anhörung wegen des Verdachts einer unzulässigen Abschalteinrichtung bei Audi V6TDI-Fahrzeugen der Modelle A6/A7 eingeleitet, erklärte das Verkehrsministerium in Berlin. Demzufolge sollen rund 33.000 Dieselautos in Deutschland und weltweit insgesamt rund 60.000 Fahrzeuge betroffen sein. Zuerst hatte das Portal "Spiegel Online" über die neuen Vorwürfe berichtet.

Erst im Januar hatte Audi zahlreiche Dieselmodelle - darunter auch den A6 - wegen einer anderen Abschalteinrichtung zurückrufen müssen. Diese Software hatte den Stickoxid-Ausstoß zwar in standardisierten Messverfahren reduziert, nicht aber im Normalbetrieb.

Was bisher geschah

Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn kann Deutschland derzeit nicht verlassen, sein Nach-Nachfolger Herbert Diess darf (noch) ins Ausland reisen.
Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn kann Deutschland derzeit nicht verlassen, sein Nach-Nachfolger Herbert Diess darf (noch) ins Ausland reisen.Bild: dpa

Damit kommt der Volkswagen-Konzern im Abgasskandal um manipulierte Dieselmotoren nicht zur Ruhe. 2015 musste der Konzern nach Drängen der US-Justiz einräumen, strengere Abgaswerte für Stickoxide - Chemiker sprechen von NOx - nur über eine Schummelsoftware erreicht zu haben.

  • Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass der frühere Konzernchef Martin Winterkorn in den USA per Haftbefehl gesucht wird. Deutschland muss Winterkorn nicht ausliefern. Aber im Ausland muss er eine Festnahme fürchten. So war Winterkorn, Aufsichtsratsmitglied des Männer-Fußballbundesligisten FC Bayern München, in der Vorwoche nicht mit zum Champions-League-Halbfinale nach Madrid gereist.
  • Der neue VW-Chef Herbert Diess hat sich mit den US-Behörden darauf verständigt, dass er im Falle einer Anklage in den Vereinigten Staaten vorab informiert. Das ermöglicht Diess Reisen ins Ausland. Diess war erst 2015 kurz vor bekannt werden der Diesel-Schummeleien von BWM zu VW gewechselt. Die US-Justiz prüft, ob er aber im Juli 2015 an einer internen Besprechung zu dem Skandal anwesend war. Laut Medienberichten soll Diess Winterkorn in Gesprächen mit US-Behörden belastet haben. ​

Wie will Audi nun weiter vorgehen?

Neue Messreihen bringen die jüngsten Abweichungen ans Licht.
Neue Messreihen bringen die jüngsten Abweichungen ans Licht.Bild: dpa

Die VW-Tochter Audi stoppte die Auslieferung der Fahrzeuge in den Handel. Nun werde der Hersteller in Absprache mit den Zulassungsbehörden ein Software-Update zur Verfügung stellen.

Wie "Spiegel Online" berichtete, soll bei den Fahrzeugen eine Software zum Einsatz kommen, die die Abgasreinigung herunterfährt, sobald das sogenannte AdBlue zur Neige geht. Dabei handelt es sich um Harnstoff, den Katalysatoren brauchen, um Stickoxide aus den Abgasen zu filtern.

Allerdings sollte AdBlue demnach nicht vom Kunden selbst, sondern beim Servicetermin in der Werkstatt nachgefüllt werden. Deshalb habe Audi die Einspritzung des Harnstoffs in den letzten 2400 Kilometern, bevor er zur Neige geht, deutlich reduziert. Dadurch steige aber der Stickoxid-Ausstoß sprunghaft an.

(dpa, AFP)

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