Baden gehen auf dem Mars? Einen See gibt es zumindest, sagen Forscher

25.07.2018, 15:56

20 Kilometer breit und 1,5 Kilometer unter dem Eis: Forscher haben auf dem Mars einen See gefunden. Er liegt am Südpol und seine Entdeckung dürfte jetzt wohl die Diskussion darüber beenden, ob es flüssiges Wasser auf dem roten Planeten gibt oder nicht.

Das Forscherteam um Roberto Orosei vom italienischen Nationalen Institut für Astrophysik in Bologna hat seine Ergebnisse im Fachmagazin "Science" veröffentlicht. Es hat den See mit Hilfe der Raumsonde "Mars Express" der europäischen Raumfahrtagentur Esa entdeckt.

So fliegt die "Mars-Express"-Sonde um den Planeten
So fliegt die "Mars-Express"-Sonde um den PlanetenBild: ESA, INAF. Graphic rendering by Davide Coero Borga – Media INAF

Was "Mars Express" leider nicht kann: Anzeichen für Leben in dem Marssee finden. Flüssiges Wasser ist eine Grundvoraussetzung für Leben, wie wir es kennen.

Ausgetrocknete Flussläufe und Sedimente ließen schon lange vermuten, dass es auf dem Roten Planeten vor Milliarden Jahren flüssiges Wasser gegeben haben muss. Damals war das Klima dort wärmer und die Marsatmosphäre dichter als heute. Sogar ein ganzer Ozean könnte weite Teile der Oberfläche einst bedeckt haben.

Dauerhaft kann flüssiges Wasser an der Marsoberfläche heute nicht existieren, als Eis in den Polkappen aber schon. So ähnlich wie in den unterirdischen Seen der Antarktis und Grönlands auf der Erde. In der dünnen Marsluft findet sich ein geringer Wasserdampfanteil.

Dort, wo es bunt ist, liegt der See. 
Dort, wo es bunt ist, liegt der See. Bild: USGS Astrogeology Science Center, Arizona State University, INAF

Seit Jahrzehnten fahnden Forscher nach flüssigem Wasser auf unserem Nachbarplaneten und haben immer wieder Spuren gefunden:

  • Auf dem "Phoenix"-Landemodul der US-Raumfahrtbehörde Nasa haben sich Wasserstropfen niedergeschlagen.
  • An manchen Steilhängen des Roten Planeten sind Strukturen zu erkennen, die von herabfließendem tauenden Wassereis stammen könnten.
  • In einer dünnen Schicht unter der Marsoberfläche könnte sich an manchen Stellen regelmäßig flüssiges Wasser bilden – allerdings nur kurz und in winzigsten Mengen.
Wie die Forscher den See gefunden haben:
Mit der "Mars Express"-Sonde der europäischen Raumfahrtagentur Esa und Radartechnik haben die Forscher Teile der Südpolregion Planum Australe auf dem Roten Planeten abgesucht. Dort stießen sie auf eine deutlich abgegrenzte Region mit denselben Radarsignaturen, wie sie versteckte Seen unter dem Eis irdischer Polarregionen erzeugen.

Lebt da was?

Ob es in dem unterirdischen Gletschersee auf dem Mars überhaupt Leben geben kann, ist unklar.

Was dafür spricht:

  • Der unterirdische Lake Whillans in der Antarktis beispielsweise beherbergt zahlreiche Mikroben in der ewigen Finsternis.

Was dagegen spricht:

  • Lake Whillans ist kein abgeschlossenes Ökosystem: Sein Wasser tauscht sich über einen unterirdischen Fluss Stück für Stück aus.
  • Am Mars-Südpol ist es wesentlich kälter als in der irdischen Antarktis.
  • Die Temperatur des jetzt entdeckten unterirdischen Sees schätzen die Forscher auf minus 68 Grad Celsius.
  • Um bei dieser Kälte flüssig zu bleiben, muss der unterirdische See voller Salze sein, die den Gefrierpunkt erheblich herabsetzen können.

Salz gibt es genug auf dem Mars

Magnesium-, Kalzium- und Natriumsalze gibt es auf dem Mars in rauen Mengen. Sie könnten also durchaus in dem See vorliegen und den Gefrierpunkt so weit herabsetzen, dass darin etwas überleben könnte. Für viele Lebewesen sind hohe Salzkonzentrationen allerdings nicht gerade angenehm. Einige wenige irdische Mikroorganismen sind jedoch bekannt, die auch in hoher Salzkonzentration überleben.

Andere haben mehr Potential für Leben

Unterirdische Ozeane auf verschiedenen Eismonden der Planeten Jupiter und Saturn gelten gegenwärtig als aussichtsreichste Orte für die Fahndung nach außerirdischem Leben in unserem Sonnensystem.

Ob sich der unterirdische Gletschersee auf dem Mars in diese Riege einreiht, muss jetzt weiter untersucht werden. Vielleicht finden die Forscher sogar noch mehr Becken dieser Art. Bis jetzt haben sie erst einen Bruchteil der Südpolkappe per Radar untersucht.

(sg/dpa)

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